
Teistungen. Gedenken an die deutsche Teilung und zugleich der Blick auf die künftige Zusammenarbeit: Die Bildungsminister aus Thüringen, Christian Tischner, und Falko Mohrs, Niedersachsen, kamen am Montag am Grenzlandmuseum Eichsfeld zusammen. Anlass des Treffens war zum einen das Gedenken an den 13. August 1961, den Tag des Mauerbaus. Zum anderen wollten beide Seiten darüber beraten, wie die länderübergreifende Zusammenarbeit am historischen Erinnerungsort künftig fortgeführt und weiterentwickelt werden kann.
Wolfgang Nolte, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Grenzlandmuseum Eichsfeld, begrüßte die Teilnehmer zu diesem „kleinen Gipfeltreffen“. Er machte deutlich, wie wichtig eine Zusammenarbeit über Länder- und Parteigrenzen hinweg gerade für einen Ort wie das Grenzlandmuseum sei. Die Geschichte der deutschen Teilung und der innerdeutschen Grenze dürfe nicht allein rückblickend betrachtet werden. Aus ihr erwachse vielmehr die Aufgabe, Erinnerung wachzuhalten und an kommende Generationen weiterzugeben.
Für Nolte ist der Erinnerungsort auch persönlich von besonderer Bedeutung. Er sei auf der westlichen Seite der Grenze aufgewachsen, habe die Entwicklung der Grenzanlagen unmittelbar miterlebt und schließlich auch die Grenzöffnung selbst erfahren und mitgestaltet. Gerade deshalb verbinde er mit diesem Ort nicht nur Erinnerung, sondern auch viel Hoffnung. Der Mahn- und Erinnerungsort müsse deshalb auch künftig weiterentwickelt werden.
Dabei blickte Nolte zugleich nach vorn. Vieles von dem, was heute am Grenzlandmuseum und entlang der ehemaligen Grenze erhalten, erschlossen und vermittelt werde, sei nur durch die Unterstützung beider Länder möglich geworden. Dies müsse weiter vertieft werden. Zugleich sieht der Förderverein darin einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Anerkennung als Weltnatur- und Weltkulturerbe.
Wolfgang Nolte machte allerdings deutlich, dass dies ein langer Weg sei und man sich darüber keine Illusionen mache. Der Erinnerungsort im Eichsfeld sei innerhalb des früheren Grenzverlaufs jedoch ein besonderer Abschnitt. Auch die Lage des Eichsfeldes mitten in Deutschland und seine Geschichte als über Jahrzehnte geteilte Region sprächen aus seiner Sicht dafür, diesen Weg weiterzuverfolgen.
An die Vertreter aus Thüringen und Niedersachsen richtete Nolte deshalb ausdrücklich die Bitte, dieses Vorhaben weiterhin kreativ und politisch zu unterstützen. Ohne die bisherige Unterstützung sei der Prozess gar nicht erst auf den Weg gekommen. Nun gelte es, gemeinsam weiterzumachen.
Dabei erinnerte Nolte auch an wichtige Stationen nach der Wiedervereinigung. Bereits im Jahr 2000 war das Eichsfeld im Rahmen der Expo mit dem Projekt „Grenzenloser Hof“ vertreten. Ein weiteres bedeutendes Datum folgte 2002: Damals wurde bei Duderstadt unter anderem im Beisein des früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow ein West-Ost-Tor als Mahnmal eingeweiht. An dieses Ereignis soll am 19. Juni 2027, 25 Jahre später, erneut erinnert werden. Nolte sprach deshalb bereits jetzt eine Einladung aus.
Auch der Naturschützer Heinz Sielmann spielte in Wolfgang Noltes Rückblick eine Rolle. Noch vor dem Fall der Mauer hatte Sielmann die Vision formuliert, dass aus dem Grenzstreifen eines Tages ein zusammenhängender Naturraum entstehen könne. Wenige Jahre später gründete er seine Stiftung mit Sitz in Duderstadt. Damit wurde aus einem Gebiet, das Deutschland über Jahrzehnte trennte, zunehmend auch ein Raum gemeinsamer Erinnerung, Begegnung und Zusammenarbeit.

Zum Abschluss seiner Begrüßung lud Wolfgang Nolte die Teilnehmer ein, gemeinsam zur Mahnstätte zu gehen. Der Ort sei geschaffen worden, um Dank auszudrücken, aber vor allem, um die Erinnerung an die deutsche Teilung und ihre Opfer wachzuhalten. Dort legten die beiden Bildungsminister anschließend Blumen nieder.

Die Minister nahmen sich auch Zeit für einen Rundgang durch Teile der Dauerausstellung des Grenzlandmuseums. Dabei erhielten sie einen Einblick in die Geschichte der deutschen Teilung, das Leben an und mit der innerdeutschen Grenze sowie die Ereignisse rund um deren Öffnung.

Anschließend rückte die Zukunft des Erinnerungsortes in den Mittelpunkt. Thüringen und Niedersachsen wollen die Bildungs- und Erinnerungsarbeit am Grenzlandmuseum weiterhin gemeinsam unterstützen. Ein zentrales Thema war dabei die geplante Überarbeitung und Modernisierung der Dauerausstellung. Beide Minister waren sich einig, dass dies eine wichtige Aufgabe und zugleich ein gemeinsames Projekt beider Bundesländer ist.
Ilka Kühn

