Leinefelde. Der Großvater trank Kaffee, die Enkel bekamen Kakao. Es sind solche kleinen Erinnerungen, die einen Menschen auch Jahrzehnte nach seinem Tod wieder lebendig werden lassen. Zwei Enkelinnen und ein Enkel von Konrad Hentrich waren jetzt in der nach ihm benannten Schule zu Gast – Lissy Gawehns, Corinna Goethe und Niels Hentrich.

Sie erzählten von einem liebevollen Großvater – und erlebten, wie viel sein Name der Schule bis heute bedeutet.
Jedes Jahr erinnert die Leinefelder Schule an ihren Namensgeber, der am 10. Oktober 1880 in Leinefelde geboren wurde. Der Sprachwissenschaftler beschäftigte sich besonders mit der Eichsfelder Mundart. Seit 1994 trägt die Schule seinen Namen. Dass diesmal gleich drei seiner Enkel dabei sein konnten, machte den diesjährigen Gedenktag zu einer besonderen Begegnung.
Begonnen hatte der Tag mit einem Gottesdienst der Regelschüler aus den Klassen 5 bis 10 in der Kirche St. Maria Magdalena. Dieser hinterließ bei den Gästen aus der Familie einen tiefen Eindruck. Noch mehrfach bedankten sie sich im Laufe des Tages ausdrücklich dafür. Auch das aufmerksame Miteinander der Schüler fiel ihnen auf.
Anschließend ging es zum gemeinsamen Frühstück in die Schule. Mit am Tisch saßen Menschen, die ihr seit vielen Jahren verbunden sind. Dazu gehörten Thomas Müller, der selbst hier zur Schule gegangen war und später eine Schulband betreut hatte, der ehemalige Bürgermeister Gerd Reinhardt und die frühere Regelschulleiterin Sigrid Uhlmann. Im Gespräch stellte sich sogar heraus, dass auch Gerd Reinhardt mit Konrad Hentrich verwandt ist.
Bei dieser Runde bekamen die Erinnerungen viel Raum. Die Enkel erzählten von gemeinsamen Ausflügen nach Hamburg-Altona, von Cafébesuchen und von der engen Beziehung, die ihr Großvater zu ihnen gepflegt hatte. Hinter dem Wissenschaftler wurde ein zugewandter Familienmensch sichtbar, dessen Haltung seine Enkel bis heute begleitet.




Eine Enkelin schilderte, wie sehr sie seine Offenheit für andere Menschen geprägt habe. Wer einen Menschen verstehen wolle, müsse sich auch für dessen Herkunft, Kindheit und Erfahrungen interessieren. Dieser Gedanke habe sie später in ihrer eigenen therapeutischen Arbeit getragen. Auch das Zusammenleben unterschiedlicher Konfessionen sei in der Familie selbstverständlich gewesen.
„Ich finde es sehr schön, dass mein Großvater hier noch so geehrt wird und gefeiert wird“, sagte die älteste der anwesenden Enkelinnen. Die Hamburgerin, die als Sozialarbeiterin gearbeitet hatte, zeigte sich besonders von der herzlichen Begegnung mit den Kindern angetan.
Dass die Verbindung zur Familie über die Jahre erhalten blieb, ist auch dem Engagement von Lehrerin Sylvia Zirkler zu verdanken. Sigrid Uhlmann würdigte ihren langjährigen Einsatz für die Erinnerung an Konrad Hentrich. Im Rahmen einer Projektarbeit war auch ein Gedenkraum entstanden, der sich seinem Leben und Wirken widmet.
Die Gespräche führten dabei immer wieder vom Namensgeber zum heutigen Schulalltag. Kindern einen sicheren Ort zu geben, verlässliche Ansprechpartner zu sein und einen respektvollen Umgang zu vermitteln – darin sehen die Lehrer eine wichtige Aufgabe. Das beginne bereits beim gegenseitigen Grüßen.

Sigrid Uhlmann beschrieb die Schule als eine Gemeinschaft, deren Traditionen von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Die Verbundenheit mit den Familien und mit Leinefelde sei über viele Jahre gewachsen. Damit verband sich auch der mehrfach geäußerte Wunsch, die Schule zu erhalten.
Für die Enkel war der Besuch eine bewegende Erfahrung: Die Erinnerung an ihren Großvater hat in Leinefelde einen festen Platz. Und die Werte, die sie mit ihm verbinden, fanden sie im Umgang miteinander wieder. Ein Rundgang durch die Schule beendete diesen sehr erinnerungswerten Tag.
Ilka Kühn

