Heilbad Heiligenstadt. Die Palmsonntagsprozession in Heilbad Heiligenstadt gilt als größte christliche Prozession Deutschlands – und auch in diesem Jahr zeigt sich eindrucksvoll, welche Anziehungskraft sie hat. Am Nachmittag werden Tausende von Menschen in der Stadt erwartet, die sich entlang der Strecke versammeln.

Von überall her kommen die Menschen in die Innenstadt. Längst sind dabei nicht mehr nur katholische Christen unter sich – auch evangelische Gläubige ziehen mit im Zug. Gelebte Ökumene im Eichsfeld, wie Propst Hartmut Gremler es einmal treffend formulierte.
Wenn sich die Prozession um 14 Uhr in Bewegung setzt, säumen Tausende die Wilhelmstraße und die angrenzenden Straßen bis hin zur Lindenallee. Wie viele es am Ende genau sind, hängt auch immer ein Stück weit vom Wetter ab – doch die Größenordnung bleibt beeindruckend.
Die Tradition reicht weit zurück: Seit 1734 findet die Prozession am Palmsonntag statt, dem Sonntag vor Ostern, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. In sechs überlebensgroßen Bildern wird der Leidensweg Jesu dargestellt – vom Abendmahl bis zur Kreuzigung. Zu jeder Station erklingen Lieder, die von den Menschen am Straßenrand mitgesungen werden. Dafür gibt es ein eigenes Liederheft, das vor Beginn verteilt wird.
Der Prozessionsweg führt von der Oberen Altstadt über den Heimenstein, entlang der Wilhelmstraße und Göttinger Straße bis zur Lindenallee. Dort endet der Zug mit einer gemeinsamen Abschlussandacht.
Nach den pandemiebedingten Ausfällen in den Jahren 2020 und 2021 wird die Prozession seit 2022 wieder regelmäßig durchgeführt – und knüpft nahtlos an ihre große Bedeutung für die Region an.
Auch überregional ist die Palmsonntagsprozession anerkannt: Seit 2017 gehört sie zum Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland der UNESCO. Für viele ist sie mehr als ein religiöses Ereignis – sie ist ein fester Bestandteil der Identität im Eichsfeld und stimmt die Menschen auf die bevorstehende Karwoche ein.

