Duderstadt. Ottobock ist wirtschaftlich stark in das Jahr 2026 gestartet. Der Duderstädter Medizintechnik-Konzern hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz deutlich gesteigert und zugleich seine Profitabilität verbessert. Für das Gesamtjahr zeigt sich das Unternehmen deshalb inzwischen noch etwas optimistischer als bisher.
Im Kerngeschäft setzte Ottobock in den ersten sechs Monaten 818,5 Millionen Euro um. Das waren 7,7 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch ohne den Effekt von Unternehmenszukäufen und Währungsschwankungen blieb ein Wachstum von 6,7 Prozent.
Noch stärker als der Umsatz legte das operative Ergebnis zu. Das sogenannte bereinigte EBITDA – vereinfacht gesagt der Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Zinsen, Steuern und bestimmten weiteren Kosten – stieg um 18,1 Prozent auf 207 Millionen Euro. Damit blieben von 100 Euro Umsatz vor diesen Abzügen gut 25 Euro als operatives Ergebnis übrig.
Unter dem Strich verbesserte sich der bereinigte Konzerngewinn um knapp 24 Prozent auf 85,1 Millionen Euro. Der ausgewiesene Konzerngewinn lag bei 67,3 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2025 waren es lediglich 28 Millionen Euro gewesen.
Europa bleibt wichtiger Wachstumstreiber
Besonders deutlich entwickelte sich das Geschäft in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. In dieser Region stiegen die Umsätze um 12,2 Prozent auf mehr als 610 Millionen Euro. Dazu trugen sowohl das bestehende Geschäft als auch Unternehmenszukäufe bei.
Schwieriger war die Entwicklung auf dem amerikanischen Markt. Dort sank der ausgewiesene Umsatz um 5,1 Prozent auf 155,8 Millionen Euro. Eine wichtige Ursache waren Wechselkurseffekte durch den schwächeren US-Dollar. In den USA selbst zog das Geschäft allerdings wieder an: Dort erreichte Ottobock ein organisches Wachstum von vier Prozent.
Im asiatisch-pazifischen Raum stieg der Umsatz leicht auf 52,5 Millionen Euro.
Prothetik und Neuro-Orthetik legen zu
Ein wesentlicher Wachstumstreiber waren Produkte und Komponenten für Fachbetriebe und medizinische Versorger. In diesem Bereich setzte Ottobock 461,6 Millionen Euro um – 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gut entwickelten sich nach Unternehmensangaben die Bereiche Prothetik und Neuro-Orthetik.
Auch das direkte Patientengeschäft wuchs. Die Umsätze der Versorgungszentren stiegen um 7,6 Prozent auf 356,9 Millionen Euro. Ottobock betreibt weltweit inzwischen mehr als 420 Einrichtungen, in denen Patienten unter anderem mit Prothesen und Orthesen versorgt werden.
Investitionen in neue Medizintechnik
Gleichzeitig baut Ottobock sein Geschäft weiter aus. Das Unternehmen hat sich unter anderem an der US-Firma Blue Arbor Technologies beteiligt, die an Technologien für die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine arbeitet.
Mit der geplanten Übernahme des spanischen Unternehmens Fesia Technology will Ottobock außerdem sein Angebot bei der funktionellen Elektrostimulation erweitern. Dabei werden elektrische Impulse genutzt, um Nerven und Muskeln gezielt zu aktivieren – beispielsweise bei Menschen mit neurologisch bedingten Bewegungseinschränkungen.
Auch das internationale Versorgungsnetz wächst weiter. Im Mai übernahm Ottobock Blatchford Norway und stärkte damit seine Präsenz in Norwegen.
Gleichzeitig trennt sich der Konzern von Bereichen, die künftig nicht mehr zum Kerngeschäft zählen sollen. So wurde der Verkauf des Rollstuhlgeschäfts „Human Mobility“ vereinbart.
Ottobock hebt Jahresprognose leicht an
Nach den guten Zahlen des ersten Halbjahres hat Ottobock seine Erwartungen für 2026 angehoben beziehungsweise die bisherige Prognosespanne nach oben eingegrenzt. Beim organischen Umsatzwachstum erwartet der Konzern nun sechs bis acht Prozent. Zuvor waren fünf bis acht Prozent in Aussicht gestellt worden.
Auch bei der Profitabilität ist Ottobock optimistischer. Die bereinigte EBITDA-Marge soll im Gesamtjahr bei mehr als 27 Prozent liegen.
Vorstandschef Oliver Jakobi sieht das Unternehmen damit auf Kurs. Ottobock habe sich im ersten Halbjahr schneller als der Markt entwickelt und zugleich durch Investitionen und Übernahmen neue Anwendergruppen und Technologien erschlossen.
Für die Region ist die Entwicklung nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil der weltweit tätige Medizintechnik-Konzern seinen Stammsitz weiterhin im benachbarten Duderstadt hat.

