Sachsen/Thüringen. Die soziale Pflegeversicherung steht seit Jahren unter Druck. Immer mehr Menschen sind auf Unterstützung angewiesen, die Eigenanteile in Pflegeheimen steigen, Fachkräfte fehlen und auch die Finanzierung der Pflegeversicherung ist angespannt. Aus Sicht der AOK PLUS ist eine Reform deshalb dringend notwendig.

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt weiter deutlich. Allein bei der AOK PLUS waren zum Jahresende 2025 insgesamt 337.637 Versicherte pflegebedürftig. Seit 2017 ist ihre Zahl damit um fast 60 Prozent gewachsen. Vor diesem Hintergrund sieht die Gesundheitskasse im geplanten Pflegeneuordnungsgesetz zwar wichtige Ansätze, warnt aber zugleich vor neuen finanziellen Belastungen für Pflegebedürftige, Angehörige, Beitragszahlende und Kommunen.

„Der Reformbedarf in der Pflege ist unbestritten. Mehr als 337.000 Versicherte der AOK PLUS sind pflegebedürftig. Seit 2017 ist ihre Zahl um fast 60 Prozent gestiegen. Pflege ist längst ein zentrales Versorgungsthema für Familien, Kommunen und Sozialversicherung“, sagt Ilona Wojnowski, Vorständin der AOK PLUS.

Positiv bewertet die AOK PLUS mehrere Strukturansätze im Referentenentwurf aus dem Haus von Bundesgesundheitsministerin Warken. Dazu gehören mehr Prävention und Rehabilitation, eine individuelle Pflegebegleitung, das geplante PflegeCockpit, einfachere Leistungsstrukturen und eine bessere Datengrundlage für die kommunale Pflegeplanung. Diese Punkte könnten nach Einschätzung der Gesundheitskasse dazu beitragen, Pflegebedürftigkeit möglichst zu vermeiden, Angehörige besser zu unterstützen und die Versorgung vor Ort gezielter zu organisieren.

Entscheidend sei aber, was davon tatsächlich bei den Pflegebedürftigen und ihren Familien ankomme. Denn der größte Teil der pflegebedürftigen Versicherten der AOK PLUS wird zu Hause versorgt. Zum Jahresende 2025 waren das mehr als 290.000 Menschen.

„Jede Pflegereform muss sich an einer einfachen Frage messen lassen: Was kommt bei den zu pflegenden Menschen und ihren Angehörigen wirklich an? Wenn Pflegebedürftige länger auf Entlastungen warten müssen, wenn Leistungen gekürzt werden oder wenn pflegende Angehörige schlechter abgesichert werden, dann passen Anspruch und Wirkung nicht zusammen“, so Wojnowski.

Kritisch sieht die AOK PLUS vor allem die Finanzierungsfrage. Vorgesehen sind unter anderem höhere Beiträge für Kinderlose, eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, Pflegebeiträge auf Minijobs sowie Einschränkungen bei Leistungen. Gleichzeitig sollen höhere Zuschüsse zur Begrenzung der Eigenanteile in der stationären Pflege erst später greifen.

Aus Sicht der AOK PLUS reicht das nicht aus, um die Pflegeversicherung nachhaltig zu stabilisieren. „Das ist keine nachhaltige Stabilisierung, sondern in Teilen eine Kostenverschiebung. Wenn Entlastungen im Pflegeheim später greifen und Eigenanteile weiter steigen, trifft das zuerst die Pflegebedürftigen und ihre Familien. Am Ende steigt aber auch der Druck auf die Kommunen, weil mehr Menschen auf Hilfe zur Pflege angewiesen sein können“, sagt Wojnowski.

Die Gesundheitskasse fordert deshalb, dass Bund und Länder stärker Verantwortung übernehmen. Dazu zählt die Erstattung pandemiebedingter Ausgaben der Pflegeversicherung. Außerdem sollen die Rentenbeiträge pflegender Angehöriger dauerhaft aus Steuermitteln finanziert werden. Auch die Investitionskosten in der stationären Pflege müssten nach Auffassung der AOK PLUS von den Ländern getragen werden.

„Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Reform, die diesen Namen verdient, muss Pflegebedürftige und ihre Familien verlässlich unterstützen, Beitragszahlende nicht überfordern, Kommunen nicht zusätzlich belasten und Bund und Länder klarer in die Verantwortung nehmen“, betont Wojnowski.

Ein weiterer Punkt ist die Digitalisierung. Die AOK PLUS verweist dabei auf die Kooperation am Digitalen Gesundheitscampus Waldheim. Dort soll gemeinsam mit Partnern ein konkreter Vorschlag erarbeitet werden, wie Pflege durch Digitalisierung entbürokratisiert und die Versorgung im Alltag erleichtert werden kann.

„Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Sie muss Pflegekräfte von Bürokratie entlasten, Angehörigen Orientierung geben und Versorgung für Pflegebedürftige einfacher machen. Gerade angesichts steigender Pflegezahlen und wachsender Belastungen für Kommunen ist das ein wichtiger Hebel“, sagt Wojnowski.

Zum 31. Dezember 2025 betreute die AOK PLUS 337.637 pflegebedürftige Versicherte. Davon lebten 217.299 in Sachsen und 109.299 in Thüringen. Weitere 11.038 pflegebedürftige Versicherte werden außerhalb Sachsens und Thüringens geführt. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 17.461 Menschen beziehungsweise 5,5 Prozent.

Seit Ende 2017 stieg die Zahl der pflegebedürftigen Versicherten der AOK PLUS von 212.641 auf 337.637. Das entspricht einem Zuwachs von 124.996 Menschen oder rund 59 Prozent.

Der überwiegende Teil der Pflege findet zu Hause statt. Zum Jahresende 2025 wurden 290.473 pflegebedürftige Versicherte der AOK PLUS in der Häuslichkeit versorgt, davon 186.055 in Sachsen und 95.631 in Thüringen. In stationären Pflegeeinrichtungen lebten 47.164 Versicherte, davon 31.245 in Sachsen und 13.668 in Thüringen.