Leinefelde. Der Leinefelder Bahnhof gerät immer mal wieder in den Blickpunkt. Sowohl negativ als auch positiv. Das Gebäude gehört inzwischen der WVL, dem kommunalen Wohnungsunternehmen von Leinfelde-worbis. Es hat das Gebäude innen und außen auf Vordermann gebracht. Obwohl es nicht deren Aufgabe ist, hat das Unternehmen nun auch eine WC-Anlage installiert, bis die geplante am Busbahnhof öffnet. Am Montagmorgen (10. Juni 2024) um 9 Uhr bot sich Reisenden folgendes Bild:

Das ist bereits seit mehr als 20 Jahren ein gewohntes Bild in der Unterführung am Bahnhof Leinefelde. Diejenigen, die hierhin pinkeln, werden sicher keine Toiletten aufsuchen. Fotos: Ilka Kühn

Die Reinigungskräfte, die die Bahn hier einsetzt, können einem leid tun. Wer möchte hier schon saubermachen. Den Bereich zwischen den Treppen abschließen, geht auch nicht, die meisten Züge fahren auf Gleis 2. Videoüberwachung wird nicht zugelassen. Da könnten man die Übeltäter wenigstens später zur Kasse bitten, wenn sie erkannt werden. In der Zeit, wo nachts sowieso keine Personenzüge fahren, könnte man den Bereich vielleicht schließen. Aber da braucht es wieder jemand, der zu- und wieder aufsperrt.

Die WVL hat in der ursprünglichen WC-Anlage wieder Toiletten installiert, sie sind seit gestern geöffnet.

Zu DDR-Zeit war das bereits die WC-Anlage. Foto: Ilka Kühn

Die Bahn hat im vergangenen und diesem Jahr rund fünf Millionen Euro in Gleise und Gleisanlagen investiert. Eine Toilettenanlage gehörte nicht zum Investitionsprogramm. Auch wurde die Bedachung, die unter Denkmalschutz gestanden haben soll, weggemacht. Jetzt gibt es nur bei den Treppenaufgängen eine kurze Überdachung. Die Fahrradständer sind nicht überdacht.

Die Infos für Reisende sind noch unvollständig.

Hier fehlt noch dieZuginformation für die Reisenden. Ansagen hört man nicht mehr.

Der Zustand hier am Leinefelder Bahnhof ist auch der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge. Pressesprecher René Weißbach schreibt: Die Stadtverwaltung Leinefelde-Worbis empfindet die Gegebenheiten auf dem nun in der Sanierung befindlichen Bahnhofsgelände genauso unzulänglich wie die Reisenden.

Mit dem Kauf des Bahnhofsgebäudes hat die Stadt Leinefelde-Worbis zunächst einmal
verhindert, dass dieses weiter leer steht und verfällt. Toiletten sieht die Deutsche Bahn AG
für ihre Fahrgäste trotz mehrfacher Gespräche, die die Stadtverwaltung dazu über die Jahre
mit der Bahn gesucht hat, nicht mehr vor. Daher ist mit der derzeit ebenfalls laufenden
Sanierung des ehemaligen Bahnhofsgebäudes jetzt übergangsweise eine Unisex-Toilette für
die Reisenden mitgebaut worden. Diese ist ein Notbehelf, bis die neue öffentliche
Toilettenanlage am gegenüberliegenden Busbahnhof, der zeitgleich von der Stadt saniert
wird, fertig ist.


Die Toilette am umgenutzten Bahnhofsgebäude wurde von der Wohnungsbau- und
Verwaltungs GmbH Leinefelde, die das Gebäude zwischenzeitlich von der Stadt
übernommen und aufwendig saniert hat, als Provisorium hergerichtet. Unterhalten wird sie
von der Stadt Leinefelde-Worbis.

Bei besonderen Herausforderungen, wie am Mittwochabend, als zirka 100 Personen am
Leinefelder Bahnhof gestrandet waren, weil Züge für die Weiterfahrt ersatzlos ausfielen,
ist die Stadtverwaltung ebenfalls zur Stelle. So wurden hier kurzfristig die Toiletten im
benachbarten Rathaus Wasserturm geöffnet, während die Reisenden vom Sanitätsdienst
des Kreises versorgt wurden.

Die Geruchssituation in der offensichtlich zu selten oder mangelhaft gereinigten
Unterführung und den für den Transport von Fahrrädern viel zu kleinen Fahrstuhl moniert
die Stadtverwaltung bei der Bahn schon seit Jahren, jedoch ohne Erfolg.

Gerade auch im Hinblick auf die bevorstehende Landesgartenschau, die die Zahl der hier ankommenden
Fahrgäste sicher noch einmal signifikant erhöhen wird, ist der Zustand mehr als
unbefriedigend. Es ist für Radfahrer faktisch nur mit Muskelkraft möglich, die vielen Treppen
zwischen den Bahnsteigen zu überwinden, was angesichts der immer beliebter werdenden
E-Bikes, die um einiges schwerer sind als normale Fahrräder, alles andere als zeitgemäß ist.

„Fußgänger, die die Unterführung passieren müssen, üben sich regelmäßig im Luftanhalten
und im Slalomlauf um die gelben Pfützen. Das macht keinen guten Eindruck“, weiß Natalie
Hünger, Fachamtsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit/Tourismus/Kultur. Aber zuständig ist hier
die Deutsche Bahn AG, die auf dem Bahnhof im Übrigen auch gerade alle Fahrradständer
und Überdachungen über selbigen ersatzlos abgebaut hat.

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