Kranzniederlegung zum 40. Todestag von Heinz-Josef Große am Grenzmuseum Schifflersgrund

Ansprache von Dr. Christian Stöber bei der Kranzniederlegung an der Mahnstätte zum Gedenken an Heinz-Josef Große | Foto: Grenzmuseum Schifflersgrund, Anne Vaupel-Meier

Asbach-Sickenberg. Mitarbeiter des Grenzmuseums Schifflersgrund, Mitglieder des Trägervereins und enge Angehörige erinnerten heute bei einer Kranzniederlegung an den 40. Todestag von Heinz-Josef Große, der am 29. März 1982 beim Fluchtversuch aus der DDR an der innerdeutschen Grenze zwischen Sickenberg und Bad Sooden-Allendorf verstarb.

Radlader als Fluchtfahrzeug am Grenzzaun und DDR-Grenzsoldaten bei der Bergung des Leichnams von Heinz-Josef Große | Foto: Bildarchiv Grenzmuseum Schifflersgrund

Der damals 34-jährige Eichsfelder aus Thalwenden konnte mit Hilfe eines Radladers den Streckmetallgitterzaun mit der Selbstschussanlage überwinden, brach jedoch nach Schüssen von zwei DDR-Grenzsoldaten zusammen und verblutete nur wenige Meter vom Grenzverlauf entfernt.

Während die Todesumstände in der DDR verschwiegen, die Beisetzung überwacht und die beiden Soldaten für ihren „vorbildlichen Grenzdienst“ ausgezeichnet wurden, berichteten in der Bundesrepublik landesweit Fernsehen, Rundfunk und Presse über den Vorfall. Das Bundeskanzleramt verurteilte die Ermordung gegenüber der Ständigen Vertretung der DDR. Nur wenige Wochen später wurde auf westdeutscher Seite eine Mahnstätte mit zwei Gedenkkreuzen errichtet, die seither an Heinz-Josef Große und die Opfer von Teilung und Diktatur erinnern. Insgesamt verstarben zwischen 1949 und 1989 mehr als 200 Menschen an der innerdeutschen Grenze jenseits der Berliner Mauer.

Wolfgang Ruske, der Vorsitzende des Trägervereins, berichtete bei der Kranzniederlegung, wie ihn die Nachricht vom tödlichen Grenzzwischenfall veranlasst habe, sich persönlich zunächst für die Überwindung der Spaltung Deutschlands und anschließend – nach der Grenzöffnung – für die Erinnerung an das Leid des Kalten Krieges zu engagieren.

Der Leiter der Gedenkstätte Dr. Christian Stöber betonte, dass die tragische Fluchtgeschichte von Heinz-Josef Große viel erzählt über das perfide DDR-Grenzregime und dessen Auswirkungen auf das Leben im geteilten Deutschland. „Ebenso schärft diese Geschichte unsere Sinne für die grundlegenden Unterschiede zwischen einer freiheitlichen Demokratie und einem diktatorischem Unrechtssystem“, so Stöber.

Heute gehören sowohl die Mahnstätte als auch der mit einem Birkenkreuz markierte Todesort von Heinz-Josef Große zum Außengelände des Grenzmuseums Schifflersgrund. Zudem wird in der Dauerausstellung – neben zahlreichen historischen Bildaufnahmen und Dokumenten – der Radlader präsentiert.

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