„Ich leide nicht an der Kirche, ich leide mit der Kirche“

Wort zum Sonntag von Pfarrer Gregor Arndt

Mit diesem Wort des emeritierten Bischofs Joachim Wanke hangele ich mich durch diese Tage, in denen neue Gutachten sexuellen Missbrauchs offenliegen, homosexuelle kirchliche MitarbeiterInnen sich outen und Gerechtigkeit erwarten, aber auch Schwestern und Brüder aus unserer Pfarrei der Kirche den Rücken kehren.

Und wenn selbst Papst Benedikt Falschaussagen bezichtigt werden kann oder andere das Gefühl beschleicht, dass rundherum nichts mehr stimmt – was dann? Kirchenaustritt? Gründe gibt es genug – Folgen aber auch. Die Christliche Gemeinschaft im Eichsfeld lebt aus zwei Quellen, wie es sich mir bei Taufgesprächen immer wieder zeigt: Selbst bei nur geringer Gottesdienstpraxis soll „unser Kind dazugehören“ heißt es bei vielen Eltern.

Es ist ein Zugehörigkeitsgefühl, das mit christlicher Wertorientierung zusammenfällt. Damit verbunden ist eine Art „haptisches“ Glaubensverständnis. Es fällt den meisten leichter, die Weihnachtskrippe in der Kirche aufzubauen, als den eigenen Glauben einem anderen zu erklären. Dieses Zugehörigkeitsgefühl aus Traditionen und Vertrauen schwindet, wenn die Gemeinschaft der „Dazugehörigen“ sich reduziert. Spätestens zur Landesgartenschau wird sich zeigen, ob unser Eichsfeld noch christlich „kontaminiert“ ist, weil trotz des Ärgers mit der Kirche Kirchgebäude geöffnet, Stationswege gepflegt und Singgemeinschaften zu Gottesdienst oder Konzert einladen. 

Ich danke in diesen Tagen, wenn Menschen vor einem Kirchenaustritt das Gespräch mit mir suchen; ich bin dankbar für das vielfältige Mühen von Ehrenamtlichen in unseren Kirchorten, in „gedimmten“ Coronazeiten das kirchliche Leben zu gestalten, ich setze auf Gottes Wegbegleitung.

In Gottes Segen „dazugehörig“                                                        

Pfarrer Gregor Arndt

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