Beim Landkreis nachgefragt

Das Schulgebäude gehört dem Landkreis. Seit zehn Jahren steht es leer (bis auf die Nutzung durch das DRK auf einer kleinen Fläche). Foto: Ilka Kühn

Leinefelde. Was wird aus der ehemaligen POS IV in der Händelstraße? Diese Frage ist seit Jahren ungeklärt. Die Stadt Leinefelde-Worbis hat mehrfach Interesse an dem Gebäude bekundet. Leinefeldes Ortsbürgermeister Patrick Westphalen könnte sich die einstige Schule gut als ein Haus für Vereine vorstellen.

Die Schule wurde 1979 als POS IV Johann-Carl-Fuhlrott Schule eröffnet. Foto: Ilka Kühn

Die  Eichsfeldnachrichten hatten beim Landkreis nachgefragt, wie das große kreiseigene Gebäude derzeit genutzt wird und welche Pläne es für die Zukunft gibt. Die erste Antwort blieb allerdings sehr allgemein und ließ wesentliche Fragen offen.

Hier muss dringend gehandelt werden. Foto: Ilka Kühn

Deshalb legten die Eichsfeldnachrichten noch einmal nach und schickten der Kreisverwaltung zwölf konkrete Fragen. Dabei wurde ausdrücklich um eine möglichst konkrete Beantwortung gebeten. Gestern gingen die Antworten des Landratsamtes ein.

Danach wird das Gebäude seit 2016 nicht mehr regulär als Schule genutzt. Das Deutsche Rote Kreuz belegt einen umgebauten früheren Klassenraum als Außenstelle einer Rettungswache. Dazu wurden Sanitärräume und ein Außenparkplatz angemietet. Weitere Räume dienen den technischen Kräften des Landkreises als Lager.

Die Aufwendungen für den Gebäudekomplex lagen 2025 bei 87.300 Euro. Darin enthalten sind Betriebskosten und Abschreibungen. Dem standen Erträge in Höhe von 33.700 Euro gegenüber. Rechnerisch ergibt sich damit eine Differenz von 53.600 Euro. Eine genaue Aufschlüsselung der Kosten für Heizung, Strom, Versicherung, Bewachung, Unterhaltung und Reparaturen enthält die Antwort allerdings nicht.

Während der Corona-Pandemie befand sich in der ehemaligen Schule ein Impfzentrum. Das Hinweisschild an der Zufahrt erinnert noch heute daran.

Über eine dauerhafte Nachnutzung wurde zwar nachgedacht. Im Gespräch waren ein Kulturzentrum mit Musikschule, Kreisvolkshochschule und Vereinsräumen sowie eine Nutzung als Ausweichquartier während der Generalsanierung anderer Schulen. Damit greift der Landkreis zumindest teilweise den seit Langem bestehenden Wunsch nach einem Haus für Vereine auf. Wie weit diese Überlegungen tatsächlich fortgeschritten sind, bleibt jedoch offen.

Bemerkenswert ist, dass für das Gebäude bislang weder Gutachten noch Zustandsuntersuchungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen oder Kostenschätzungen erstellt wurden. Auch der Sanierungsbedarf ist nicht genauer ermittelt worden. Der Landkreis geht lediglich davon aus, dass für eine dauerhafte Nutzung eine Generalsanierung infrage kommt.

Ein Verkauf oder eine Übertragung wurde kreisintern diskutiert, aber nicht näher geprüft. Auch die politischen Gremien des Landkreises haben sich bislang nicht mit der Zukunft der ehemaligen Schule befasst. Einen Zeitplan für eine Entscheidung gibt es ebenfalls nicht.

Eine Tafel am Gebäude nennt 1978 als Baujahr und erinnert an die Johann-Carl-Fuhlrott-Schule. Zu DDR-Zeiten war hier die POS IV untergebracht. Nach dem Ende der Fuhlrott-Schule an diesem Standort wurde das Haus noch von der Staatlichen Berufsbildenden Schule als Haus III genutzt. Diese Schulnutzung endete 2016.

Damit steht die frühere POS IV inzwischen nicht nur für ein Stück Leinefelder Schulgeschichte. Das Gebäude steht auch für jahrelange Ungewissheit im Umgang mit öffentlichem Eigentum.

