Das Arthrex MobileLab war bereits zum fünften Mal am EKW zu Gast. Europaweit sind nur wenige dieser Trainingsfahrzeuge unterwegs, entsprechend gefragt sind die Schulungstermine. Foto: Stefan Rampfel

Göttingen-Weende. Ein futuristisch anmutender Lkw auf dem Gelände des Ev. Krankenhauses Göttingen-Weende (EKW) bot Besuchern und Patienten einen ungewöhnlichen Anblick. Im Inneren des rund zwölf Meter langen Aufliegers verbirgt sich ein hochmodernes chirurgisches Trainingszentrum: das Arthrex MobileLab.

Es ermöglicht medizinischem Fachpersonal, moderne operative Verfahren kennenzulernen und praktische Fertigkeiten unter realistischen Bedingungen außerhalb des regulären Klinikbetriebs zu vertiefen.

Rund ein Dutzend junge Ärztinnen und Ärzte der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie des EKW nutzten das Angebot, um sich direkt an ihrem Arbeitsplatz fortzubilden. Im Mittelpunkt standen arthroskopische und weitere minimalinvasive Verfahren sowie der gemeinsame Austausch über aktuelle Behandlungsmethoden.

Junge Ärztinnen und Ärzte der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie des EKW üben arthroskopische und weitere minimalinvasive Verfahren unter realistischen Bedingungen. Foto: Stefan Rampfel

Das Arthrex MobileLab war bereits zum fünften Mal am EKW zu Gast. Europaweit sind nur wenige dieser spezialisierten Trainingsfahrzeuge unterwegs, entsprechend gefragt sind die Schulungstermine.

„Wir freuen uns, dass wir das Trainingslabor für unser Team gewinnen konnten. Es bietet vor allem unseren jüngeren Kolleginnen und Kollegen eine wertvolle Möglichkeit, ihre praktischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und neue operative Methoden kennenzulernen“, sagt Raphael Stadler, geschäftsführender Oberarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie sowie zertifizierter Kniechirurg der Deutschen Kniegesellschaft. „Besonders schön ist, dass wir gemeinsam trainieren und voneinander lernen können.“

Praxisnahe Weiterbildung unter realistischen Bedingungen

Im Inneren des Trucks stehen mehrere Trainingsplätze für arthroskopische Eingriffe und minimalinvasive Operationsverfahren zur Verfügung. Qualifiziertes Schulungspersonal und die Oberärzte der Abteilung begleiteten die Übungen und unterstützten die Teilnehmenden beim Umgang mit den Instrumenten.

Ein Schwerpunkt lag auf der Knie- und Schulterchirurgie. An Humanpräparaten konnten die Ärztinnen und Ärzte den Umgang mit Kamera und Instrumenten trainieren, sich mit den anatomischen Strukturen vertraut machen und verschiedene operative Verfahren kennenlernen. Auch Übungen zur Hand- und Fußchirurgie waren möglich. Bei der Arthroskopie, auch Gelenkspiegelung genannt, werden eine Kamera und spezielle Instrumente über kleine Zugänge in das Gelenk eingeführt. Die Bilder erscheinen auf einem Monitor und ermöglichen es, die Gelenkstrukturen zu beurteilen und gezielte Behandlungen vorzunehmen. Das Verfahren erfordert ein gutes Zusammenspiel von Hand-Auge-Koordination, Kameraführung und räumlicher Orientierung.

Im Inneren des Trucks stehen mehrere Trainingsplätze für arthroskopische Eingriffe und minimalinvasive Operationsverfahren zur Verfügung. Foto: Stefan Rampfel

„Es ist hilfreich, die anatomischen Strukturen selbstständig erkunden und die verschiedenen Techniken praktisch ausprobieren zu können“, sagt Assistenzärztin Britta Bahl. „Dadurch bekommen wir ein besseres Verständnis für die Abläufe und können unser Wissen unmittelbar in die Praxis übertragen.“

Neueste Methoden kennenlernen und Sicherheit gewinnen

Neben dem Umgang mit arthroskopischen Instrumenten standen auch aktuelle Verfahren der Kniechirurgie auf dem Programm. Dazu gehörten beispielsweise unterschiedliche Techniken zur Meniskusversorgung und zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes. Die Ärztinnen und Ärzte konnten die einzelnen Verfahrensschritte nachvollziehen und sich mit neuen technischen Möglichkeiten vertraut machen. Für die Weiterbildung ist es besonders wertvoll, operative Abläufe zunächst in einer Trainingsumgebung kennenzulernen und einzuüben, bevor einzelne Schritte unter fachärztlicher Anleitung im Operationssaal übernommen werden.

Auch Assistenzärztin Josefine Richter schätzt diese Möglichkeit: „Man kann sich intensiv mit den Verfahren beschäftigen, Fragen stellen und einzelne Schritte in Ruhe ausprobieren. Das hilft uns, die Abläufe besser zu verstehen und mehr Sicherheit für die spätere Anwendung im OP zu gewinnen.“ Assistenzarzt Jonas Nolte hebt insbesondere den praktischen Nutzen für den Klinikalltag hervor: „Es ist eine tolle Gelegenheit, gemeinsam neue Techniken kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln – ohne den Zeitdruck einer laufenden Operation.“

Jede Assistenzärztin und jeder Assistenzarzt hatte rund anderthalb Stunden Zeit für praktische Übungen an den verschiedenen Stationen. Die individuelle Betreuung ermöglichte es, gezielt auf Fragen einzugehen, Handgriffe zu wiederholen und unterschiedliche Verfahren kennenzulernen. Gleichzeitig profitierte das gesamte Team vom gemeinsamen Training und dem Austausch mit den begleitenden Experten.

Weiterbildung als gemeinschaftliche Aufgabe

Für Oberarzt und Organisator Raphael Stadler ist das MobileLab ein wichtiger Baustein der chirurgischen Weiterbildung. „Eine gute Ausbildung lebt davon, dass theoretisches Wissen und praktische Erfahrung zusammenkommen. Wenn unsere Assistenzärztinnen und Assistenzärzte neue Verfahren selbst ausprobieren können, stärkt das ihre Fähigkeiten und das Vertrauen in die eigenen Fertigkeiten“, erklärt Stadler.