Wenn am 11. Oktober die fünfte Thüringer Landesgartenschau in Leinefelde ihre Tore schließt, wird sich die Frage stellen: Was hat die Gartenschau tatsächlich gebracht und was bleibt der Stadt? Einen interessanten Vergleich bietet Apolda. Dort fand 2017 die vierte Thüringer Landesgartenschau statt. Einige Zeit später wurde ausführlich Bilanz gezogen.

Eine Besucherzahl sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, wie viel Menschen wirklich die Landesgartenschau besucht haben, da Dauerkartenbesitzer öfter gezählt werden. Foto: Ilka Kühn


Und die Zahlen sind durchaus interessant. 149 Tage dauerte die „Blütezeit Apolda“ vom 29. April bis zum 24. September 2017. Rund 366.000 Besuche wurden am Ende registriert. Damit wurde das zuvor gesetzte Mindestziel von 300.000 deutlich übertroffen.

Interessant ist dabei auch ein Blick auf die Dauerkarten. Ursprünglich hatte man mit höchstens 2.200 verkauften Dauerkarten gerechnet. Tatsächlich wurden es 5.585 – mehr als zweieinhalbmal so viele. Gerade diese Zahl zeigt, wie stark die Landesgartenschau von den Einwohnern Apoldas und der näheren Umgebung angenommen wurde.

Bei den Besucherzahlen muss allerdings berücksichtigt werden, was überhaupt gezählt wird. Bereits kurz vor dem Ende der Gartenschau berichteten die Veranstalter von knapp 350.000 über das Kassensystem erfassten Besuchen, ausdrücklich einschließlich der Dauerkartenbesitzer. Wer seine Dauerkarte regelmäßig nutzte, ging also mit mehreren Besuchen in die Gesamtzahl ein. 366.000 Besuche bedeuten deshalb nicht, dass 366.000 verschiedene Menschen nach Apolda kamen.

Dennoch war die Resonanz für eine Stadt von der Größe Apoldas beachtlich. Schon am 13. Juni wurde der 100.000. Besuch registriert, am 24. Juli der 200.000. und am 14. August die Viertelmillion erreicht. Vier Tage vor Schluss waren es knapp 350.000.

Dabei spielten Veranstaltungen eine erhebliche Rolle. Ein besonders starkes Wochenende im Juli brachte beispielsweise 13.816 Besuche. Allein am Sonnabend, 22. Juli, als unter anderem Beatrice Egli zum Programm gehörte, wurden 7.811 Gäste gezählt. Das war zu diesem Zeitpunkt der besucherstärkste Tag der Gartenschau.

Die Bilanz von Apolda lässt aber noch etwas anderes erkennen: Eine Landesgartenschau lässt sich nicht allein anhand ihrer Eintrittszahlen bewerten. Sie war von Beginn an auch als Instrument der Stadtentwicklung gedacht.

Für die Gartenschau wurden unter anderem die historische Herressener Promenade neu gestaltet und der Paulinenpark geschaffen. Auch Bahnhof und Bahnhofsumfeld wurden aufgewertet. Die Anlagen blieben nach dem Ende der Schau erhalten und werden weiter genutzt. Der offizielle Abschlussbericht nennt als Grundlage der späteren Bewertung sogar eine eigene Evaluierung des Gesamtvorhabens anhand eines „Apoldaer Indikatorensets“.

Bemerkenswert ist auch die finanzielle Seite der Durchführungsgesellschaft. Der Jahresabschluss 2017 der Landesgartenschau Apolda 2017 GmbH wurde geprüft und 2018 veröffentlicht. Aus dem Protokoll der Gesellschafterversammlung geht hervor, dass zum 31. Dezember 2017 eine Bilanzsumme von 169.787,89 Euro und ein Jahresüberschuss von 0 Euro festgestellt wurden. Das darf allerdings nicht mit den gesamten Investitionen verwechselt werden, die im Zusammenhang mit der Vorbereitung und Stadtentwicklung standen.

Gerade dieser Unterschied ist wichtig, wenn Landesgartenschauen miteinander verglichen werden. Auf der einen Seite steht der eigentliche Betrieb der Schau mit Eintrittsgeldern, Veranstaltungen und laufenden Ausgaben. Auf der anderen Seite stehen langfristige Investitionen in Parks, Straßen, Wege, Gebäude oder andere Bereiche der Stadtentwicklung.

Apolda ist deshalb für Leinefelde-Worbis ein interessanter Vergleich. Beide sind keine Großstädte, und bei beiden Landesgartenschauen geht es um weit mehr als Blumenbeete und ein Veranstaltungsprogramm.

In Leinefelde ist inzwischen die Marke von 200.000 Besuchen erreicht. Bis zum Ende der fünften Thüringer Landesgartenschau am 11. Oktober bleiben noch einige Wochen. Erst danach wird sich zeigen, wo Leinefelde-Worbis im Vergleich mit Apolda und den anderen Thüringer Landesgartenschauen tatsächlich steht.

Noch interessanter dürfte aber eine zweite Frage sein: Was bleibt nach dem letzten Öffnungstag? Denn die Erfahrung aus Apolda zeigt, dass sich der Erfolg einer Landesgartenschau nicht nur an der Zahl am Drehkreuz messen lässt. Entscheidend ist auch, was eine Stadt mit den neu gestalteten Flächen und den Investitionen in den Jahren danach macht.