Mit der Urania unterwegs: Sonnenuhren im Visier

Michael Spitzenberg bei seinem Vortrag. Fotos: Ilka Kühn

Leinefelde. Die Bildungsgesellschaft Urania lädt regelmäßig zu interessanten Vorträgen und Veranstaltungen ein, wie beispielsweise am vergangenen Dienstag. Das Thema lautete Sonnenuhren, der Veranstaltungsort war in unmittelbarer Nähe des jetzigen Sitzes der Urania. Auf dem Weg zwischen Zentralem Platz und Obereichsfeldhalle kamen einige Interessierte zusammen, um zu erfahren, was Michael Spitzenberg aus Silberhausen über Sonnenuhren zu erzählen weiß.

Und das war eine ganze Menge, denn der Steinmetz hat in seinem Leben schon viele Sonnenuhren ganz unterschiedlicher Art angefertigt. Und das eine Sonnenuhr nicht einfach nur an der Wand hängt und mit einem Stab versehen ist, das machte er deutlich. 

Michael Spitzenberg hatte auch unterschiedliche Modelle von Sonnenuhren mitgebracht und erklärte, wie sie funktionieren. Sicher ist man heutzutage nicht mehr auf Sonnenuhren angewiesen, aber sie seien ein hohes Kulturgut, dass man pflegen sollte, erklärte er. Und das ist gut, wenn man auch die Funktionsweise einer solchen Uhr kennt und auch weiß, warum sie durchaus auch mal eine halbe Stunde “nachgehen” kann. 

Alle Sonnenuhren, die Michael Spitzenberg geschaffen hat, sind auch mit einem Spruch versehen. So steht beispielsweise auf der Horizontalen Südsonnenuhr in Silberhausen der Spruch: “Solange noch Zeit ist, lasst uns Gutes tun” und “Gott schuf die Zeit, doch nicht die Eile”.

Über Eichsfeldgrenzen hinaus bekannt geworden ist Michael Spitzenberg durch sein kurz nach der Wende geschaffenes Mahnmal in Silberhausen, das durch die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth am 29. April 1990 enthüllt wurde. Warum er dieses Mahnmal in dieser Form geschaffen hat, dazu sagt der Steinmetz:”Diese Sonnenuhr soll nicht nur als Zeitmesser, Sondern auch als Mahnerin und Verkünderin dienen. Sie soll die Vorübergehende zum Nachdenken anregen, belehren und in gewissem Sinne auch erziehen und nicht zuletzt die gesellschaftlichen Verhältnisse, das Denken und Handeln einiger verantwortungsloser Menschen jener Zeit widerspiegeln. Dabei dient der Gnomon (Schattenwerfer) als Erkenner der Zeitepoche vom 21.4.1946, Gründung der SED, bis zum 3.10.1990. Von dem vereinten Deutschland möge immer Frieden ausgehen, deshalb die aufsteigende Friedenstaube.”

Es ist schon interessant und wissenswert, was Michael Spitzenberg über Sonnenuhren weiß und vor allem mit welcher Freude er mit seinem Schaffen eine Tradition am Leben erhält, die viele gar nicht bemerken. Aber wer mit offenen Augen durch die Eichsfelder Orte geht, wird hier und dort noch einige Sonnenuhren entdecken. Beim Urania-Vortrag kamen etliche Standorte zusammen, wie beispielsweise auf dem Scharfenstein, Im Garten des Klosters Hülfensberg, an der Kallmeröder Kirche, in Reifenstein, Hausen, Kloster Gerode…

Aber sogar in Ägypten, in der Nähe von Kairo, sind zwei Sonnenuhren von Michael Spitzenberg zu finden. Er konnte sie dort selbst aufbauen, sogar mit eigenem Werkzeug. Und am 10. August kommt ein Fernsehbeitrag um 20 Uhr in der Sendung Umschau über Michael Spitzenberg und seine Sonnenuhren. 

Michael Spitzenberg würde sich auch freuen, wenn eine Sonnenuhr auch bei der geplanten Landesgartenschau 2024 in Leinefelde mit einbezogen würde. LGS-Geschäftsführer Stefan Nolte hat sich mit diesem Thema bereits befasst und war auch bei der Veranstaltung dabei.

Für Schulen hat der Steinmetz auch noch einen Tipp: Man kann ganz einfach Sonnenuhren aus Papier und Pappe herstellen, Modellbögen gibt es und er hat schon in Vorträgen erlebt, dass die Mädchen und Jungen große Freude daran hatten. 

Karl-Josef Löffelholz, Vorsitzender der Urania Bildungsgesellschaft Eichsfeld dankte Michael Spitzenberg herzlich für seinen Vortrag und den Interessierten. 

Ilka Kühn

Der nächste Urania-Termin ist bereits am morgigen Freitag: Wanderung auf den Rusteberg. Wanderführer Lothar Wandt erklärt viel über die Geschichte der Burg und über die Natur beim Aufstieg. Dieser ist mittelmäßig schwierig, feste Schuhe werden empfohlen. Anschließend erfolgt ein Besuch der Kirche von Burgwalde, die mit Solardachziegeln gedeckt ist, sowie der Kapelle „Auf dem Brink“ mit dem Bonifatius-Stein.

Treffpunkt ist um 15.00 Uhr am Ortseingang von Marth aus Richtung der Zubringerstraße A38. Die Hygieneregeln bzgl. Corona sind einzuhalten.

Interessenten melden sich bitte bei der URANIA (Tel.: 03605/546151, E-Mail: urania@urania-eichsfeld.de).