Leinefelde. Wie spät ist es? Auf der Landesgartenschau lässt sich diese Frage nicht nur mit einem Blick auf das Handy oder die Armbanduhr beantworten. Eine besondere begehbare Sonnenuhr verbindet naturwissenschaftliches Wissen mit Bewegung und lädt die Besucher dazu ein, selbst Teil der Zeitmessung zu werden. Am heutigen Dienstag, 21. Juli, wird die außergewöhnliche Anlage um 14 Uhr erneut öffentlich vorgestellt.

Zu finden ist sie in der Nähe des Gastrozeltes auf dem Gelände der Landesgartenschau. Sonnenuhr-Experte Michael Spitzenberg erläutert dort anschaulich, wie die besondere Konstruktion funktioniert. Die Besucher können die Sonnenuhr anschließend selbst ausprobieren.
Gestiftet wurde die Anlage von der URANIA Bildungsgesellschaft Eichsfeld e. V. Bei der sogenannten Polstabuhr sind die einzelnen Elemente als Steinplatten ebenerdig in den Boden eingelassen. Einen klassischen Zeiger sucht man jedoch vergeblich. Diese Aufgabe übernimmt der Mensch selbst.

Wer sich auf die dafür vorgesehene Stelle stellt, wird durch das Sonnenlicht zum Schattenwerfer. Anhand des Schattens lässt sich auf den im Boden angeordneten Markierungen die Uhrzeit ablesen. Damit wird ein jahrhundertealtes Prinzip der Zeitmessung unmittelbar erlebbar.
Bereits zur Einweihung der Sonnenuhr im Mai waren mehr als 40 Interessierte gekommen. Sie stellten zahlreiche Fragen und ließen sich die Funktionsweise der Anlage ausführlich erklären. Dr. Karl-Josef Löffelholz zeigte sich angesichts des großen Interesses hocherfreut und hofft auch heute auf viele Neugierige.
Für die URANIA Bildungsgesellschaft Eichsfeld ist die Sonnenuhr ein besonderes Geschenk an die Stadt. Rund 3000 Euro kostete die Anlage – eine beträchtliche Summe für den Verein. Umso größer ist die Freude darüber, dass die Installation nun dauerhaft zum Ausprobieren, Beobachten und Lernen einlädt.
Bei der Einweihung im Mai spielte das Wetter allerdings nicht ganz mit: Die Sonne ließ sich kaum blicken, sodass die Sonnenuhr ihre eigentliche Funktion nur eingeschränkt zeigen konnte. Für die erneute Vorstellung am heutigen Dienstag hoffen die Organisatoren deshalb auf Sonnenschein.

Die Installation ist weit mehr als ein gestalterisches Element auf dem Gelände der Landesgartenschau. Sie verbindet Naturwissenschaft, Bewegung und praktische Erfahrung. Kinder und Erwachsene können unmittelbar nachvollziehen, wie sich der Lauf der Sonne zur Bestimmung der Zeit nutzen lässt.
Eine besondere Anerkennung erhielt die Anlage bereits bei ihrer Einweihung: Der Fachkreis Sonnenuhren der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie nahm sie offiziell in seinen Sonnenuhren-Katalog auf. Unter der DGC-Nummer 20100 ist die begehbare Sonnenuhr der Landesgartenschau nun dauerhaft mit ihrem Standort in Leinefelde-Worbis registriert und fachlich dokumentiert.

Die begehbare Sonnenuhr zeigt auf einfache und zugleich eindrucksvolle Weise, dass naturwissenschaftliche Zusammenhänge nicht nur in Büchern oder Unterrichtsräumen vermittelt werden müssen. Manchmal genügen ein sonniger Platz und ein Mensch, der für einen Moment selbst zum Zeiger wird.
Ilka Kühn

