
Weimar. Sportvereine, Wettkämpfe, neue Stadien und begeisterte Zuschauermassen: In den 1920er Jahren entwickelte sich der Sport in Deutschland zu einem gesellschaftlichen Massenphänomen. Eine Sonderausstellung in Weimar widmet sich unter dem Titel „Freiheit in Bewegung – Sport in der Weimarer Republik“ dieser spannenden Epoche. Zu sehen ist sie noch bis zum 4. Oktober 2026.
Eindrücke aus der Ausstellung hat Dr. Michael Kruppe bei einem Besuch am Montag mit der Kamera festgehalten. Seine Fotos geben einen Einblick in eine Zeit, in der sich die Bedeutung des Sports grundlegend veränderte.

Die demokratischen Entwicklungen der Weimarer Republik schufen neue Freiheiten und ermöglichten immer mehr Menschen den Zugang zu sportlichen Aktivitäten. Vor dem Ersten Weltkrieg war Sport häufig noch ein Privileg wohlhabender Bevölkerungsschichten gewesen. In den 1920er Jahren profitierten dagegen breite Teile der Gesellschaft von mehr Freizeit, einem wachsenden Vereinswesen und dem Wegfall zahlreicher gesellschaftlicher Tabus.

Millionen Menschen ließen sich von der neuen Sportbegeisterung mitreißen – entweder als Aktive oder als Zuschauer. Auch Frauen eroberten sich zunehmend einen Platz im Sport. Ihre Möglichkeiten blieben jedoch vielfach auf bestimmte, als „weiblich“ angesehene Disziplinen beschränkt.

Die Ausstellung zeigt zugleich, dass Sport bereits vor rund 100 Jahren eng mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden war. Nach der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht erhielt körperliche Ertüchtigung einen hohen Stellenwert. Politik und Kommunen förderten den Bau von Turnhallen, Sportplätzen und Stadien.

Deutschland befand sich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg zunächst in einer schwierigen Lage. Das Land war international weitgehend isoliert und von zahlreichen Wettkämpfen ausgeschlossen. Dennoch machten deutsche Athletinnen und Athleten mit herausragenden Leistungen auf sich aufmerksam. Die Ausstellung erinnert auch an Sportler, deren Erfolge und Lebenswege heute vielfach in Vergessenheit geraten sind.
Thematisiert werden darüber hinaus die politischen Lager jener Zeit. Viele Menschen trieben ihren Sport vor allem gemeinsam mit politisch Gleichgesinnten. Bürgerliche, sozialdemokratische, kommunistische und konfessionelle Verbände organisierten eigene Vereine und Wettbewerbe. Der Sport verband die Menschen, spiegelte zugleich aber auch die gesellschaftlichen Gegensätze der Weimarer Republik wider.
Die Besucher erfahren außerdem, warum der Profisport zunächst auf große Vorbehalte stieß, welche Rolle die internationale Anerkennung Deutschlands spielte und weshalb das Land im Jahr 1931 den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhielt. Diese sollten 1936 in Berlin und Garmisch-Partenkirchen stattfinden – zu einem Zeitpunkt, als die Weimarer Demokratie bereits zerstört war und die Nationalsozialisten den Sport für ihre Propaganda nutzten.
„Freiheit in Bewegung“ macht deutlich, dass viele Entwicklungen des modernen Sports ihren Ursprung in den 1920er Jahren haben. Gleichzeitig erinnert die Ausstellung daran, dass Sport und Politik schon damals eng miteinander verflochten waren.
Vereinsgründungen auch im Eichsfeld
Der Aufschwung des Sports in den 1920er Jahren zeigte sich auch im Eichsfeld. In zahlreichen Orten entstanden neue Fußball-, Turn-, Radfahr- und Sportvereine. Zu den Gründungen dieser Zeit zählen unter anderem der FSV Uder und der Sportverein „Frohsinn“ in Birkenfelde im Jahr 1921. Ein Jahr später folgten Sportgemeinschaften in Großbartloff, Lutter und Lengenfeld unterm Stein. Auch in Effelder, Reinholterode, Steinbach, Kreuzebra und Gernrode organisierten sich in den folgenden Jahren sportbegeisterte Einwohner.
Die Sonderausstellung „Freiheit in Bewegung – Sport in der Weimarer Republik“ ist noch bis Sonntag, 4. Oktober 2026, in Weimar geöffnet.

