Thüringen. Die Verfassungsviertelstunde wird an weiteren 46 Thüringer Schulen erprobt. Damit beteiligen sich inzwischen 68 Schulen aller Schularten an dem wöchentlichen Unterrichtsformat. Die flächendeckende Einführung ist zum Schuljahr 2027/2028 geplant. Im Landkreis Eichsfeld sind es Staatliches das „St.-Josef-Gymnasium“ Dingelstädt, die Staatliche Regelschule Küllstedt und die Staatliche Gemeinschaftsschule Hüpstedt.
Das Angebot stärkt die politische Bildung über den Fachunterricht hinaus. Ausgehend von Erfahrungen und Fragen aus ihrem Alltag beschäftigen sich die Schüler mit Grundrechten, demokratischen Prinzipien und aktuellen gesellschaftlichen Themen. Sie sollen lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen, unterschiedliche Standpunkte zu verstehen und respektvoll zu diskutieren.
Bildungsminister Christian Tischner erklärt: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Junge Menschen müssen verstehen, welche Rechte und Freiheiten unsere Verfassung schützt und warum sie für unser Zusammenleben so wichtig sind.“
Die Verfassungsviertelstunde orientiert sich am Beutelsbacher Konsens und am Thüringer Schulgesetz. Unterschiedliche Positionen sollen sachlich und kontrovers behandelt werden. Eine einseitige politische Beeinflussung ist ausgeschlossen. Grundlage sind die Grundrechte und die freiheitliche demokratische Grundordnung. Die Schulen gestalten die Umsetzung im bestehenden Unterricht eigenverantwortlich. Eine Leistungsbewertung findet nicht statt.
Für die weitere Einführung werden Lehrkräfte qualifiziert, die anschließend ihre Kollegen unterstützen sollen. Eine Bedarfsanalyse unter rund 2.400 Lehrkräften und Schulleitungen hatte gezeigt, dass sich viele Schulen mehr praxisnahe Unterstützung bei der Demokratiebildung wünschen.
Die Universität Jena begleitet unter Leitung von Prof. Dr. Michael May die Konzeption und Durchführung der Qualifizierung. Im zweiten Schulhalbjahr 2026/2027 sollen zunächst Lehrkräfte verschiedener Schularten und Schulamtsbereiche vorbereitet werden.
Die 60-stündige Weiterbildung einschließlich Praxiserprobung verbindet digitale Selbstlernphasen, Präsenz-Workshops und gemeinsame Auswertungen. Schwerpunkte sind das Grundgesetz, die Thüringer Verfassung sowie die Gestaltung der Verfassungsviertelstunde. Interessierte Lehrkräfte können bis zum 28. November 2026 auf dem Dienstweg ihr Interesse bekunden. Erfahrungen mit dem Format sind erwünscht.
Ergänzend bietet das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien Fortbildungen, Unterrichtsmaterialien und Erfahrungsaustausch an. Die Erkenntnisse der Pilot- und Transferschulen fließen in die weitere Ausgestaltung ein.


