Leinefelde. Wer an der Bachstraße aus dem Auto steigt, bleibt unweigerlich stehen. Die neue Fassadenmalerei ist ein echter Hingucker – und sorgt genau für den Effekt, den sich die Verantwortlichen gewünscht haben: ein spontanes „Wow“.

Fassadenkunst in der Bachstraße. Foto: Ilka Kühn

Das wünscht sich der WVL-Chef Tino Hartlep, wie er heute beim Vorort-Termin sagte. Das mehrgeschossige Gebäude der Bachstraße 2 hatte nicht den besten Ruf. Doch das wird sich nun ändern. Leinefeldes Hochhaus hat eine einzigartige Fassade erhalten.

WVL-Chef Tino Hartlep (re.) bedankte sich herzlich bei Künstler Tino Schneider. Foto: Ilka Kühn

Im Zuge der Vorbereitungen auf die Landesgartenschau wurde in Leinefelde in den vergangenen Jahren viel saniert und aufgewertet. Doch die Bachstraße galt lange als das „letzte hässliche Entlein“ im Musikerviertel. Für die Wohnungsbau- und Verwaltungs GmbH (WVL) war deshalb schnell klar: Hier muss etwas Besonderes entstehen.

Heute wurde das Gerüst abgebaut. Foto: Ilka Kühn

Die Bachstraße 2 hat eine lange und bewegte Geschichte. Das Gebäude wurde 1978 für ein sogenanntes altersgerechtes Wohnen errichtet und verfügte über 108 Wohneinheiten. Im Erdgeschoss waren zwei Arztpraxen untergebracht. In den folgenden Jahren wurde das Haus unter anderem auch als Obdachlosenunterkunft und zur Asylaufnahme genutzt.

Inzwischen wird das Gebäude Schritt für Schritt energetisch und optisch saniert. Die Fernwärmeanschlussstation wurde erneuert, alte Holzfenster werden durch moderne Kunststofffenster ersetzt und der Südgiebel bereits gedämmt. Auch das Umfeld hat sich verändert: Die Stadt wertete den Bereich vor dem Gebäude auf, während die ehemaligen Praxisräume zu einem Stadtteilbüro umgestaltet wurden.

Zudem entstanden über 25 grundhaft sanierte und möblierte Einraumwohnungen, die unter anderem als Monteurswohnungen genutzt werden – auch für Mitwirkende der Landesgartenschau.

Mit Blick auf die Landesgartenschau rückte insbesondere der Südgiebel in den Fokus. Direkt am Hauptparkplatz gelegen, sollte er künftig den ersten Eindruck prägen. Nach intensiver Suche und mehreren Entwürfen fiel die Entscheidung auf den Künstler Tino Schneider aus Groitzsch, erklärte Tino Hartlep.

Sein Auftrag: Die Entwicklung Leinefeldes auf einer rund 25 Meter hohen und 17 Meter breiten Fläche sichtbar zu machen. Vom Dorf über die DDR-Industriestadt bis hin zum heutigen Vorbild für Stadtentwicklung und Städtebau. Elemente aus dem Expo-Quartier, prägende Straßenzüge wie die Einstein- und Büchnerstraße sowie die grüne Umgebung des Eichsfeldes finden sich im Kunstwerk wieder.

Von September bis Oktober wurde zunächst ein Wärmedämmverbundsystem angebracht, bevor die künstlerische Gestaltung begann. Entstanden ist eine Fassadenmalerei mit beeindruckender räumlicher Wirkung. Sie lenkt den Blick bewusst in die Stadt hinein und lädt dazu ein, entlang der grünen Achse weiterzugehen.

Genau das war das Ziel: Besucher sollen nicht nur zur Landesgartenschau kommen, sondern die Stadt selbst entdecken – und vielleicht mit einem neuen Blick wahrnehmen.

Die Fassade ist damit nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch eine Hommage an die Entwicklung Leinefeldes und an die Menschen, die diese geprägt haben. Gleichzeitig versteht sie sich als Geschenk der WVL an die Bürger und die Gäste der Landesgartenschau.

In Kürze wird zudem eine Infotafel installiert, die die einzelnen Elemente des Bildes erläutert.

Und es geht weiter: Auch der Nordgiebel soll im Laufe des Jahres gedämmt und künstlerisch gestaltet werden. Geplant ist, dass Besucher dem Künstler dabei sogar über die Schulter schauen können.

Christian Zwingmann, Patrick Westphalen und Gerd Reinhardt fanden lobende Worte für den Künstler und das Ergebnis. Foto: Ilka Kühn

Das denken auch die drei Bürgermeister, die heute sozusagen die Fassade als erste mit in Augenschein nahmen. Bürgermeister Christian Zwingmann, Ortsbürgermeister Patrick Westphalen und Alt-Bürgermeister Gerd Reinhardt. Alle drei sind sehr angetan von diesem Wandbild, zeigt es doch Stadtgeschichte und Entwicklung und stellt alt neben neu.

Kaum zu glauben, dass es ein Bild ist. Foto: Ilka Kühn

In nur rund sieben Wochen hat der Künstler Tino Schneider das Werk vollbracht. Er hat sich mit Leinefelde vertraut gemacht und sich mit vielen Infos versorgen lassen. Das Ergebnis ist der Wahnsinn. Wer mit dem Auto vorbeifährt, denkt nicht, dass es ein Gemälde ist, so echt wirkt die Fassadenmalerei. Heute wurde schon einige Leute beobachtet, die hier fotografiert haben.

Und es steht schon jetzt fest: An dieser Stelle geht niemand mehr einfach vorbei.

Ilka Kühn