
Worbis. Wer jung in eine Wohnung im vierten oder fünften Stock zieht, denkt selten an später. Am Anfang ist das Treppensteigen selbstverständlich. Die Kinder laufen die Stufen hinauf und hinunter, Einkäufe werden getragen, der Alltag spielt sich zwischen Familie, Arbeit und Nachbarschaft ab. Viele Jahre lang ist das kein Problem.
Doch irgendwann verändert sich das Leben. Die Kinder sind erwachsen und längst ausgezogen. Die Eltern bleiben in der Wohnung, in der sie oft einen großen Teil ihres Lebens verbracht haben. Sie kennen das Haus, die Nachbarn, den Blick aus dem Fenster. Dort hängen Erinnerungen. Dort ist ihr Zuhause.
Aber mit zunehmendem Alter wird aus jeder Treppe eine Hürde. Wenn Knie oder Hüfte nicht mehr mitmachen, wenn eine Operation hinter einem liegt oder die Kraft nachlässt, kann der Weg in die eigene Wohnung beschwerlich werden. Dann stellt sich irgendwann die Frage, ob man in seinem vertrauten Zuhause bleiben kann – oder ob die Treppen irgendwann zu viel werden.
Genau an diesem Punkt setzt die WVL mit einem neuen Pilotprojekt an. In der Lessingstraße 16 wurde erstmals in einem Neubaublock ein Treppenlift eingebaut. Damit geht das Wohnungsunternehmen einen Weg, der für viele Mieter eine echte Erleichterung im Alltag bedeuten kann.

Dass die Bedienung auch für ältere Menschen gut machbar ist, zeigte sich gleich beim Vorort-Termin. Zwei Mieter probierten den Lift aus und waren sehr angetan. Ruhig und sicher fährt er über die Etagen. Für Menschen, denen das Treppensteigen schwerfällt, kann das einen großen Unterschied machen.
Karl-Heinz Biller findet den Treppenlift sehr gut. Foto: Ilka Kühn
Bei einem Termin vor Ort wurde der neue Lift vorgestellt. Schnell wurde deutlich: Hier geht es nicht nur um Technik. Es geht um Teilhabe, Selbstständigkeit und darum, Menschen möglichst lange ein Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen.
Bereits vor rund einem Jahr begann die WVL gemeinsam mit dem Worbiser Ortsteilbürgermeister Jens Worm-Büschleb zu überlegen, wie im Worbiser Wohnungsbestand eine bezahlbare und barrierearme Lösung geschaffen werden kann. Ziel war es, für unterschiedliche Gebäudetypen konkrete Erschließungslösungen zu finden. Bis der Lift eingebaut werden konnte, musste noch einiges im Hausflur gemacht werden. Der Fußboden ist jetzt wie neu.
Ein Aufzug wäre in vielen Gebäuden nur schwer oder mit sehr hohen Kosten umzusetzen. Deshalb wurde nach einer Alternative gesucht, die praktisch, sicher und finanziell vertretbar ist. Der Treppenlift in der Lessingstraße ist nun das erste Ergebnis dieser Überlegungen.
WVL-Geschäftsführer Tino Hartlep machte deutlich, dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Lange sei geprüft worden, welche Lösung wirklich sinnvoll ist. Dabei gehe es nicht darum, irgendeine schnelle Maßnahme umzusetzen. „Wir machen keine halben Sachen“, machte er deutlich.
Nach intensiver Planung und Abstimmung konnte im Juli 2025 schließlich die Genehmigung zum Antrag auf Abweichung durch das Bauaufsichtsamt des Landkreises Eichsfeld erteilt werden. Damit war ein wichtiger Schritt für die Umsetzung getan.
Eingebaut wurde ein moderner Kurventreppenlift der Firma Lifta. Das Schienensystem wurde individuell an das Treppenhaus angepasst. Der Lift ist auf die baulichen Gegebenheiten abgestimmt und lässt sich einfach und sicher bedienen. Dazu gehören eine einfache Steuerung, eine Fernbedienung sowie ein akkubetriebener Antrieb mit automatischer Ladefunktion.
Denn ein solcher Lift bedeutet nicht nur, bequemer nach oben oder unten zu kommen. Er bedeutet auch, weiter am Leben teilhaben zu können. Einkäufe, Arzttermine, Besuche oder ein Spaziergang vor der Tür werden leichter möglich. Der Lift kann dazu beitragen, dass ältere Menschen nicht aus ihrem vertrauten Wohnumfeld herausgerissen werden müssen.
Die WVL setzt damit ein klares Zeichen: Sie will ihre Mieter dabei unterstützen, so lange wie möglich selbstbestimmt und komfortabel in ihrem Zuhause leben zu können. Der Treppenlift baut Barrieren ab und schafft ein Stück Sicherheit im Alltag.
Auch das Kostenmodell ist bewusst niedrig gehalten. Mieter, die den Treppenlift nutzen möchten, beteiligen sich mit einem monatlichen Beitrag von 25 Euro an den Kosten.
Nach der erfolgreichen Testphase soll das Angebot auf weitere Hauseingänge ausgeweitet werden kann. Denn die Lösung ist eine echte Alternative zum Aufzug. Die Baukosten und auch die Betriebskosten fallen deutlich geringer aus.
Mit dem Projekt in der Lessingstraße zeigt die WVL, dass barrierearmes Wohnen nicht immer mit großen Neubauten oder teuren Aufzügen beginnen muss.
Der Anfang ist gemacht, jetzt werden die anderen Eingänge folgen. Insgesamt sind es vier in der Lessingstraße in Worbis mit je acht Wohnungen. Ein Pilotprojekt, das offensichtlich seine Fotsetzung findet. Obendrein werden die Bäder in diesen Eingängen barrierefrei gemacht.
Ilka Kühn