
Wer dieses anspruchsvolle Buch zur Hand nimmt, sollte bereit sein, wohlbekannte, ausgetretene Pfade zu verlassen, sollte bereit sein, sich bei der Lektüre der Kurzgeschichten einzulassen auf Neues, Ungewöhnliches, bisher so noch nie Gelesenes, Gehörtes, Erlebtes.
Das Lesen ist eine Herausforderung, das Leben, den Alltag einmal von ganz neuen Seiten, aus ungewöhnlichen Perspektiven zu betrachten. Das Buch lädt ein zum Mitdenken, ist keine leichte, lustige Unterhaltung mal zwischendurch, weil gerade mal fünf Minuten Freizeit vorhanden sind.
Bei der Schilderung von Ereignissen und Abläufen wird deutlich: Es existiert nicht nur die eine, die eigene Sicht auf die Welt, auf das tägliche Einerlei, auf Höhepunkte oder auf seltsame Ereignisse. Stefan Petermann beweist, dass es eben auch anders geht, gibt der Fantasie Raum.
Der in Weimar lebende Autor, Jahrgang 1978, wurde im sächsischen Werdau geboren. Wenn er vom Besuch in seiner Geburtsstadt schreibt, kann das bei Leserinnen und Lesern die Frage provozieren: Wie sehe ich den Ort, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, heute?
Einige Sätze aus der „langen Zeit in der Sonne“ sollen hier unbedingt zitiert werden, weil sie so wichtig sind: „Ich kann die Zeit nicht wählen, in der ich lebe, aber über den Ort entscheiden, an dem ich das tue.“ „Was ich für das Bessere halte, muss nicht das Bessere sein. Ich weiß einfach zu wenig.“ Und: „Es gibt keinen Anspruch auf Ewigkeit.“
Christine Bose , Dipl.-Journalistin
Stefan Petermann, Diese lange Zeit in der Sonne, Erzählungen
EDITION MUSCHELKALK Band 59 der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.
Herausgegeben von André Schinkel, 188 S., Br., 135 x 210 mm
ISBN 978-3-68948-038-7, Preis: 20 Euro

