Am 30. Juni 1966 fand im Berliner Kino International die offizielle Premiere von Frank Beyers kritischem DDR-Gegenwartsfilm SPUR DER STEINE statt. Begleitet wurde die Veranstaltung von einer staatlich geplanten Störaktion mit Zwischenrufen und handgreiflichen Auseinandersetzungen im Kinosaal. Wenige Tage später verschwand der Film aus dem Programm und es dauerte fast ein Vierteljahrhundert, bis er wieder gezeigt wurde. Auf den Tag genau 60 Jahre später zeigt das Kino International den Film erneut. 

Zu Gast sind Hermann Beyer, Jutta Hoffmann, der Filmhistoriker Andreas Kötzing und DEFA-Stiftungsvorstand Stefanie Eckert. Es moderiert Peter Badel. Alle weiteren Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier: https://www.yorck.de/specials/special-screening-spur-der-steine 

Kurzinhalt: Auf der Großbaustelle Schkona herrscht Chaos: Materialmangel, Planungsfehler und die anarchische Zimmererbrigade um den rebellischen Hannes Balla, der sich mit Wild-West-Manieren nimmt, was er für seine Leute braucht. In dieses Pulverfass geraten zwei Neue: die idealistische Ingenieurin Kati Klee und der linientreue SED-Parteisekretär Werner Horrath. Horrath versucht, den unangepassten Balla zu bändigen. Zwischen den Männern entwickelt sich nicht nur ein Machtkampf auf der Baustelle sondern auch eine Dreiecksgeschichte um Kati. Ein Jahr später sitzt Horrath vor der Parteileitung. Der Vorwurf: unmoralisches Verhalten und politisches Versagen. Wie konnte es soweit kommen? 

Vom erfolgreichen Roman zum Film SPUR DER STEINE basiert auf dem gleichnamigen, rund 900-seitigen Roman des Schriftstellers Erik Neutsch, der 1964 im Mitteldeutschen Verlag in der DDR erschien. Bereits das Buch wurde als „parteifeindlich“ kritisiert. Die Stimmen der Kritiker verstummten erst, als es Fürsprechern gelang, das Werk für den DDR-Nationalpreis vorzuschlagen, den Neutsch auch erhielt. Regisseur Frank Beyer holte Karl-Georg Egel für die Drehbucharbeit an Bord. Neutsch stand beratend zur Seite. Beyer schätzte Egels Arbeit für mehrere Filme von Konrad Wolf – insbesondere für den verbotenen Film SONNENSUCHER, dessen Skript Egel gemeinsam mit Paul Wiens verfasst hatte. 

Der erste gemeinsame Entwurf für SPUR DER STEINE sprengte jedoch den Rahmen: Das Buch hätte zu einem rund 3,5 Stunden langen Film geführt, der nur als Zweiteiler im Kino oder als vier- bis fünfteiliger Fernsehmehrteiler realisierbar gewesen wäre. Da Beyer jedoch den Ehrgeiz hatte, den monumentalen Stoff als einteiligen Kinofilm auf die Leinwand zu bringen, musste eine strukturelle Lösung her. So entstand die Idee für eine Rahmenhandlung über den Parteiausschluss von Horrath. Indem der Rest der Geschichte in Rückblenden aufgerollt wird, ließen sich komplexe Handlungsstränge in wenigen Sätzen zusammenfassen und das Erzähltempo deutlich straffen. 

Drehort: Baustelle 

Gedreht wurde SPUR DER STEINE zwischen dem 3. Mai und dem 4. Oktober 1965 unter anderem in Leuna und Schwedt. Die legendäre Badeszene, in der Krug mit seiner Brigade nackt in einen Teich springt, entstand im Stadtzentrum von Coswig (Anhalt).