
Kaltes Wasser, kalte Heizung. Man kann nur froh sein, dass jetzt nicht Winter ist. Auch wenn kalt Duschen gesund sein soll, es ist nicht jedermanns Sache.
Foto: Ilka Kühn
Leinefelde. Die Probleme in der Fernwärmeversorgung spitzen sich weiter zu – und werden jetzt auch politisch deutlich adressiert. Nach erneuten Ausfällen und mehreren Leitungsdefekten wächst der Druck auf den Betreiber.
Am gestrigen Tag kam es nach Angaben aus der Stadt erneut zu Störungen im Netz. Hintergrund sind offenbar mehrere Rohrbrüche, die sich bei den aktuellen Witterungsbedingungen häufen. Fachlich ist das kein Zufall: Hohe Temperaturunterschiede von bis zu 80 oder 90 Grad sowie entsprechender Leitungsdruck setzen den teils stark veralteten Leitungen massiv zu. Ist ein Schaden erst einmal aufgetreten, folgen häufig weitere – eine Kettenreaktion, die das gesamte System destabilisieren kann.
Besonders brisant: Tausende von Menschen in Leinefelde sind an die Fernwärme angeschlossen. Hinzu kommen zahlreiche öffentliche Einrichtungen, darunter auch das Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes. Fällt die Versorgung aus, trifft das also nicht nur einzelne Haushalte, sondern sensible Bereiche der Daseinsvorsorge.
Ortsbürgermeister Patrick Westphalen macht deshalb klar, dass es so nicht weitergehen kann. Er fordert vom Betreiber ein umfassendes Sanierungskonzept – und zwar zeitnah. Die Leitungen seien teilweise so alt, dass ein Austausch unausweichlich sei. Gleichzeitig steht der Vorwurf im Raum, dass über Jahre hinweg zu wenig in die Infrastruktur investiert wurde.
„Es kann nicht sein, dass die Versorgung immer wieder zusammenbricht, während gleichzeitig Gewinne abgeschöpft werden, ohne dass ausreichend in die Erneuerung des Netzes investiert wird“, so der Ortsbürgermeister. „Wir reden hier von der Grundversorgung für tausende Menschen. Die Bürger haben ein Recht auf Versorgungssicherheit.“
Die Kritik geht noch weiter: Sollte sich die Situation nicht zeitnah verbessern, könne das Thema auch politisch an Bedeutung gewinnen. Für viele Bürger sei die Zuverlässigkeit der Wärmeversorgung kein abstraktes Problem, sondern eine ganz konkrete Frage des Alltags – und damit letztlich auch eine, die bei Wahlen eine Rolle spielen könne.
Klar ist: Die aktuelle Lage ist kein kurzfristiges Problem, sondern ein strukturelles. Ohne gezielte Investitionen in das Leitungsnetz dürfte sich die Situation weiter verschärfen. Die Forderung nach einem klaren Fahrplan zur Sanierung wird daher immer lauter.
Ilka Kühn

