Wort zum Sonntag: Mariens Blick, Simons Schulter und Veronikas Tuch

Im 13. Jahrhundert, dem Zeitalter des Franz von Assisi und der Elisabeth von Thüringen
versuchten Menschen ihren Glauben zu leben, indem sie sich in das Leben Jesu
„hineinfühlten“. Wer Jesus nachempfinden konnte, wurde von ihm auch an die richtige
Stelle seines Lebens geführt. Den strahlenden Ikonen wurde dabei die Pieta hinzugefügt. Es ist die Zeit, in der die Weihnachtskrippe und die Kreuzwegstationen entstehen. Auf diesem Hintergrund lohnt es sich auch heute, die Kreuzwegstationen einmal auf ihre Alltagsrelevanz zu prüfen. Drei im Kreuzweg benachbarte Stationen setzen den Akzent nicht zuerst auf das Leiden des HERRN, sondern legen den Fokus auf Jesus begegnende Personen.

Dabei ergänzen sich diese Kreuzwegbilder zu einer kleinen Praxisanleitung in Sachen Kranken- und Krisenbesuch: Jesus begegnet seiner Mutter – am Anfang stehen nicht Pflegestufeneinteilung oder Diagnose, sondern Empathie. Viele Darstellungen machen das deutlich, in dem Maria und Jesus einander anblicken, Das ist keine Handlung, sondern Wahrnehmung des anderen, das ist Zuhören statt guter Hinweise – und das auf Augenhöhe.

Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen – im zweiten Schritt gilt es im richtigen
Moment das richtige zu tun. Simon mit seinen Söhnen Rufus und Alexander hätte gute
Gründe gehabt, seine Hilfe zu verschieben. Nein, es gibt Situationen, da musst du anpacken – und zwar jetzt. Mehr als Kreuz tragen konnte er nicht – nicht mehr aber auch nicht weniger.

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch – Diese nicht in der Bibel vorkommende
Kreuzwegstation bündelt eine wichtige Regel. Neben Empathie und Hilfe zählt auch
Phantasie beim Krankenbesuch. Ob es ein Taschentuch oder eine Spruchkarte, ein
Gitarrenstück oder ein Stick mit Familiengeschichten ist – die scheinbaren Kleinigkeiten
besitzen Therapiewert.
Gesegnete Fastentage, Pfarrer Gregor Arndt

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