„Von erschreckender Aktualität“

Asbach-Sickenberg. Eine neue Sonderausstellung wird ab kommenden Freitag, 11. März 2022, im Grenzmuseum Schifflersgrund zu sehen sein. Die Plakat-Ausstellung „Postsowjetische Lebenswelten. Gesellschaft und Alltag nach dem Kommunismus“ widmet sich dem historischen Wandel, den die fünfzehn Nachfolgestaaten der Sowjetunion seit der endgültigen Auflösung 1991 durchlaufen haben.

Er schließt Staaten ein, deren Größe und Einwohnerzahl, Nationalgeschichte und kulturelle Prägungen, aber auch wirtschaftliche Ausgangspositionen kaum unterschiedlicher sein könnten. Umso eindrücklicher sind die Gemeinsamkeiten, die den Alltag dieser Gesellschaften vor allem in den 1990er Jahren prägten.

Die Ausstellung wirft Schlaglichter auf den sozialen Ausnahmezustand jenes Jahrzehnts, in dem die Menschen den Härten des Staatszerfalls und einem Markt ohne Recht ausgeliefert waren. Sie nimmt die Lebensverhältnisse in den Blick und macht die
Wanderungsbewegungen sichtbar, die Menschen auf der Suche nach Arbeit und Wohlstand die Heimat verlassen ließen. Der Raubzug der Mafia und die Selbstbereicherung früherer Funktionäre, die das Staatseigentum privatisierten, sind ebenso Themen, wie die ethnischen Konflikte und regionalen Kriege, die häufig mit dem russischen Hegemoniestreben verbunden waren und sind.

Die 20 großformatige Tafeln umfassende Schau zeigt, wie mit Geschichte aber
auch mit Religion Politik gemacht wird, wie der demokratische Aufbruch gelang, aber auch wie neue Autokratien entstanden .

Konzept und Texte der Ausstellung stammen von Jan C. Behrends vom Leibniz – Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Der Osteuropahistoriker hat gemeinsam mit dem Kurator der Ausstellung Ulrich Mählert die 130 zeithistorischen Fotos ausgewählt, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen. Die Gestaltung der Ausstellung übernahm der Leipziger Grafiker Thomas Klemm. Herausgeber der Ausstellung sind die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Internetplattform dekoder.org .

Der ursprüngliche Anlass der Sonderausstellung am Grenzmuseum Schifflersgrund war die Unabhängigkeitserklärung von Litauen vor 32 Jahren, am 11. März 1990 . Litauen war damit das erste Land, das sich aus der Sowjetunion löste. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, erklärt der Leiter des Grenzmuseums Dr. Christian Stöber, ist die Ausstellung „von erschreckender Aktualität und unvorhersehbar zu einem unausweichlichen Gegenwartsthema geworden.“ Insofern lädt die Ausstellung dazu ein, sich näher mit den historischen Kontexten, der jüngsten osteuropäischen Geschichte sowie den damit verbundenen Machtansprüchen und Militäreingriffen Russlands auseinanderzusetzen.

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