Die Geschichte vom Schwarzbären Jimmy

Jimmys Patin Madeleine Lempradl (li) und Martina Lagemann im September im  Bärenpark. Foto: Ilka Kühn

Es trauern jetzt viele Bärenfreunde um Jimmy, der im Alternativen Bärenpark in Worbis noch glückliche Jahre verbringen konnte und nun gestorben ist. Die Geschichte von Jimmy kann man nicht erzählen, ohne drei Personen besonders zu erwähnen: Madeleine Lempradl und Martina und Uwe Lagemann. Ohne diese drei wäre Jimmy nicht nach Worbis gekommen, um hier wie in fast freier Natur leben zu können. Denn sein Besitzer war gestorben und zwei Schwarzbären brauchten ein neues Zuhause….

Jimmys Geschichte

Madeleine Lampradl hatte so eine Ahnung, dass es ihr letzter Besuch bei Jimmy werden würde.  Sie war im September zum Patentag in Worbis. Jahrelang hat sie ihn hier besucht, wurde seine Patin und kam nie mit leeren Händen. Eine ganz Woche blieb sie immer in Worbis. Doch in diesem Jahr blieb sie nur drei Tage. Es fiel ihr schwer. Sie spürte, dass es der letzte Besuch sein würde. Aber die Berlinerin war auch glücklich, ihn noch einmal gesehen zu haben. Jimmy war damals in der Krankenstation und das Team vom Bärenpark hatte ihr einen Kurzbesuch in der Station ermöglicht. Es hat seinen besonderen Grund. 

Madeleine Lempradl kannte Jimmy und seinen Bruder Gonzo schon, als beide noch Bärenbabys waren. Sie hatte in den achtziger Jahren die kleinen Bären und ihren Dompteur kennengelernt. Daraus entwickelte sich eine jahrelange Freundschaft. Wenn es größere Feste mit Auftritten gab, stand sie hilfreich zur Seite, wie bei dem amerikanisch-deutschen Volksfest in Berlin, als Jimmy und Gonzo dort eingeladen waren. Daran kann sie sich noch gut erinnern, wie überhaupt an alles, was mit den beiden Bären zu tun hatte. Doch dann kam der Tag, als der Dompteur starb. Er hatte Madeleine auf dem Sterbebett gebeten, sich um die Bären zu kümmern. 

Da war guter Rat teuer. Die junge Frau stand mit zwei Schwarzbären da. Der Helfer des Dompteurs konnte beide nicht nehmen. Doch wo sollte sie mit inzwischen ausgewachsenen Schwarzbären hin? Ein Zoo kam nicht in Frage, das wollte der Dompteur nicht. Er hatte kurz zuvor vom Alternativen Bärenpark erfahren. Und hier kommen Uwe Lagemann, als damaliger Leiter des einzigartigen Tierschutzprojektes und seine Ehefrau Martina, die jahrelang für die Pressearbeit zuständig war, ins Spiel. 

Wie Jimmy und Gonzo in den Bärenpark nach Worbis kamen

Lassen wir Martina Lagemann selbst zurückblicken:

“Lieber Jimmy, erfahren habe ich von dir und deinem Bruder Gonzo im Januar 2002. Eine Freundin des verstorbenen Dompteurs fragte im damals noch jungen Bärenpark an, ob wir nicht die beiden elfjährigen Schwarzbären aufnehmen könnten. Es sei der letzte Wunsch des Verstorbenen gewesen, der zuvor einen Beitrag im TV über den Bärenpark gesehen hatte. 

Obwohl er gute Kaufangebote hatte – Jimmy und Gonzo traten ohne Sicherheitszaun in Shows mit Hunden und Ziegen auf -, wollte er den beiden Bären einen würdevollen Lebensabend bieten. Er kannte die Zirkuswelt zu gut, um Jimmy und Gonzo in dieser zurück zu lassen. 

Am 15. Mai 2002 lernte ich beide Bären, gemeinsam mit meinem Mann Uwe Lagemann, im Winterquartier im Norden Deutschlands kennen. Im kleinen Zirkuswagen und in Dauerruhe. Keine Auftritte, keine Bewegung mehr. Ihre Artistenkollegen, 10 Hunde und zwei Ziegen, um sie herum. Ebenfalls arbeitslos und mit ungewisser Zukunft. Zwei Tage verbrachten wir mit den Tieren und lernten Jimmy und Gonzo als interessierte Bären kennen. Wie klasse schmeckten die zugesteckten Grasbüschel mit Erdreich und Proteinen daran! Kannten sie nicht und schmatzen das begeistert weg. Immer wieder. 

Die damaligen Betreuer wussten nicht, dass Bären auch gern Gras fressen. Wir überreichten ihnen außerdem symbolisch die Dauereinladung nach Worbis. Ende Mai 2002 trafen sie in Worbis ein und genossen anfangs die zum Zirkuswagen vergleichsweise große Eingewöhnungsstation, die Vorstufe zum Alternativ-Paradies. Die Eingewöhnung in der Freianlage verlief grandios, waren doch (ungewollt) die beiden Grimmaer Braunbärenmädels Tina und Maike die Empfangsdamen. Später wurde die alte Kathi für die beiden Brüder die Dritte im Bunde.

 Ein wunderbares braun-schwarzes Trio! Gibt es tatsächlich einen Gott mit einem herrlichen Himmel, dann haben sich die drei Petze jetzt wieder. Für immer! Und die damalige Fragestellerin, ob wir die Schwarzbären nach dem Tod ihres Freundes aufnehmen würden, ist heute unsere Freundin und kein Zirkusfan mehr.

 Lieber Jimmy, grüße Gonzo und Kathi von ganzem Herzen von uns!” – Martina Lagemann

Ilka Kühn

 

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