3707 mit Klopfzeichen…

DRK-Beratungsstelle beging 30jähriges. Foto: Ilka Kühn

Am 2. Mai 1992 wurde in Leinefelde die Schwangerschafts- und Familienberatung des Deutschen Roten Kreuzes gegründet. Grund genug, um den 30. Geburtstag würdig zu begehen und auch ein paar Gäste einzuladen. Zur Feierstunde am 4. Mai war im Gebäude des Kindergartens Sonnenschein, indem sich die Beratungsstelle befindet, der Tisch besonders liebevoll gedeckt. Eingeladen waren natürlich auch die Frauen der “ersten” Stunde, diejenigen, die diese Beratungsstelle aufgebaut hatten. Wie beispielsweise Elisabeth Apel aus Birkungen….

Sie kann sich noch gut an die Zeit kurz nach der Wende erinnern. Alle hatten sich die Frage gestellt, was kann man machen, wie kann man vor allem für Familien da sein? Elisabeth Apel kannte sich in diesem Bereich aus und schon bald konnte die Beratungsstelle eröffnet werden. Zur Geburtstagsfeier ließ sie noch einmal die Anfangszeiten Revue passieren. Telefonanschlüsse waren damals noch nicht so schnell zu bekommen. Die DRK-Beratungsstelle teilten sich deshalb einen Anschluss mit der Rettungswache und der Sozialstation.

Wenn es bei der 3707 dann klingelte, nahm derjenige den Anruf entgegen, der zuerst den Hörer abgenommen hatte. Die Beratungsstelle war oben im Haus, die anderen darunter. War es ein Anruf für die anderen, so gab es dann Klopfzeichen (von oben mit dem Fuß, von der unteren Etage mit dem Besenstiel) und der andere nahm den Hörer ab. Man muss sich nur zu helfen wissen. Wenn man jetzt überlegt, jetzt hat jede Beraterin einen eigenen Computer, Telefon, vergleicht Elisabeth Apel. 

Ja, die Zeit hat sich verändert und damit auch das Aufgabengebiet der Beratungsstelle. Das Team um Elisabeth Apel mit Frau Ranzow und Frau Heddergott (beide konnten nicht zur Feierstunde kommen) hat sozusagen den Grundstein für eine solide und von hoher Qualität geprägte Beratung gelegt. Das weiß auch der langjährige Geschäftsführer des DRK Kreisverbandes, Franz Jaworski, zu schätzen, der sich bei der Feierstunde dafür bei den Frauen vom Anfang und bei dem jetzigen Team herzlich bedankte. 

Das jetzige Team der DRK-Beratungsstelle wird geleitet von Christina Gorsler Sie sagte, dass es kaum eine Beratungsstelle über so viele Jahre gäbe, die insgesamt mit nur sechs Mitarbeiterinnen ausgekommen ist. Es ist ein Beweis dafür, dass die Frauen eine sehr gute Arbeit geleistet haben und noch leisten. Keine Fluktuation. Am Anfang war Schwerpunkt der Beratungsstelle vor allem, den Schwangeren und ihren Familien finanziell zu helfen. Später hat sich das Aufgabenfeld immer mehr erweitert. Die finanzielle Unterstützung über die Thüringer Stiftung “HandinHand” gibt es ebenfalls seit 30 Jahre und ist ein sehr wichtiger Partner. Im vergangenen Jahr gab es für die Leinefelder DRK-Beratungsstelle den höchsten Zuschuss. 

Was nicht jeder weiß, die Beratungsstelle ist nicht nur für die Schwangere da, sondern für die gesamte Familie. So gab es bereits in den Anfangsjahren wenn notwendig, auch Bauzuschüsse, Geld für Fenstersanierung u.a. Es gibt ganz viele Bereiche, wo Christina Gorsler, Birgit Kellner und Judith Wiederhold von der Beratungsstelle sich einsetzen. Es beginnt bei Informationsgesprächen, Beratung zum Mutterschutzgesetz, zu Fragen der Schwangerschaft, gesetzliche Leistungen und Rechte, Elterngeld und -zeit, Familienplanung, Verhütung, Sexualität, bis hin zu Präventionsarbeit in Schulen und Kindergärten, Psychosozialen Beratungsangeboten bei ungewollter Kinderlosigkeit. Die Kursangebote reichen von Babymassage bis zum Eltern-Baby-Programm. 

Die Beratungsstelle ist staatlich anerkannt. Die Beratung ist kostenlos und unterliegt der vorgeschriebenen gesetzlichen Schweigepflicht. Das Team arbeitet nach dem Motto: Entscheidungen kann Ihnen niemand abnehmen, aber wir wollen Ihnen helfen, den richtigen Weg zu finden! Die Schwangerschaftsberatungsstelle bietet auch Schwangerschaftskonfliktberatungen an.  

Das Beratungsteam erfährt viel von Problemen, auch von Gewalt, von psychischen Erkrankungen und auch davon, wenn Frauen einfach nicht mehr ein noch aus wissen. Gerade für sie ist es von unschätzbarem Wert, wenn sie eine Adresse haben, wo sie sich hinwenden können. Selbst der Griff zum Telefon ist für Frauen in Not oftmals schon eine große Hürde. Aber sie haben erfahren, dass ihnen geholfen werden kann und sie durch die Beratung oftmals mit ihren Familien oder auch allein einen Neustart beginnen können. 

In den vergangenen Jahren haben viele Frauen und Mädchen den Rat der DRK-Mitarbeiterinnen gesucht. Und immer haben sie Hilfe erfahren. Manchmal bekommt man erst in der Schwangerschaftsberatung mit, welche Probleme es überhaupt in der Familie gibt, erzählt Christine Gorsler. Es geht dabei auch um Alkohol und andere Drogen. In der Präventionsarbeit versuchen sie vor allem Schüler aufzuklären, welchen Schaden Kinder nehmen, wenn Eltern drogenabhängig sind. Mit speziellen Babypuppen können sie das praktisch zeigen. 

Jeder kann in der Beratungsstelle seine Sorgen los werden, ob in der Familienberatung oder in der Konfliktberatung. Es ist für das Beratungsteam keine leichte Arbeit, aber für die drei Frauen, Christina Gorsler, Judith Wiederhold und Birgit Kellner ist es mehr als nur tägliche Aufgabenerfüllung. Sie gehen in ihrer Tätigkeit auf, und dankbar sind diejenigen, für die sie da sind. Lars Herting vom Vorstand freut sich, dass das DRK sich auf dieses Beratungsteam verlassen kann, und das bereits seit 30 Jahren.

Freuen sich über die gute Entwicklung der Beratungsstelle: Christine Gorsler, Elisabeth Apel, Judith Wiederhold und Birgit Kellner. Im Hintergrund der Benjamin. Foto: Ilka Kühn

Bei der Geburtstagsfeier konnte Vieles Revue passieren, auch Benjamin. Wer hier an einen männlichen Mitarbeiter denkt, liegt falsch. Denn Benjamin ist inzwischen schon ein Baum geworden. Es war ein Geschenk zur Eröffnung. Als Elisabeth Apel in Rente ging, sagte sie immer, vergesst mir meinen Benjamin nicht. Und er wurde nicht vergessen. Wo Pflanzen gut gedeihen ist das Klima auch für den Menschen gut.

Ilka Kühn

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