Der stellv. Superintendent, Pfarrer Matthias Cyrus aus Großengottern, nahm die Entpflichtung vor. Foto: Ilka Kühn

Dingelstädt. Eine spürbar angespannte Atmosphäre herrschte beim Abschiedsgottesdienst für Pfarrerin Dorothea Heizmann. Zahlreiche Gemeindemitglieder, darunter viele aus Leinefelde, waren am Sonntag in die evangelische Kirche nach Dingelstädt gekommen, um sich von ihrer Pfarrerin zu verabschieden. Für viele war es ein emotionaler Gottesdienst – immer wieder flossen Tränen.

Frauen aus Dingelstädt, Leinefelde und Küllstedt dankten aus tiefstem Herzen der Pfarrerin für ihren Dienst im Eichsfeld. Foto: Ilka Kühn
Persönliche Geschenke für die Pfarrerin. Foto: Ilka Kühn

Dorothea Heizmann war bereits im März  von Superintendent Christian Beuchel von ihren dienstlichen Aufgaben entbunden worden. Seitdem durfte sie ihren Dienst in Leinefelde nicht mehr ausüben, in Dingelstädt (mit Küllstedt und Helmsdorf) schon. Die Gründe dafür wurden bis heute nicht öffentlich erläutert. Entsprechend viele Fragen sind in der Gemeinde offen geblieben. Es gab vor Wochen eine Versammlung mit dem Superintendenten, aber auch hier wurde nicht gesagt, warum die Pfarrerin vom Dienst entbunden wurde. Übrigens war sie bis jetzt noch Inhaberin der Pfarrstelle, aber wie schon gesagt, durfte in Leinefelde keinen Dienst mehr tun.

Während des Gottesdienstes wurden diese Fragen mehrfach angesprochen. In persönlichen Worten brachten Redner ihre Enttäuschung darüber zum Ausdruck, wie mit der Pfarrerin umgegangen worden sei. Wiederholt war zu hören, dass viele Gemeindemitglieder die Entwicklung der vergangenen Monate bis heute nicht nachvollziehen können. Auch wurde kritisiert, dass die Gemeinde keine Erklärung erhalten habe.

Im Anschluss fanden sich alle im Gemeindehaus der katholischen Kirche zur Kaffeerunde zusammen. Foto: Ilka Kühn

Was aber die Runde in Leinefelde macht: Drei Jahre war die Pfarrerin hier. Besonders in der letzten Zeit sei sie gemobbt worden. Einige wenige haben ihren Willen durchgesetzt. Den meisten Menschen hier ist völlig unklar, wie so etwas gehen kann. Und seit März sind auch viele Leinefelder dann zu ihren Gottesdiensten nach Dingelstädt und Küllstedt gefahren.

Die Ereignisse haben die evangelische Kirchengemeinde in Leinefelde sichtbar belastet. Viele Gemeindemitglieder standen in den vergangenen Monaten öffentlich hinter Dorothea Heizmann und brachten ihre Verbundenheit nun auch durch ihre Teilnahme am Abschiedsgottesdienst zum Ausdruck. Ihre Arbeit wurde gewürdigt, wie sie sich eingesetzt habe, was sich mit ihr alles verändert hat.

Eine Pfarrerin, wie man sie sich wünscht, war in der Kirche in Dingelstädt zu hören. Sie habe ihre Gemeinde immer begleitet, sei immer da gewesen, war verlässlich und hatte immer ein offenes Ohr, sagte Lore Rückert. Aber es gab auch harte Worte. So sagte eine Leinefelderin laut zum stellv. Superintendenten, der am Sonntag die Pfarrerin offiziell entpflichtete und zuvor aber ihren Einsatz würdigte, man habe Dorothea Heizmann nicht entsendet, sondern rausgeworfen.

Auch die Predigt der Pfarrerin selbst ließ erkennen, wie sehr sie die vergangenen Monate beschäftigt haben. Mit einem Satz, der viele Besucher aufhorchen ließ, sagte sie: „Es menschelt in der Kirche. Welche Ausmaße das annehmen kann, habe ich in Leinefelde gelernt.“

Trotz aller Enttäuschung blieb der Gottesdienst nicht bei Vorwürfen stehen. Vielmehr standen Hoffnung, Versöhnung und der Wunsch nach einem respektvollen Miteinander im Mittelpunkt. Mit langem Applaus verabschiedeten die Besucher ihre Pfarrerin. Bei der anschließenden Kaffeerunde haben alle viel Gesprächsbedarf gehabt und für die Pfarrerin auch ein Lied gesungen. 

Als ich im April eine offizielle Anfrage an die Pressestelle der evangelischen Kirche in Erfurt richtete mit der Frage, ob es denn stimme, dass die Pfarrerin beurlaubt wurde, hieß es vom Personalleiter noch am 10. März 2026 in einer email:  Ich kann Ihnen aber versichern, dass Pfarrerin Dorothea Heizmann, anders als es Gerüchte behaupten, nicht von ihrem Pfarrdienst beurlaubt wurde. 

Vielleicht wusste er es ja noch nicht…… Auf jeden Fall war die Pfarrerin zu dieser Zeit schon nicht mehr im Dienst in Leinefelde, beurlaubt vom Superintendent. Auf die Antwort zu den Gründen, warte ich noch, wie viele andere auch. 

Bleibt uns nur, Dorothea Heizmann alles erdenklich Gute und Gottes Segen zu wünschen. Möge sie in ihrer neuen Gemeinde in Königsee bei Rudolstadt genauso herzlich empfangen werden, wie vor drei Jahren hier in Leinefelde und Dingelstädt.

Ilka Kühn