Nachgefragt bei Landrat Dr. Werner Henning

In dieser Woche hatte sich Landrat Dr. Werner Henning in der Presse zu Wort gemeldet. Auch in der Onlinezeitung eichsfeldnachrichten.de war sein Statement zu lesen:  https://www.eichsfeldnachrichten.de/statement-von-landrat-dr-werner-henning-zu-corona-spaziergaengen/ – Es gab viele Reaktionen. Ich hatte Gelegenheit, darüber mit dem Landrat zu sprechen:….

Ihr Pressebeitrag vom 5. Januar wurde nicht nur zustimmend kommentiert. Mit „Orgel Werner“ wird Ihre Sicht quasi auch in eine religiöse Ecke gestellt. 

Was sagen Sie dazu?

Dr. Henning: Natürlich kann und will ich intellektuell meinen christlichen Hintergrund nicht leugnen. Im aktuellen Pressebeitrag habe ich aber ganz bewusst verengende Reizbegriffe nicht verwandt und von „Allmacht der Natur“ gesprochen, der man mit Vernunft begegnen möge. Von dorther kommt es tatsächlich nicht auf ein eng gefasstes Bekenntnis an. Was für den religiösen Menschen die „Gottesfurcht“ ist, das kann der Freigeist auch gern mit dem Respekt vor der Natur ersetzen. 

Und dennoch fallen in den Spaziergängen oder Demonstrationen doch die Kerzen auf, die zumindest im Eichsfeld ja doch auch etwas mit Glauben zu tun haben.

Dr. Henning: Ja, in der Tat. Die „Corona-Spaziergänge“ erinnern bei uns, dem äußeren Schein der mitgeführten Kerzen nach, etwas an Prozessionen. Inhaltlich fehlt ihnen aber der Gestus der Bitte oder des Hoffens auf Verschonung von den Übeln der Krankheit, deren Gefahren sie skurril-demonstrativ mit Kerzen trotzen. Die Bittandacht oder der bewusste risikoarme Umgang mit den vorhandenen Bedrohungen wären da auch in kultureller Hinsicht das adäquatere Verhalten als der „Spaziergang“.

Jemand beschreibt aber auch Ihre Sicht als verengt, was etwas mit dem Erhalt Ihres Postens zu tun habe.

Dr. Henning: Nach 32 Dienstjahren, in der letzten Wahlperiode und im 66. Lebensjahr befindlich, muss ich mich bezüglich des Postens nicht über Gebühr mehr erklären. Die beschriebene Blickfeldenge ficht mich nicht an. Mehr als eine vernünftige Balance zwischen der eigenen Freiheit und der Anerkennung der unergründlichen Tiefen der Natur einzufordern, geht nicht, zumal wir in Bezug auf die diskutierte Pandemie genügend Beispiele dafür haben, dass die Verweigerung dieses Respektes in vielen Fällen, sicher längst nicht in allen, vermeidbar zum Tode geführt hat. Wo ist da noch Enge, oder, wie es im Kommentar heißt, Horizont, der „leider nicht einmal bis zum Tellerrand“ reicht?

Kritisiert wurde Ihre Formulierung „aus dem rechten Lager“.

Dr. Henning: Ich habe mit einem Beispiel auf eine von dort vorgenommene Instrumentalisierung der „Spaziergänge“ hingewiesen und aufgezeigt, wie schnell auch die „Spaziergänge“ in ein ganz anderes politisches Fahrwasser gezogen werden.

Zwischen den Zeilen, so schreibt jemand, lese er die Befürchtung, dass die Spaziergänge wohl bald nicht mehr so friedlich sein würden, wie in den letzten Wochen.

Dr. Henning: Diese Sorge treibt mich ebenso um, und genau deshalb habe ich mich zu Wort gemeldet.

Herzlichen Dank Dr. Werner Henning!

Ilka Kühn

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