Immer mehr Menschen in Nordthüringen arbeiten auch nach Renteneintritt noch

Der Bezug einer Altersrente oder Pension ist heute nicht mehr gleichbedeutend mit dem Ende der Erwerbsarbeit. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB Kurzbericht 8/2022) ist Erwerbstätigkeit im Ruhestand gegenwärtig wesentlich stärker verbreitet als noch vor 30 Jahren.

Das Phänomen tritt in Nordthüringen noch stärker auf als im Bundes- oder Thüringenschnitt. Als Grund für die Erwerbstätigkeit gaben die Befragten überwiegend soziale und persönliche Motive an, wie Freude an der Arbeit oder dem Wunsch nach einer weiterhin sinnvollen Aufgabe.

Erwerbsarbeit dient jedoch auch dazu, das verfügbare Einkommen im Ruhestand zu erhöhen. Mehr als zwei Fünftel der befragten Rentenbeziehenden bundesweit gaben an, aus finanziellen Gründen im Ruhestand weiterzuarbeiten. Die Bereitschaft von Rentnerinnen und Rentnern weiter zu arbeiten, ist für die Betriebe Nordthüringens ein Gewinn von unschätzbarem Wert. Nicht selten mangelt es an einer geeigneten Nachfolge: 100 Beschäftigten im Alter von über 55 Jahren stehen aktuell nur 36 unter 25-Jährige gegenüber.

Im Agenturbezirk Thüringen Nord arbeiteten im vergangenen Jahr 5.240 Rentnerinnen und Rentner. Das entspricht einem Anteil von 4,1 Prozent an allen Beschäftigten in Nordthüringen. Zum Vergleich: Bundesweit betrug der Anteil 3,8 Prozent, in Ostdeutschland 3,4 Prozent. Die Anzahl der arbeitenden Rentner in Nordthüringen hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich erhöht. Im Jahr 2015 waren 3.107 Altersrentner beschäftigt.

Mehr Männer als Frauen arbeiten im Rentenalter: Im vergangenen Jahr sind insgesamt 3.121 Männer einer Beschäftigung im Rentenalter nachgegangen. Von ihnen arbeiteten 2.407 als Minijobber (77,1 Prozent). Vorwiegend waren die Männer in den Bereichen der Fahrzeugführung im Straßenverkehr, in der Geschäftsführung sowie in der Human- und Zahnmedizin tätig.

Auch 2.119 Frauen im Rentenalter waren in Nordthüringen erwerbstätig. 1.729 von ihnen gingen einem Minijob nach, was einem Anteil von 82,9 Prozent entspricht. Frauen arbeiteten vor allem im Büro und Sekretariat, in der Reinigung sowie in einer Lehrtätigkeit an allgemeinbildenden Schulen.

Die Situation im Eichsfeld

Im Eichsfeld arbeiteten im vergangenen Jahr 1.869 Rentnerinnen und Rentner. Das entspricht einem Anteil von 4,8 Prozent an allen Beschäftigten im Landkreis. Im Jahr 2015 waren 1.019 Altersrentner beschäftigt.

Im vergangenen Jahr sind insgesamt 1.163 Männer einer Beschäftigung im Rentenalter nachgegangen. Von ihnen arbeiteten 895 als Minijobber (77,0 Prozent). Vorwiegend waren die Männer in den Bereichen der Fahrzeugführung im Straßenverkehr, in der Geschäftsführung sowie in der Maschinenbau- und Betriebstechnik tätig.

Auch 706 Frauen im Rentenalter waren im Eichsfeld erwerbstätig. 589 von ihnen gingen einem Minijob nach, was einem Anteil von 83,4 Prozent entspricht. Frauen arbeiteten vor allem im Büro und Sekretariat, in der Reinigung sowie in einer Lehrtätigkeit an allgemeinbildenden Schulen.


Im Landkreis Nordhausen arbeiteten im vergangenen Jahr 1.035 Rentnerinnen und Rentner. Im Unstrut Hainich Kreis waren es 1.492 Rentnerinnen und Rentner und im Kyffhäuserkreis 844 Rentnerinnen und Rentner.