Leinefelde. Es sind diese kleinen Welten, die große Faszination auslösen – und das ganz unabhängig vom Alter. Wenn filigrane Züge durch detailreiche Landschaften rollen, bleiben Kinder wie Erwachsene gleichermaßen stehen. Genau das war am vergangenen Wochenende wieder in der Obereichsfeldhalle zu erleben, als der Eisenbahnclub Leinefelde zur 19. Modellbahnausstellung eingeladen hatte.

Im Foyer konnte man sich interessante Videos anschauen. Foto: Ilka Kühn
Ein Teil der Anlage des Eisebahnclubs Leinefelde. Foto: Ilka Kühn

Alle zwei Jahre richtet der Verein diese große Präsentation aus, ergänzt durch eine beliebte Modellbahnbörse. An diesem bewährten Rhythmus wollen die Leinefelder auch künftig festhalten. Lediglich die Corona-Pandemie hatte den Zeitplan zwischenzeitlich ausgebremst. Der Blick geht nun nach vorn: 2028 feiert der Verein sein 35-jähriges Bestehen – verbunden mit der 20. Modellbahnausstellung. Dann sollen auch die dänischen Modellbahnfreunde wieder dabei sein, mit denen sich der Club bereits Anfang Februar auf der größten Modelleisenbahnmesse Deutschlands in Dresden trifft. Dort präsentieren sich die Leinefelder auf über 12.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

Der Auftakt der Ausstellung verlief am Samstag zunächst verhalten. Das winterliche Wetter wirkte sich spürbar auf die Besucherzahlen aus. „Eigentlich wollten wir den Winter mit einer Winteranlage in die Halle holen – dann kam er draußen gleich richtig“, sagte Vereinschef Jachmann mit einem Augenzwinkern. Am Sonntag jedoch besserte sich das Wetter, und die Halle füllte sich deutlich. Viele nutzten die Gelegenheit zum Fachsimpeln, zum Austausch von Modellen oder um sich Videos rund um das Hobby anzuschauen. Für die Zukunft gibt es bereits neue Ideen: Auch Lego-Eisenbahnen könnten bei kommenden Ausstellungen eine Rolle spielen.

Seit 30 Jahren sind Miniaturen und Modellbahn sein Hobby. Foto: Ilka Kühn

Ein fester Anziehungspunkt war erneut die Anlage von Erhard Windolph aus Niederorschel. Seit rund 30 Jahren beschäftigt er sich mit Modelleisenbahnen und Miniaturen – und das mit beeindruckender Liebe zum Detail. Winzige Figuren drehen ihre Runden auf einem Karussell, laufen Schlittschuh auf einem zugefrorenen See oder zeigen Szenen aus traditioneller und moderner Landwirtschaft. Viele Besucher blieben stehen, schmunzelten und erinnerten sich: „So haben wir früher auch noch Heu gemacht“ oder „zu Hause geschlachtet“. Bemerkenswert ist dabei, dass Erhard Windolph selbst nicht aus der Landwirtschaft stammt, sondern früher im Bauwesen tätig war.

Handgemalte Miniaturen von Erhard Windolph. Foto: Ilka Kühn

Geduldig erklärte er, wie Figuren und Landschaften entstehen, sprach über die Herausforderungen beim Bemalen der winzigen Details – mit speziellen Brillen, feinen Pinseln und vor allem viel Ruhe. Der Respekt der Besucher war ihm sicher, denn alles ist handgearbeitet.

Thomas Motz aus Diedorf mit seiner Winteranlage. Foto: Ilka Kühn

Ebenfalls viel Beachtung fand die Winteranlage von Thomas Motz aus Diedorf. Seit etwa 15 Jahren widmet er sich dem Modellbau. Angefangen hatte alles, als seine Kinder größer wurden und wieder mehr Zeit für eigene Hobbys blieb. Auf eine Sommeranlage, an der er rund sechs Jahre arbeitete, folgte eine Winterlandschaft, die ihn drei lange Winter beschäftigte.

Filigrane Winterlandschaft. Foto: Ilka Kühn

Entstanden ist eine Szenerie mit Weihnachtsmarkt, Skigebiet, Furt, Felsen und Feuerwehr – letztere, wie Motz schmunzelnd sagt, „kommt bei Jungen immer gut an“. Als jüngste Ergänzung entstand im vergangenen Jahr noch eine kleine Höhle für Anna und Elsa. Weitere große Veränderungen plant er bewusst nicht mehr: Die Anlage soll nicht überladen werden.

Nicht fehlen durfte natürlich auch einer der absoluten Höhepunkte der Ausstellung: die große Vereinsanlage der Leinefelder selbst. Sie ist jedes Mal ein Publikumsmagnet und zeigt eindrucksvoll, welches Niveau der Verein inzwischen erreicht hat.

Ergänzt wurde die Obereichsfeldhalle erneut durch eine weitläufige Fläche, auf der die Minitrucker aus Göttingen ihre Runden drehten. Ohne den Minitruckclub Göttingen wäre die Modellbahnausstellung inzwischen kaum noch vorstellbar.

Beeindruckend: Die Minitrucks aus Göttingen-Rosdorf. Foto: Ilka Kühn

Mit viel Technik, Präzision und sichtbarer Begeisterung bereichern die Mitglieder seit Jahren die Veranstaltung in der Obereichsfeldhalle. Ihre ferngesteuerten Fahrzeuge ziehen Jung und Alt gleichermaßen in den Bann und sorgen für Bewegung jenseits der Schienen. Auch außerhalb der Halle sind sie fester Bestandteil des Leinefelder Veranstaltungskalenders: Im Sommer gehören ihre Modellschiffe längst zum Stadtfest am Teich dazu. Genau diese Mischung aus Eisenbahn, Modellbau und ferngesteuerter Technik macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus – und sorgt dafür, dass viele Besucher jedes Mal gern wiederkommen.

Rockstar kam auch mit Musik von den Puhdys. Foto: Ilka Kühn

Die 19. Modellbahnausstellung in Leinefelde hat einmal mehr gezeigt, wie viel Leidenschaft, Geduld und Kreativität in diesem Hobby stecken – und warum diese kleinen Welten immer wieder aufs Neue begeistern.

Ilka Kühn