Unseriöse Maschen verändern sich – starker Verbraucherschutz bleibt

KI-optimierte Webseiten, E-Mails und Chatnachrichten machen es immer schwerer für Verbraucher, unseriöse Angebote zu erkennen. Umso wichtiger ist ein starker Verbraucherschutz, der den Markt fairer macht. Darauf macht die Verbraucherzentrale anlässlich des Weltverbrauchertages am Sonntag aufmerksam.

Schneeballsysteme, Kaffeefahrten, Drückerkolonnen – mit diesen Methoden brachten unseriöse Anbieter Verbraucher in den Gründungsjahren der Verbraucherzentrale Thüringen um ihr Geld. Die unter zweifelhaften Umständen auf einer Kaffeefahrt gekaufte Heizdecke oder Flussreise ist heute selten geworden. Untergeschobene Verträge als Ärgernis und Dauerbrenner sind geblieben, nur die Methoden haben sich verändert. 

„Sehr viele Vertragsfallen lauern online. Außerdem merken wir, dass es KI-Optimierung bei Webseiten, bei E-Mails, bei Chatnachrichten und bei Stimmen am Telefon Verbraucher:innen immer schwerer macht, Fallstricke zu erkennen“, sagt Rebecca Bergmann, die die thüringenweit 16 Beratungsstellen der Verbraucherzentrale leitet. Unseriöse Webseiten beispielsweise sehen vertrauenswürdig aus oder gleichen einem seriösen Anbieter bis auf wenige Details. 

„Das führt dazu, dass Ratsuchende in Fakeshops bestellen, ungewollte Verträge schließen oder am Telefon persönliche Daten preisgeben. Eine Rechnung kommt dann völlig unerwartet“, schildert die Juristin. Gerade in einer Zeit, in der die Verbraucherpreise steigen, sind solche bösen Überraschungen besonders belastend. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb weitreichendere gesetzliche Regelungen für einen fairen und transparenten Online-Markt – beispielsweise dafür, wer eine .de-Domain betreiben darf. 

In sehr vielen Fällen kann die Verbraucherzentrale mit ihrem Angebot helfen, Ratsuchende aus ungewollten Verträgen zu befreien. Mit ihren Beratungen sowie präventiven Vorträgen, Workshops und Aktionstagen sorgt sie dafür, dass die Verbraucher in Thüringen auf Augenhöhe mit Unternehmen agieren können – für einen starken Verbraucherschutz seit 36 Jahren. 

Unseriöse Maschen im Digitalen – aktuelle Beispiele:

Dienstleistungen über Drittanbieter: Ein Service, um Abos zu kündigen. Ein Service, der sich um einen Nachsendeauftrag bei der Post kümmert. Ein Service, der den Punktestand in Flensburg abfragt. Viele Dienstleistungen und offizielle Dokumente können online beantragt werden. Aber: In jüngster Zeit machen manche Dienstleister ein Geschäft damit, Anfragen an Unternehmen oder Behörden weiterzuleiten und dafür extra abzukassieren. Verbraucher:innen zahlen dann doppelt oder bekommen statt des gewünschten Papiers lediglich Informationen zum Ablauf eines Antragsverfahrens. 

Coaching-Verträge: Gesünder leben? Der Weg zu finanzieller Unabhängigkeit? Über Webseiten oder soziale Netzwerke werden E-Books oder Seminare angeboten, vor allem aus den Bereichen Finanzen und Ernährung. Ohne es zu wollen, finden sich die Verbraucher:innen nach den ersten Kontakten mit den Anbietern in teuren Coaching-Verträgen wieder, die sie über mehrere Monate binden. Besonders perfide: Es werden individualisierte Inhalte versprochen, die Ratsuchenden erhalten aber nur Videos oder Ratschläge aus dem allgemeinen Pool des Anbieters – ohne echten Mehrwert.

Schreiben von der Pressevertriebszentrale (PVZ): Immer noch sehr häufig erhalten Verbraucher:innen als Dankeschön für die Teilnahme an einem Gewinnspiel oder über Webseiten und Social Media angebliche kostenfreie Probeabos für bekannte Zeitungen und Zeitschriften. Dabei wird ihnen ein Abo-Vertrag untergeschoben, der sie monatelang bindet. Völlig unerwartet meldet sich einige Wochen später die Pressevertriebszentrale, um die angeblichen Ansprüche durchzusetzen. Die Verbraucherzentrale Thüringen konnte bereits Hunderte Ratsuchende wirksam aus diesen Verträgen befreien. 

Das Geschäft mit der Finanznot: Auf Webseiten oder in sozialen Netzwerken wird eine „Kreditvermittlung“ oder eine „Finanzsanierung“ angeboten. Zu einem Kredit oder einer Verbesserung der eigenen finanziellen Situation kommt es, wenn Verbraucher:innen Verträge diese schließen aber nie. Trotz Ausbleiben des Erfolges, wird eine hohe Gebühr für diesen zweifelhaften „Service“ erhoben.