
Asbach-Sickenberg. Anlässlich des Jahrestages des Baus der Berliner Mauer vor 65 Jahren hat der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt im Grenzmuseum Schifflersgrund gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der Einrichtung einen Kranz zur Erinnerung an die Opfer der deutschen Teilung und der SED-Diktatur niedergelegt.
Der Ort ist für das Gedenken von besonderer Bedeutung. Am 29. März 1982 wurde der 34-
jährige Eichsfelder Heinz-Josef Große beim Fluchtversuch im Schifflersgrund von zwei DDRGrenzsoldaten erschossen. Während die tödliche Flucht in der DDR bis zuletzt verschwiegen wurde, entstand auf hessischer Seite, nur wenige Meter vom Todesort entfernt, bereits wenige Wochen später eine Mahnstätte. Zwei Kreuze erinnern hier bis heute an Große und die Opfer des DDR-Grenzregimes. Seit 1991 gehört der Gedenkort zum Außengelände des Grenzmuseums Schifflersgrund, das über einen der längsten erhaltenen Originalabschnitte des ehemaligen „Eisernen Vorhangs“ verfügt.
Nach der Kranzniederlegung besichtigte der Ministerpräsident die neugestaltete Dauerausstellung der Einrichtung, die vom Leben und Leid an der innerdeutschen Grenze, aber auch von deren friedlichen Überwindung in Freiheit und Einheit erzählt. Zahlreiche Bilder, Dokumente und Objekte sowie Medienstationen mit mehr als 170 Zeitzeugenvideos machen Geschichte dabei greifbar.
Außerdem wurde der Ministerpräsident über die laufenden Bauarbeiten im Außenbereich des
Grenzmuseums informiert, die mit Mitteln des Freistaats Thüringen finanziert werden. So entsteht aktuell eine Außenbeleuchtung für Großexponate, den Besucherweg und den Parkplatz der Gedenkstätte. Ebenso werden Teile des ehemaligen Kfz-Sperrgrabens und Kontrollstreifens rekonstruiert, um die einstige Grenze sichtbarer zu machen und die Erinnerung an den „Todestreifen“ wachzuhalten.
Ministerpräsident Voigt erklärte beim Besuch: „Der 13. August 1961 riss Millionen Menschen aus ihrem bisherigen Leben. Mit dem Bau der Mauer wurden sie ihrer Freiheit beraubt, Familien und Freunde getrennt. Der Versuch, die DDR zu verlassen, wurde zum tödlichen Risiko. Das Schicksal von Heinz-Josef Große zeigt auf erschütternde
Weise, wie menschenverachtend das Grenzregime der SED-Diktatur war. Hier im Schifflersgrund wird diese Geschichte unmittelbar erfahrbar. Die neue Dauerausstellung hält die Erinnerung an die Opfer wach und gibt ihren Schicksalen ein Gesicht und eine Stimme. 65 Jahre nach dem Mauerbau bleibt für uns die klare Botschaft:
Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich. Mutige Menschen haben sie in der Friedlichen Revolution erkämpft. Unsere Verantwortung ist es, sie zu schützen und die Erinnerung daran an die nächste Generation weiterzugeben.“
Museumsleiter Dr. Christian Stöber wies auf die Bedeutung des historischen Ortes und des
Grenzmuseums Schifflersgrund bei der Erinnerung an die Grenzopfer hin:
„Als Todesort von Heinz-Josef Große ist der Schifflersgrund seit 1982 ein Gedenkort, der beispielhaft für das mörderische DDR-Grenzregime steht. Daraus erwächst eine besondere Verantwortung. Heute ist das Grenzmuseum ein moderner Erinnerungs- und Lernort. Stilles Gedenken trifft hier auf lebendige historisch-politische Bildung, um gleichermaßen angemessen
wie auch zeitgemäß verschiedenen Generationen einen Raum zur Auseinandersetzung mit Geschichte, Diktatur und Demokratie zu bieten. Das ist und bleibt eine Daueraufgabe – erst recht jetzt, wo die DDR rückblickend für viele schöner denn je erscheint.“
Weitere Informationen zum historischen Ort Schifflersgrund und dem Grenzmuseum bietet
die Website der Einrichtung unter www.grenzmuseum.de.

