Nach dem Spatenstich wurde das große Bauschild enthüllt. Foto: Ilka Kühn

Heiligenstadt. Mit einem großen Kreis geladener Gäste hat das Eichsfeld Klinikum am Freitag, 30. Oktober, den symbolischen Start für seinen Neubau in Heiligenstadt gefeiert. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt sprach von einer Investition von einer Viertelmilliarde Euro und der größten, die Thüringen bislang für ein Klinikum eingegangen sei.

Auf dem angrenzenden Feld machten große Behälter bereits sichtbar, welche Dimensionen das künftige Krankenhaus haben soll.

Geschäftsführer des Eichsfeld Klinikums Dr. Gregor Bett bei seiner Ansprache. Foto: Ilka Kühn

Das Klinikum hatte Kommunalpolitiker, Vertreter der Wirtschaft und weitere Gäste zum Spatenstich eingeladen. Die Straße zum künftigen Krankenhaus war abgesperrt, für die Eingeladenen gab es eine Zufahrt. Das Festzelt bot rund 600 Stehplätze. Angesichts der vielen Besucher entstand der Eindruck, dass kaum jemand die Einladung hatte ausschlagen wollen.

Noch stehen auf dem Gelände keine Krankenhausgebäude. Mit den Behältern waren jedoch die Bereiche abgesteckt, in denen sie entstehen sollen. So ließ sich schon vor dem ersten Hochbau erahnen, wie viel Raum das Vorhaben einnehmen wird. Auch beim eigentlichen Spatenstich blieb es nicht bei einer kleinen Gruppe: Zahlreiche Beteiligte griffen gemeinsam zum Spaten.

Ministerpräsident Mario Voigt wurde u.a. herzlich empfangen von Landrätin Dr. Marion Frant, Dr. Gregor Bett (re.) und Bundestagsabgeordneter David Gregosz. Foto: Ilka Kühn

Für Geschäftsführer Dr. Gregor Bett steht hinter dem Neubau eine grundlegende Veränderung der medizinischen Versorgung. Er bezeichnete das Projekt als gelebte Gesundheitsreform. Dazu gehöre auch, die Zahl der Betten zu reduzieren. Ein Beispiel für diese konsequente Haltung ist, dass wir das erste Klinikum in Deutschland sein werden, das konsequent auf Einbettzimmer setzt. Und zwar Einbettzimmer für jeden Patienten, egal, wie er versichert ist, insgesamt 290 Einzelbetten, versicherte der Klinikchef.

Vom neuen Krankenhausstandort ein Blick auf Heiligenstadt. Foto: Ilka Kühn

Bett begründete dies mit besseren Bedingungen für Medizin und Pflege, dem Schutz der Privatsphäre und wirtschaftlichen Vorteilen. In einem entsprechend geplanten Krankenhaus könne anders gearbeitet werden. Sein Leitmotiv: ein Krankenhaus, das Zukunft kann.

Landtagspräsident Dr. Thadäus König ordnete den Spatenstich in die längere Vorgeschichte ein. Er erinnerte an den 26. August 2022. Damals habe die Gesellschafterversammlung entschieden, einen Klinikneubau anzustreben. Später sei die Entscheidung für den Standort Heiligenstadt gefallen. Zuvor habe der Kreistag für den Gesellschafter Landkreis Eichsfeld den Weg freigemacht.

Als weitere Gesellschafter nannte König die Vincenz-Stiftung in Heiligenstadt und die St.-Elisabeth-Stiftung in Worbis. Mit der Zusammenführung der bisherigen drei Standorte verbinde sich die Chance, die Gesundheitsversorgung der Region neu zu gestalten. Personal, Medizintechnik und Leistungen könnten an einem Standort gebündelt werden. Gerade angesichts des Personalmangels in der Pflege sei das von Bedeutung.

Thadäus König bezeichnete den Neubau als größte Investition in der Region seit dem Autobahnbau. Zugleich betonte er, dass es um die Patienten und um gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten gehe. Wie im Krankenhaus gearbeitet und behandelt werde, sei entscheidend.

Eine technische Unterbrechung teilte sein Grußwort vorübergehend in zwei Abschnitte. Nach dem Stromausfall setzte er seine Rede fort und erinnerte auch an den 2024 verstorbenen SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Hartung. Dieser habe sich früh für das Vorhaben eingesetzt und auf Regierungsseite dazu beigetragen, die ersten Mittel bereitzustellen, während König damals für die CDU aus der Opposition heraus daran gearbeitet habe.

Eine örtliche Neuigkeit brachte Thadäus König ebenfalls mit: Nach seinen Worten hatte sich der Heiligenstädter Kulturausschuss am Vortag darauf verständigt, die Straße am neuen Klinikum nach Vinzenz von Paul zu benennen. Damit solle auch an die Geschichte der Vinzentinerinnen und des bisherigen Heiligenstädter Krankenhauses erinnert werden.

Mario Voigt würdigte die Arbeit der rund 1.200 Beschäftigten, von Ärzten und Pflegekräften bis zu Technik und Verwaltung. Sie benötigten ein Haus, das ihrer Arbeit gerecht werde. Der Neubau sei zugleich ein Signal für den Wirtschaftsstandort und für junge Familien und Fachkräfte, die sich für ein Leben im Eichsfeld entscheiden.

Mit Blick auf die Bauphase äußerte er die Hoffnung, dass auch Handwerksbetriebe, Bauunternehmen und Zulieferer aus der Region profitieren. Die Wertschöpfung solle in Thüringen bleiben. Den Beteiligten wünschte er einen erfolgreichen und unfallfreien Bauverlauf.

Für das neue Krankenhaus hob Voigt neben dem Zimmerkonzept vor allem die Digitalisierung, die Verbindung ambulanter und stationärer Versorgung sowie eine energieeffiziente und nachhaltige Bauweise hervor. Den neuen Thüringer Krankenhausplan kündigte er für die kommenden Wochen an.

Ministerpräsident Mario Voigt stellte die Bedeutung einer wohnortnahen Versorgung heraus. Wer krank werde, wolle keine stundenlangen Wege zurücklegen müssen. Besonders bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt komme es auf Hilfe in der Nähe an. „Gesundheit ist Heimat“, fasste er seinen Gedanken zusammen.

Der Spatenstich selbst dauerte nur einen kurzen Moment. Bis aus den mit Strohballen markierten Flächen ein Krankenhaus wird, liegt die eigentliche Bauarbeit noch vor den Beteiligten.

Heute standen zunächst die Erwartungen im Mittelpunkt: an die Versorgung der Patienten, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten und ein Vorhaben, dessen Größe sich auf dem freien Feld bereits abzeichnet.

Ilka Kühn