Leinefelde. Ein Dorf, das längst von der Landkarte verschwunden ist, wird zur Landesgartenschau 2026 wieder sichtbar: Mit der Ausstellung „Die Wüstung Kirrode – Ein mittelalterliches Dorf erwacht zu neuem Leben“ entsteht auf dem Gelände der Schau ein besonderer Zugang zur regionalen Geschichte.

Vor ein paar Tagen waren Baufirmen fleißig am Werk, um hier den einstigen Kircheneingang mit Steinen anzudeuten. Foto: Ilka Kühn

Das mittelalterliche Dorf Kirrode lag einst zum Teil genau dort, wo heute die Landesgartenschau vorbereitet wird. Viel ist über die Siedlung nicht überliefert – nur wenige urkundliche Hinweise geben Auskunft über ihre Existenz. Gleichzeitig wurden über viele Jahre hinweg zahlreiche archäologische Funde gemacht, die ein spannendes Gesamtbild für die Mittelalterforschung ergeben. Doch vor Ort ist davon bislang nichts zu sehen, und viele der Funde sind noch nicht vollständig ausgewertet.

Genau hier setzt das Konzept der Ausstellung an. Statt einer klassischen wissenschaftlichen Präsentation entsteht ein bewusst leicht zugängliches Erlebnis für ein breites Publikum. Ziel ist es, Kirrode erlebbar zu machen – auch dort, wo Fakten fehlen. Auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse werden deshalb auch plausible Interpretationen einbezogen, um das Leben im Dorf anschaulich darzustellen.

Entwickelt wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sowie ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern und der Agentur INSEL + MEILE Leipzig. Beteiligt sind unter anderem Dr. Scherf sowie die engagierten Unterstützer Dr. Leuckefeld und Uwe Kammloth.

Im Zentrum steht eine Ausstellungsfläche direkt auf historischem Boden. Dort wird ein Ausschnitt des ehemaligen Dorfes sichtbar gemacht. Ein archäologischer Pfad führt die Besucher durch das Gelände und macht die Strukturen der früheren Siedlung nachvollziehbar. Symbolische Gebäudeformen markieren, wo einst Häuser gestanden haben könnten.

An mehreren Stationen wird das Leben in Kirrode greifbar. Thematisiert werden unter anderem die Wassermühle, die als wichtiger Wirtschaftsfaktor diente, handwerkliche Tätigkeiten wie Töpfern, Weben und Gerben sowie das gemeinschaftliche Leben auf den Gehöften. Auch die Kirche als sozialer und religiöser Mittelpunkt des Dorfes spielt eine zentrale Rolle.

Ein besonderes Element ist das Storytelling-Konzept, das vor allem Familien anspricht. Über eine Audioführung begleitet die fiktive Figur Simon, der Sohn des Müllers, die Besucher durch „sein“ Dorf. Er erzählt aus seinem Alltag und gibt Einblicke in das Leben der Menschen von damals. Ergänzt wird dies durch eine weitere Figur: eine Maulwürfin, die als „Grabungsexpertin“ humorvoll durch die archäologischen Spuren führt.

So entsteht ein Angebot, das bewusst generationsübergreifend angelegt ist. Kinder werden spielerisch an Geschichte herangeführt, während Erwachsene zugleich fundierte Informationen erhalten.

Die Ausstellung zeigt, dass auch ein verschwundenes Dorf noch viel zu erzählen hat. Kirrode wird also nicht als abgeschlossener Forschungsfall präsentiert, sondern als offenes Kapitel regionaler Geschichte – mit Raum für Entdeckungen, neue Erkenntnisse und lebendige Vermittlung.

Ilka Kühn