„Boxenstopp“ bei Ottobock in Tokio

Julian Napp, Leiter der Ottobock Werkstatt in Tokio, stellt eine Sport-Prothese ein. / ©Tokyo 2020 Ottobock

Gestern öffnete Ottobock die Türen seines Reparatur- und Servicezentrums bei den Paralympischen Spielen 2021 in Tokio. Athleten können vor und während der Wettkämpfe ihre Ausrüstung dort kostenfrei warten und reparieren lassen. Denn Rollstühle, Orthesen, Prothesen und andere Hilfsmittel sind während der Spiele extremen Belastungen ausgesetzt. In der Ottobock Werkstatt sorgen rund 100 technische ExpertInnen aus 24 Ländern für die fachgemäße Reparatur und Wartung – unabhängig von der Nationalität der SportlerInnen und der Marke der Produkte.

„Unsere Orthopädietechniker, Rollstuhlspezialisten und Schweißer haben ein gemeinsames Ziel: Sie schaffen die technischen Voraussetzungen, damit sich die Paralympioniken ganz auf ihre Leistung und den Wettkampf konzentrieren können”, sagt Peter Franzel, Head of Global Events, Exhibitions und Sports bei Ottobock. „Besonders an den ersten Tagen, noch vor der Eröffnung der Spiele, läuft die Werkstatt auf Hochtouren. Unsere Experten überprüfen, ob die Sportaustrüstungen nach dem langen Transport nach Japan noch hundertprozentig funktionieren und machen sie wettkampftauglich. Natürlich kümmern sie sich auch um die Alltags-Hilfsmittel der Athleten. Oft geht es hier zu wie im Boxenstopp.“

Erste Hilfe für Hilfsmittel

Das Technikerteam von Ottobock erwartet mehr als 2.000 Reparaturen – allein 200 an Spitzentagen. Dabei gleicht keine Reparatur der anderen: Etwa 4.400 AthletInnen treten in 22 verschiedenen Sportarten an mit einer Vielzahl von individuellen Hilfsmitteln. Der Service reicht vom einfachen Aufpumpen eines Rollstuhlreifens bis hin zu komplexen Reparaturen. Eine Sportprothese zum Beispiel stellen die SpezialistInnen mit höchster Präzision auf die individuellen Anforderungen ein. Hierfür nutzen sie Lasermessgeräte.

„Diese Aufgaben erfordern spezielle Fachkenntnisse und die Fähigkeit, unter hohem Druck zu arbeiten – und manchmal auch ein großes Improvisationstalent“, so Peter Franzel. „Das Team arbeitet dabei im Schichteinsatz, so dass wir den Athletinnen und Athleten Tag und Nacht weiterhelfen können.“

Bereits seit 1988 ist Ottobock als technischer Servicepartner bei den paralympischen Sommer- und Winterspielen dabei. Zu der Hauptwerkstatt im Paralympischen Dorf errichtet das Unternehmen 14 kleinere Reparatur- und Servicezentren an den Wettkampfstätten für die „Erste Hilfe“ vor Ort. Zusätzlich im Einsatz ist eine komplett ausgestattete mobile Werkstatt.

Zahlen und Fakten

  • 700 Quadratmeter Raum in der Hauptwerkstatt für Reparaturen, Wartung und Service
  • 106-köpfiges technisches Serviceteam aus 24 Ländern
  • 22 gesprochene Sprachen
  • 18 Tonnen Ausrüstungsgegenstände und Maschinen, z.B. Trichterfräsen, Bandsägen, Infrarotwärmeofen, Ständerbohrmaschinen und Schweißgeräte
  • 17.300 Ersatzteile, von Schrauben über Prothesenkniegelenke bis hin zu Rollstühlen
  • 2.000 erwartete Reparaturen, bis zu 200 am Tag
  • 8-23 Uhr geöffnet mit 24 Stunden Notfall-Hotline
  • 23 Tage Service insgesamt

 

Über Ottobock
Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität entwickelt Ottobock „wearable human bionics“ – medizintechnische Produkte in den Bereichen Prothetik, Orthetik und Human Mobility (Rollstühle). Zudem versorgt das 1919 gegründete Unternehmen PatientInnen im Bereich Patient Care. Das Ziel: Lebensqualität und gesundheitsökonomischen Nutzen steigern. Mit den Exoskeletten unter dem Namen Paexo überträgt Ottobock seit 2012 seine Expertise in der Biomechanik auch auf Anwendungen für die Industrie. Niederlassungen fast 60 Ländern bieten weltweit Qualität „Made in Germany“ und beschäftigen mehr als 8000 Menschen. Die internationalen Aktivitäten des Unternehmens werden vom Hauptsitz in Duderstadt (Niedersachsen) aus koordiniert. Seit 1988 unterstützt Ottobock die Paralympischen Spiele durch sein technisches Know-how.