Wort zum Sonntag: In den Schoß gelegt

Die beiden letzten Bilder der traditionellen Kreuzwegstationen zeigen Maria, in deren Schoß der gekreuzigte Jesus gelegt wird, und die Grablegung Jesu. Wer den Kreuzweg betend oder einfach nur betrachtend geht, wird hier von einer eigenartigen Zweideutigkeit berührt. Auf der einen Seite packt einen selbst die Trauer und der innere Zusammenbruch Mariens, der in den vielfältigsten Darstellungen der Pieta zum Ausdruck gekommen ist.

Zum anderen fühlt man Erlösung aus der Qual der Kreuzigung. Und so ist die Grablegung – und das gilt nicht nur für Jesu Sterben – ein Werk von Nächstenliebe und innerem Frieden. 

Der Abschluss des Kreuzweges aber auch das sich in diesen Tagen jährende Pandemiegeschehen lehren uns, die Zweideutigkeit des Lebens mit seiner Zerbrechlichkeit annehmen zu lernen.  Dies ist nicht leicht, da der „Virus“ des wissenschaftlichen Fortschrittsglaubens und der uneingeschränkten Machbarkeit uns nach wie vor prägen. Allein gegen die Formulierung „in den Schoss gelegt“ können wir uns nur wehren, denn die Hände in den Schoss zu legen, scheint allein schuldhafte Wirklichkeitsverweigerung zu sein. Und dennoch: es gibt die Situation, in der man annehmen muss, was einem in den Schoss gelegt wird.

Es gibt auch eine Wirklichkeitsverweigerung, die meint alles durch menschliches Handeln lösen zu können. Nach einem Jahr Listen schreiben, Masken tragen und Abstand halten gilt es nicht das zu ignorieren, sondern zu prüfen, was ist notwendig, was kann verändert werden und welche Erfahrung hat uns auch für das weitere Leben bereichert.

Für mich wird zu Ostern der Gang auf den Friedhof eine wichtige Rolle spielen. Da ist das Grab unserer Familie auf dem Jenaer Nordfriedhof – ein Ort, der mich meinem verstorbenen Vater noch heute nahe bringt. Und da sind die Friedhöfe in unserer Pfarrei, deren Pflege zeigt, das Sterben zu unserem Leben gehört. An keinem Ort kann man besser lernen, die Zerbrechlichkeit des Lebens anzunehmen, das heißt: mit der Vergangenheit barmherzig und auf die Zukunft hoffend.

Auf dem Weg zu Ostern                                                            

Pfarrer Gregor Arndt

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