Damit sich unsere Leser selbst ein Bild machen können, veröffentlichen die Eichsfeldnachrichten nachfolgend die Fragen und die Antworten des Landratsamtes im Wortlaut:

  1. Seit welchem Jahr wird das Gebäude nicht mehr regulär als Schule genutzt?

Seit 2016 wird das Gebäude nicht mehr regulär als Schule genutzt.

  1. Welche Teile des Gebäudes werden derzeit tatsächlich genutzt und von welchen Einrichtungen beziehungsweise Diensten?

Das DRK nutzt einen umgebauten ehemaligen Klassenraum als Außenstelle einer Rettungswache. Angemietet sind außerdem die zugehörigen Sanitärbereiche und ein Außenparkplatz. Weitere Räume dienen den technischen Kräften des Landkreises als Lager.

  1. Welche jährlichen Kosten entstehen dem Landkreis derzeit für das Gebäude, insbesondere für Betrieb, Heizung, Strom, Bewachung, Versicherung, Unterhaltung und notwendige Reparaturen?

Die Aufwendungen für das Gebäude lagen 2025 bei 87.300 Euro. Darin enthalten sind Abschreibungen und Betriebskosten. Dem standen Erträge von 33.700 Euro gegenüber.

  1. Welche konkreten Vorschläge oder Anfragen für eine Nachnutzung hat es in den vergangenen fünf Jahren gegeben?

Während der Coronapandemie wurde das Gebäude als Impfzentrum genutzt. Darüber hinaus gab es Überlegungen, dort ein Kulturzentrum mit Musikschule, Kreisvolkshochschule und Vereinsräumen einzurichten. Auch eine Nutzung als Ausweichquartier während der Generalsanierung anderer Schulen wurde in Betracht gezogen.

  1. Gab oder gibt es konkrete Interessenten für das Gebäude? Falls ja: Handelte es sich dabei um öffentliche, soziale, kulturelle oder private beziehungsweise gewerbliche Interessenten?

Vor einigen Monaten gab es Überlegungen zu einer Nutzung als Kulturzentrum, in die auch Vereine eingebunden waren.

  1. Welche eigenen Nutzungskonzepte hat die Kreisverwaltung bislang geprüft?

Die Kreisverwaltung hat sich mit den Möglichkeiten eines Kulturzentrums und eines Ausweichquartiers für Schulen beschäftigt. Ob das Gebäude als schulisches Übergangsquartier benötigt wird, ist im Zuge der neuen Schulentwicklungsplanung erneut zu prüfen.

  1. Wurden für das Gebäude in den vergangenen Jahren Gutachten, Zustandsuntersuchungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen oder Kostenschätzungen für eine Sanierung beziehungsweise Umnutzung erstellt? Falls ja, wann und mit welchem Ergebnis?

In den vergangenen Jahren wurden keine Gutachten, Zustandsuntersuchungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen oder Kostenschätzungen zur Sanierung oder Umnutzung des Gebäudes erstellt.

  1. Wie hoch wird der derzeitige Sanierungsbedarf des Gebäudes eingeschätzt?

Eine detaillierte oder gutachterliche Einschätzung des Sanierungsbedarfs liegt nicht vor. Für eine langfristige und nachhaltige Nutzung kommt eine Generalsanierung in Betracht.

  1. Gibt es bauliche, brandschutzrechtliche oder andere rechtliche Gründe, die einer Nutzung größerer Teile des Gebäudes derzeit entgegenstehen?

Nach derzeitiger Einschätzung eignet sich das Gebäude für Übergangsnutzungen. Welche baulichen, brandschutzrechtlichen und sonstigen Anforderungen dabei zu erfüllen sind, hängt von der konkreten Nutzung ab und ist entsprechend zu prüfen.

  1. Wurde auch ein Verkauf oder eine Übertragung des Gebäudes geprüft?

Ein Verkauf oder eine Übertragung wurde in der Vergangenheit kreisintern diskutiert, bislang jedoch nicht im Detail geprüft.

  1. Welche politischen Gremien des Landkreises waren bisher mit der Zukunft des Gebäudes befasst und wann?

Die politischen Gremien haben sich bislang noch nicht mit der künftigen Nutzung des Gebäudes befasst.

  1. Gibt es einen Zeitplan, bis wann über die weitere Nutzung des Gebäudes entschieden werden soll?

Wann über die künftige Nutzung des Gebäudes entschieden wird, ist derzeit noch offen, so der Landkreis.

Zehn Jahre Stillstand – trotzdem hohe Kosten, wer kann sich so etwas leisten in der heutigen Zeit?

Ilka Kühn