Weißenborn-Lüderode. Die geplante Neuordnung der Schullandschaft im Eichsfeld sorgt für Diskussionen. Jetzt meldet sich der Elternbeirat des Kindergartens „Maria und Josef“ in Weißenborn-Lüderode zu Wort. Mit einer Petition fordert er den Landkreis Eichsfeld auf, die Grundschule „Im Ellertal“ langfristig zu sichern und eine Schließung auszuschließen.
Die Petition wurde am 13. September gestartet und richtet sich direkt an den Landkreis Eichsfeld. Innerhalb weniger Tage haben bereits über 600 Menschen unterschrieben.
Hintergrund sind die Überlegungen zur künftigen Schulnetzplanung angesichts sinkender Geburtenzahlen. Der Elternbeirat räumt ein, dass die rückläufigen Kinderzahlen Schulen und Landkreis vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Entwicklung dürfe jedoch nicht allein ausschlaggebend dafür sein, ob ein Schulstandort erhalten bleibt oder geschlossen wird.
Besonders im Blick haben die Initiatoren die Schulwege. Sollte die Grundschule in Weißenborn-Lüderode wegfallen, müssten nach Angaben des Elternbeirats vor allem Kinder aus Weilrode, Bockelnhagen, Silkerode und Zwinge zum Teil mit Busfahrzeiten von mehr als 40 Minuten rechnen. Auch Umstiege könnten notwendig werden. Gerade für Kinder ab der ersten Klasse sei das eine erhebliche zusätzliche Belastung, argumentieren die Eltern.
Hinzu kommt die besondere Lage der Landgemeinde Sonnenstein an der Landesgrenze. Der Elternbeirat befürchtet, dass Eltern aus den Randgebieten ihre Kinder künftig verstärkt an Grundschulen im benachbarten Niedersachsen anmelden könnten, wenn diese schneller und einfacher erreichbar sind. Eine solche Entwicklung sei bei weiterführenden Schulen bereits zu beobachten. Beginne ein Kind seine Schullaufbahn erst einmal in Niedersachsen, sei eine spätere Rückkehr in das Thüringer Schulsystem eher unwahrscheinlich, heißt es in der Petition.
Doch den Eltern geht es nicht allein um Schülerzahlen und Busfahrzeiten. Sie betrachten die Grundschule als wichtigen Mittelpunkt des Gemeindelebens.
Die Schule sei seit Generationen ein Ort des Lernens, gleichzeitig aber auch ein Treffpunkt für Familien und Vereine. Genannt werden unter anderem der Vereinssport und die Trachtengruppen. Über viele Jahre seien zudem enge Kooperationen zwischen Schule, Kindergarten, Bibliothek, Tagespflege und örtlichen Vereinen entstanden. Mit einer Schließung gingen nach Auffassung des Elternbeirats deshalb weit mehr als Klassenräume verloren.
Auch als Standortfaktor für junge Familien spiele die Schule eine wichtige Rolle. Fehle eine wohnortnahe Grundschule, werde das Leben im ländlichen Raum gerade für Familien mit Kindern weniger attraktiv. Der Elternbeirat sieht deshalb einen engen Zusammenhang zwischen dem Erhalt der Schule und der Zukunft der gesamten Landgemeinde Sonnenstein.
Für die Initiatoren bedeutet der Erhalt des Schulstandortes unter anderem kurze Schulwege, kleine Klassen und eine familiäre Lernatmosphäre, eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule sowie den Erhalt gewachsener sozialer Strukturen im Ort.
„Unsere Grundschule ist ein Teil unseres Gemeindelebens“, heißt es in der Petition. Die Initiatoren appellieren deshalb an den Landkreis, bei der künftigen Schulnetzplanung nicht allein auf Schülerzahlen zu schauen, sondern auch die Auswirkungen auf Kinder, Familien und die Dorfgemeinschaft einzubeziehen.
Ihr Appell: „Eine Gemeinschaft lebt nur von dem Zusammenleben aller Generationen.“ Die Unterschriftensammlung läuft bis zum 1. Dezember 2026. Initiator ist der Elternbeirat des Kindergartens „Maria und Josef“ in Weißenborn-Lüderode.

