Durch Splitterminen bei Teistungen getötet

Am kommenden Dienstag, 19. Oktober 2021, lädt das Grenzlandmuseum Eichsfeld um 19 Uhr zur einer besonderen Premiere ein. Es geht um das Hörspiel: „Ich geh dort kaputt“. Die tödliche Flucht des NVA-Soldaten André Rößler 1976 bei Teistungen.

Zum Hörspiel: „Ich geh dort kaputt“, sagt der 19-jährige André Rößler aus Hohndorf (Sachsen) seiner Mutter beim Abschied. Im Mai 1976 wird er zur Nationalen Volksarmee eingezogen. „Tausende gehen zur Armee und kommen wieder“, antwortet die Mutter.

Nach vier Monaten Drill und Schikanen bekommt André Rößler, Ladeschütze im Regiment Mühlhausen (Thüringen), am 4. September 1976 zum ersten Mal Ausgang. Er flüchtet. Kurz vor Mitternacht erreicht der junge Mann die DDR-Grenze unmittelbar neben dem innerdeutschen Grenzübergang Teistungen/Duderstadt. Er versucht, die Selbstschussanlage am letzten Grenzzaun zu überwinden. Zwei Splitterminen verletzen ihn tödlich.

 „Sie haben einen Vaterlandsverräter erzogen“, sagt man der Mutter im anschließenden Stasi-Verhör. Im Ministerium für Staatssicherheit befürchtet man, „daß die Weltöffentlichkeit von diesem Vorkommnis Kenntnis erlangt“ und beschließt: „Wir müssen die Eltern in den Griff bekommen – sie müssen sich einverstanden erklären, daß der Sarg geschlossen bleibt.“

 Der Schriftsteller und Journalist Roman Grafe hat diese Geschichte nun in einem Hörstück erstmals ausführlich dokumentiert. Es gelang ihm, für diese Produktion ein prominentes Ensemble zusammenzubringen: Angela Winkler (Berliner Ensemble), Martin Reinke (Burgtheater Wien), Jörg Ratjen (u. a. Schauspielhaus Hamburg), Philipp Schepmann (ARD), Max Schimmelpfennig (ZDF) sowie den Dichter und Sänger Max Prosa.

 Roman Grafe ist u. a. Autor des Standardwerkes „Die Grenze durch Deutschland“, das 2002 im Siedler-Verlag erschienen ist.

 Die Geschäftsführerin des Grenzlandmuseum Eichsfeld, Mira Keune, ist überzeugt, dass Roman Grafe mit dieser besonderen und sensiblen Hörgeschichte auch ein wichtiges Angebot für das Grenzlandmuseum Eichsfeld geschaffen hat. Die Hörgeschichte kann zukünftig im Museum erstanden werden. Sie wird aber auch bei Museumsangeboten wie Führungen und Gedenkwanderungen eingesetzt, die den Fluchtort von André Rößler, der nur wenige Meter entfernt vom Museum liegt, einbinden.

 Zur weiteren Eindämmung von Covid-19 und zur Sicherheit aller gelten weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln sowie für die Teilnahme an der Veranstaltung die 3-G-Regel. Um Anmeldung wird gebeten (telefonisch unter: 036071 – 97112 oder per Mail unter bildungstaette@grenzlandmuseum.de) .