Wort zum Sonntag

Aus dem Fastenhirtenbrief von Bischof Ulrich Neymeyr

Die Nachrichten aus der Ukraine erschüttern uns. In jedem Krieg verlieren Menschen ihr Leben oder ihre Gesundheit, ihre Heimat oder ihre Zukunft. Kinder verlieren ihre Kindheit. Noch dazu enttäuscht der Überfall Russlands auf die Ukraine die Hoffnung auf eine stabile europäische Friedenordnung, für die sich so viele Menschen engagiert haben.

Viele Menschen fragen, warum es Kriege gibt. Der Jakobusbrief stellt sich diese Frage auch: „Woher kommen Kriege bei euch, woher Streitigkeiten? Etwa nicht von den Leidenschaften, die in euren Gliedern streiten? Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet.“ (Jak 4,1-2)

Der Friede ist nicht machbar, er ist kein Produkt wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wie der Bauer die Früchte nicht produzieren kann, so können wir Menschen den Frieden nicht herstellen. Auch der Frieden ist eine Frucht, und zwar die Frucht der Gerechtigkeit, wie der Prophet Jesaja sagt. (Jes 32,17)

Wir Menschen können uns nur bemühen, günstige Voraussetzungen schaffen. Und wir hören nicht damit auf, den Frieden von Gott zu erbitten und zu erflehen, so wie wir es jetzt für die Menschen in der Ukraine tun. Seit dem 5. Jahrhundert beten wir in der Heiligen Messe nach dem Vater unser: „Erlöse uns, Herr, allmächtiger Gott von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen.“ In solchen Gebeten drückt sich unser Glaube und unser Gottvertrauen aus.
Es segne Sie der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Ihr Bischof Ulrich Neymeyr

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