Im „Café im Süden“ ging es diesmal nicht nur um Kaffee und Kuchen. Ortsbürgermeister Patrick Westphalen stellte sich den Fragen der Leinefelder – und davon gab es reichlich.

Das Interesse an dieser Gesprächsrunde war groß. Foto: Ilka Kühn

Leinefelde. Einmal im Monat wird aus einem großen Gemeinschaftsraum der städtischen Wohnungsverwaltung WVL das „Café im Süden“. Dann gibt es Kaffee und Kuchen für einen kleinen Obolus, vor allem aber Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Nachbarn zu treffen und neue Bekanntschaften zu schließen.

Rund 30 Besucher kommen regelmäßig zu dieser geselligen Runde. Doch diesmal war der Andrang besonders groß. Es mussten sogar zusätzliche Tische und Stühle herangeschafft werden.

Der Grund: Ortsbürgermeister Patrick Westphalen war zu Gast. Er wollte aus erster Hand über aktuelle Entwicklungen in Leinefelde informieren und vor allem hören, was die Menschen bewegt. Und die nutzten die Gelegenheit ausgiebig. Fragen gab es jedenfalls mehr als genug.

Von gelben Säcken bis zur Sauberkeit der Stadt

Ob Müllbeseitigung, gelbe Säcke, Hundekotbeutel oder Unkraut auf öffentlichen Flächen – die Themen kamen direkt aus dem Alltag der Bürger. Besonders die Sauberkeit der Stadt beschäftigte viele.

Patrick Westphalen erinnerte daran, dass zur Wendezeit rund 150 Menschen im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) in Leinefelde tätig waren. Sie kümmerten sich unter anderem um die Pflege und Sauberkeit öffentlicher Flächen. Er selbst habe damals mit angepackt. Heute müsse der Bauhof mit rund 30 Mitarbeitern auskommen – und das bei einer Stadt, die inzwischen erheblich gewachsen ist und insgesamt elf Ortsteile umfasst.

Westphalen verwies auch auf den jährlichen Frühjahrsputz, bei dem regelmäßig 150 bis 180 Ehrenamtliche aus Vereinen und der Bürgerschaft mithelfen. Zugleich appellierte er an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Schließlich könne nicht alles Aufgabe der Stadt sein. Wer Müll verursacht, sollte auch dafür sorgen, dass er ordentlich entsorgt wird.

Auch die Unkrautbekämpfung kam zur Sprache. Dabei wurde erläutert, dass der Einsatz chemischer Unkrautvernichtungsmittel auf öffentlichen Flächen nicht mehr ohne Weiteres zulässig ist.

Zu wenig Bänke in Leinefelde?

Eine Besucherin bemängelte, dass es in der Stadt nicht genügend Sitzgelegenheiten gebe. Der Ortsbürgermeister hielt dagegen und zählte zahlreiche Standorte auf, an denen bereits Bänke stehen. Allein rund um den Teich gebe es viele Möglichkeiten zum Ausruhen. Seiner Ansicht nach sei Leinefelde in dieser Hinsicht besser ausgestattet als so manche andere Stadt.

Verbesserungsbedarf sieht er allerdings auf den Friedhöfen. Dort könnten zusätzliche Bänke aufgestellt werden, möglichst in einheitlicher Gestaltung. Das würde nicht nur den Besuchern zugutekommen, sondern auch für ein ansprechendes Gesamtbild sorgen.

Kommt ein weiterer Flohmarkt?

Zur Sprache kam außerdem der Südstadt-Flohmarkt, der sich großer Beliebtheit erfreut. Aus der Runde wurde der Wunsch geäußert, eine ähnliche Veranstaltung auch an anderer Stelle in Leinefelde anzubieten.

Grundsätzlich sei das durchaus vorstellbar. Allerdings müssten zunächst die organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen geklärt werden. Ein Flohmarkt müsse angemeldet werden und vor allem brauche es jemanden, der die Organisation übernimmt. Bei Veranstaltungen unter freiem Himmel spiele natürlich auch das Wetter eine Rolle.

Landesgartenschau bewegt die Menschen weiterhin

Auch nach dem Ende der Landesgartenschau gibt es noch viele offene Fragen. Wann verschwinden die Zäune? Wie geht es auf dem Gelände weiter? Die Besucher wollten wissen, was künftig aus den Anlagen wird.

Dabei wurde auch Kritik laut. Insbesondere die gastronomische Versorgung durch den Caterer und die fehlenden Schattenplätze während der Landesgartenschau wurden noch einmal angesprochen.

Ein weiteres Thema war die Zukunft der Bahnhofstraße. Dass sie wieder zu einer klassischen Einkaufsstraße mit zahlreichen Geschäften wird, erscheint angesichts des veränderten Einkaufsverhaltens wenig wahrscheinlich. Der zunehmende Internethandel hat längst Auswirkungen auf den Einzelhandel. Einige Geschäfte gibt es noch, doch die Zeiten einer durchgehend belebten Einkaufsstraße dürften vorbei sein.

Nicht auf jede Frage konnte der Ortsbürgermeister eine abschließende Antwort geben. Manche Anliegen betreffen private Investoren und liegen damit außerhalb der unmittelbaren Zuständigkeit der Stadt.

800 Jahre Leinefelde – ein ganzes Jahr wird gefeiert

Natürlich durfte auch der Blick auf das kommende Jahr nicht fehlen. 2027 feiert Leinefelde sein 800-jähriges Bestehen. Rund 40 Veranstaltungen sind über das gesamte Jahr geplant. Dabei soll auch das Wiesentheater im Lunapark wieder stärker mit Leben erfüllt und als Veranstaltungsort genutzt werden.

Die Vorfreude auf das Jubiläum ist groß. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig es den Menschen ist, frühzeitig zu erfahren, was in ihrer Stadt geplant wird.

Informationen aus erster Hand sind gefragt

Am Ende zeigte sich, dass die Idee, den Ortsbürgermeister ins „Café im Süden“ einzuladen, genau richtig war. Die große Resonanz und die vielen Fragen bewiesen, dass die Menschen nicht nur informiert werden wollen. Sie möchten nachfragen, ihre Erfahrungen einbringen und auch einmal Kritik loswerden können.

Gerade das macht solche Begegnungen wertvoll. Ohne große Tagesordnung, ohne förmliche Sitzung, dafür in einer offenen und geselligen Atmosphäre, in der jeder zu Wort kommen kann.

Das „Café im Süden“ ist damit längst mehr als ein Treffpunkt für Kaffee und Kuchen. Es ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Und dieser Nachmittag hat gezeigt, dass der direkte Draht zwischen Bürgern und Kommunalpolitik durchaus noch enger werden darf.

Ilka Kühn