Erste Runde des StarKids-Programms erfolgreich abgeschlossen – neue Teilnehmer ab 2027 gesucht

Foto: Claudia Nachtwey / cps
Duderstadt. Nach drei Jahren ist das Programm „StarKids“ zur Gesundheitsförderung und Suchtprävention in den Kindertagesstätten der Caritas Südniedersachsen erfolgreich abgeschlossen worden. Die beteiligten Erzieher erhielten jetzt ihre Zertifikate. Im kommenden Jahr soll eine Neuauflage beginnen, an der auch Einrichtungen teilnehmen können, die nicht zur Caritas gehören.
Ziel von „StarKids“ ist es, die Kompetenzen der Erzieher in der Suchtprävention zu stärken und bereits bei Kita-Kindern wichtige Schutzfaktoren aufzubauen. Drei Jahre lang traf sich der Arbeitskreis etwa alle sechs bis acht Wochen. Dabei wurden unter anderem Konsum und Genuss, emotionale Kompetenzen, Konfliktfähigkeit und allgemeine Lebenskompetenzen behandelt.
„Es war hilfreich, dass so unterschiedliche Einrichtungen teilnahmen und wir damit ganz verschiedene Blickwinkel kennengelernt haben“, sagte Sabrina Mitzinneck, Erzieherin in der „KiTa für ALLE“ auf dem Inklusiven Campus Duderstadt. Ihre Kollegin Celine Gräbe ergänzte, dass die Themen tiefgründiger behandelt worden seien als während der Ausbildung. Neben Alkohol- und Drogenmissbrauch spielten heute auch Medien und Konsum eine wichtige Rolle bei der Suchtprävention.
In der Tagesstätte St. Raphael in Duderstadt werden Grundschulkinder und Jugendliche unterrichtet und gefördert. „Sucht wird heute eher als Problem anerkannt. Ein pädagogisches Ziel ist ein offener Umgang damit“, erklärte die Leiterin Nadine Rodens.
Insbesondere der Medienkonsum habe sich stark verändert, berichtete ihre Kollegin Kathrin Moritz. Größere Kinder nähmen bewusst wahr, wie sich ihre Eltern verhielten. Abhängig von der Ausprägung einer Suchterkrankung bestehe die Gefahr, dass Kinder später ebenfalls abhängig werden. Deshalb sei es wichtig, Kinder zu stärken und ihnen einen guten Umgang mit den eigenen Gefühlen zu vermitteln.
Weniger Reize durch selbstgestaltetes Spielzeug
Kerstin Falkuß, Leiterin des Sprachheilkindergartens St. Hildegard und der Kindertagesstätte St. Godehard I in Göttingen, sowie ihre Kollegin Kati Dyba betonten, dass die Zusammenhänge von Suchterkrankungen in der Arbeitsgruppe ausführlicher behandelt worden seien als während ihrer Ausbildung. Durch die zunehmende Reizüberflutung hätten sich sowohl das Umfeld der Kinder als auch der Umgang mit den Eltern deutlich verändert.
Während des StarKids-Programms wurden deshalb auch konkrete Lösungsansätze erprobt. Unter dem Motto „Miteinander stark“ bezogen die Einrichtungen die Kinder ein und förderten deren Kreativität. Aus einfachen Alltagsgegenständen wie Korken und Bechern gestalteten sie eigenes Spielzeug, anstatt vorgefertigtes Spielzeug zu konsumieren.
Später wurde das vorhandene Spielzeug zeitweise vollständig reduziert. „Da waren auch Eltern zunächst skeptisch, aber die Maßnahme wurde ein voller Erfolg“, berichtete Jens Pook, Suchtberater der Caritas und Initiator des Arbeitskreises.
Die Teilnehmer beobachteten, dass die Kinder schon nach kurzer Zeit ruhiger und gelassener wurden. Es gab weniger Konflikte, Regeln wurden besser eingehalten und die Gemeinschaft entwickelte sich positiv. Zugleich regten die geringeren äußeren Reize die Kreativität der Kinder an.
Sucht kommt selten allein
Um das Personal in Kindertagesstätten langfristig für Suchterkrankungen zu sensibilisieren, seien regelmäßige Weiterbildungen und der Erfahrungsaustausch wichtig, erklärte Jens Pook. Wenn möglich, sollten auch die Eltern einbezogen werden. Das sei allerdings nicht immer einfach. In suchtbelasteten Familien spiele häufig Scham eine Rolle und die Erkrankung werde nach außen verborgen.
Nach Angaben der Caritas kommt nur etwa ein Drittel der Kinder aus suchtbelasteten Familien ohne spätere Beeinträchtigungen durchs Leben. Zwei Drittel seien später selbst von psychischen Erkrankungen betroffen.
„Sucht kommt selten allein“, betonte Pook. Depressionen, Angststörungen, ADHS, Autismus, Vereinsamung, Mobbing oder Fragen zur eigenen Identität könnten dazu beitragen, dass Menschen einen vermeintlichen Ausweg in einer Suchterkrankung suchten.
Zum Abschluss der ersten dreijährigen StarKids-Runde erhielten die Mitglieder des Arbeitskreises ihre Teilnahmezertifikate. Moritz Heller vom Leitungsteam des Inklusiven Campus Duderstadt bedankte sich im Namen der Teilnehmer bei Jens Pook für dessen Initiative und den konstruktiven Erfahrungsaustausch.
Neue StarKids-Runde von 2027 bis 2030
Ab 2027 ist eine weitere dreijährige StarKids-Fortbildung für Mitarbeiter von Kindertageseinrichtungen vorgesehen. Sie soll auch Einrichtungen offenstehen, die nicht von der Caritas getragen werden. Für eine mögliche Zusammenarbeit steht die Caritas bereits mit dem vom Landkreis Göttingen unterstützten Projekt „PaC – Prävention als Chance“ im Austausch.
Interessierte Kindertagesstätten aus Duderstadt und Umgebung können sich bereits jetzt an die Suchtberatung der Caritas wenden. Weitere Informationen gibt es per E-Mail an suchtberatung@caritas-suedniedersachsen.de oder telefonisch unter 05527 9813-60.

