Neubau Bergschule – Bürgermeister bittet um Sachlichkeit

Thomas Spielmann: Eine persönliche Betrachtung und ein Aufruf zu einer sachlichen Auseinandersetzung
Die Diskussion ist im vollen Gange, geprägt jedoch aktuell von offenen Fragen, Unwahrheiten und mitunter von Unsachlichkeit. Das bedauere ich sehr. Über den Wunsch des Bistums Erfurt entscheiden am Ende Stadtrat und Bürgermeister gemeinsam. Niemand macht sich eine solche Entscheidung leicht und zum „ja“ oder „nein“ gehören auch Mut und vor allem Betrachtung des Ganzen. Welche Entscheidung ist die richtige für die Stadt Heilbad Heiligenstadt?

Wie ist die Ausgangslage? Die Bergschule in Heiligenstadt besteht seit 1864. Die aktuellen Räumlichkeiten sind angemietet, die Organisation des Verkehrs (Leinegasse, Kassler Tor, Kreisel am Kindergarten) nicht unproblematisch, Bausubstanz, Raumzuschnitt und oft auch Raumklima mangelhaft, fehlende Barrierefreiheit, keine Erweiterungsmöglichkeiten, die zusätzlich angemieteten Räume über Döner-Imbiss und Subway sind für einen Ort der Bildung unwürdig. Nach Einschätzung des Trägers ist ein Umbau zu einer modernen und zukunftsfähigen Schule im Bestand nicht möglich. Man hat sich deshalb entschieden, nach einem neuen Standort zu suchen und möchte neu bauen. Auch eine Erweiterung um einen Regelschulzweig wäre dann möglich, was zur Entspannung der heutigen Situation besonders in der Lorenz Kellner Schule beitragen könnte.

Leerstehende Gebäude in Heiligenstadt wurden untersucht und die Standorte als zu klein und damit ungeeignet bewertet, freie Grundstücke in Heiligenstadt liegen zu weit außerhalb. Den bestehenden Schulstandort unterm Iberg hat man sich ebenfalls genauer angeschaut und prüft im Moment zum Beispiel Naturschutzbelange, ob Baugrund geeignet und Verkehr zu organisieren ist. In die Überlegungen sind die Flächen des Förderzentrums einbezogen und Teile des Rondellchens.

Dagegen organisiert sich Protest, Unterschriften werden gesammelt. Ziel ist es, das Projekt zu verhindern. Argumentiert wird unter anderem mit der „Abholzung von 2 ha Wald“. Unser Stadtwald ist 2.000 ha groß und wie auch die Bäume im Rondellchen hat er in den vergangenen Jahren erheblich gelitten. Mit großen Anstrengungen und in stundenlangen Diskussionen ringen wir im Stadtrat aktuell um die beste Art der Beförsterung in Zukunft. Alle Beteiligten sind sich der Verantwortung für unsere Kurstadt bewusst (übrigens, herz-liche Einladung an alle, denen jetzt das Rondellchen so am Herzen liegt, einmal eine Sitzung des Forst- und Jagdausschusses zu besuchen, diese sind alle öffentlich!).

Ja, entscheiden wir uns dafür, dem Bistum am Rondellchen die Möglichkeit zum Neubau zu geben, dann müssen Bäume gefällt werden. Jedoch nicht 2 ha wie oft angeführt, es wird am Ende nicht die Hälfte sein. Flächenversiegelung findet immer statt, wenn sich eine Stadt entwickelt. Auch für unsere Häuser und Wohnungen sowie für die neuen Gewerbegebiete wurden Flächen versiegelt. Vorrangig zu Lasten der Landwirtschaft waren es in den letzten 20 Jahren deutlich mehr als 100 ha.

Es geht jedoch gar nicht um die Zuspitzung der Frage „Schule oder Wald?“. Es geht um beides! Denn unser Ziel wird es sein, so viel Wald wie möglich zu erhalten und den zur Wohnbebauung hin ausgerichteten Grünbereich zu gestalten und im besten Fall aufzuwerten.

Gelingt uns die Planung und Akzeptanz einer verträglichen Lösung, so wird es in Heilbad Heiligenstadt einen zukunftsfähigen und modernen Schulneubau geben, der Standards setzen wird. Die Auswahl zwischen verschiedenen Schulträgern, privat und staatlich, ist ein wichtiger Standortvorteil und erhöht die Attraktivität unserer Stadt für junge Familien.
Gelingt es nicht, geht wohl ein Stück Identität der Stadt verloren. Sehr wahrscheinlich würden zu den tausenden Schülerinnen und Schülern, die über eineinhalb Jahrhunderte auf dem Berg zur Schule gegangen sind, keine mehr hinzukommen. Denn was bedeutet es für unsere Stadt im schlimmsten Fall konkret, würde sich die Schule zurückziehen? Hunderte Heiligenstädter Schüler müssten dann jeden Tag nach Leinefelde, Lengenfeld oder Dingelstädt ins Gymnasium fahren, was nicht nur aus ökologischen Gründen wirklich schlimm wäre!

Da unsere eigenen Kinder ihre Schulzeit hinter sich haben, darf man mir abnehmen, nicht aus persönlichen Gründen heraus zu argumentieren. Mir geht es um die Sache, um das Beste für unsere Stadt. Natürlich möchte ich vor der Entscheidung wissen, wo die Mehrheit unserer Bürgerschaft bei diesem wichtigen Thema steht. Die vielen Gespräche, die ich bisher in dieser Sache bereits geführt habe, werde ich fortsetzen. Unabhängig davon kann sich natürlich jede Bürgerin/ jeder Bürger im transparenten Planverfahren einbringen, öffentliche Sitzungen der Gremien besuchen, Unterlagen einsehen und Meinung äußern. Wie sonst auch.

Am Ende des Prozesses, wenn alle Fragen geklärt sind (übrigens auch die der Nachnutzung des heutigen Schulgebäudes) werde ich und wird jedes Stadtratsmitglied pro und contra sorgfältig abwägen.

Bis dahin wünsche ich mir einen von gegenseitigem Respekt geprägten Meinungsaustausch.
Vielen Dank!

Thomas Spielmann

Bürgermeister von Heilbad Heiligenstadt