Die japanischen Gäste hatten als Geschenk zwei sehr wertvolle in japanischer Handwerkskunst hergestellte Bilder mitgebracht, die Ansichten von Leinefelde und Kanegasaki zeigen. Foto: Ilka Kühn

Leinefelde. Fast 9.000 Kilometer liegen zwischen Leinefelde-Worbis und Kanegasaki. Und doch war am Dienstagabend im Rathaus Wasserturm zu spüren, dass aus einer offiziellen Städtepartnerschaft längst eine persönliche Verbindung geworden ist. Bei einem würdevollen Festakt haben beide Städte ihre seit 24 Jahren bestehende Partnerschaft erneuert.

Seit Montag ist eine Delegation aus der japanischen Stadt Kanegasaki zu Gast in Leinefelde-Worbis. Höhepunkt des Besuches war am Dienstagabend die Unterzeichnung der neuen Partnerschaftsurkunden durch die Bürgermeister Christian Zwingmann und Fumihiro Takahashi.

Vertragsunterzeichnung der beiden Bürgermeister im Rathaus Wasserturm. Foto: Ilka Kühn

Für Fumihiro Takahashi war dieser Abend auch persönlich etwas Besonderes. Erst seit März dieses Jahres ist er Bürgermeister von Kanegasaki – Leinefelde aber kennt er schon seit einem Vierteljahrhundert.

„Das ist mein zweiter Besuch in Ihrer Stadt“, erinnerte er in seiner Ansprache. Bereits 2001, noch bevor die Städtepartnerschaft offiziell geschlossen wurde, war er nach Leinefelde gekommen. Damals arbeitete er für die Stadt Kanegasaki und war für die Erhaltung und Pflege historischer Stadtbilder zuständig.

In Leinefelde wurde er seinerzeit vom damaligen Bürgermeister Gerd Reinhardt empfangen. Besonders beschäftigte sich die japanische Delegation mit der Stadtentwicklung und der Erneuerung der Wohngebiete. „Ich habe viel über die Stadtentwicklung gelernt“, sagte Takahashi rückblickend.

25 Jahre später ist derselbe Mann wieder in Leinefelde – diesmal als Bürgermeister seiner Heimatstadt.

Fumihiro Takahashi erinnerte auch an den Besuch einer Delegation aus Leinefelde-Worbis im Jahr 2022 in Kanegasaki. Damals war bereits die Einladung ausgesprochen worden, zur Landesgartenschau nach Leinefelde zu kommen. Dass dieser Besuch nun Wirklichkeit geworden ist, erfülle ihn mit großer Freude.

Der Bürgermeister gratulierte Leinefelde-Worbis ausdrücklich zur Landesgartenschau und wünschte der Stadt weiteren Erfolg bei der Entwicklung unter dem Konzept „Stadtumbau 2.0“. Die japanischen Gäste wollen ihren Aufenthalt zugleich nutzen, um sich Anregungen für die eigene Stadtentwicklung zu holen.

„Wir möchten durch diesen Besuch aus den innovativen Initiativen der Landesgartenschau Ideen für die zukünftige Stadtentwicklung unserer Stadt lernen“, erklärte Takahashi.

Die Gäste erlebten einen würdevollen Festakt im Rathaus Wasserturm. Foto: Ilka Kühn

Die Verbindung zwischen Leinefelde-Worbis und Kanegasaki begann bereits vor der offiziellen Partnerschaft. Über einen wissenschaftlichen Austausch mit der Tohoku-Universität entstanden um das Jahr 2000 erste Kontakte. Im September 2002 unterzeichneten der damalige Leinefelder Bürgermeister Gerd Reinhardt und sein Amtskollege Norio Takahashi die erste Partnerschaftsurkunde.

Seitdem folgten zahlreiche gegenseitige Besuche und Begegnungen. 2010 wurden sogar für mehrere Monate Mitarbeiterinnen zwischen beiden Städten ausgetauscht. Besonders in schwierigen Zeiten zeigte sich, dass die Verbindung nicht nur auf dem Papier besteht. Nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan im Jahr 2011 bekundeten die Menschen in Leinefelde-Worbis ihre Anteilnahme. Eine Geste, an die sich die japanischen Freunde bis heute erinnern.

Christian Zwingmann betonte, dass die Städtepartnerschaft einen Beitrag dazu leisten könne, den friedlichen Austausch auch über große Entfernungen hinweg zu fördern. Im kommenden Jahr besteht die Verbindung bereits seit 25 Jahren. Über die Gestaltung dieses Jubiläums wird derzeit zwischen beiden Städten gesprochen.

Mit Bürgermeister Fumihiro Takahashi sind unter anderem die Kanegasaki-Stadträtin Noriko Abe, Daniel DeGrasse vom Zentrum für lebenslanges Lernen und internationalen Austausch sowie Vertreter des Internationalen Vereins Kanegasaki nach Deutschland gekommen. Zur Delegation gehört auch der frühere Bürgermeister Yoshiichi Takahashi, der Leinefelde-Worbis bereits mehrfach besucht hat.

Und gerade an diesem Abend zeigte sich noch etwas, das sich nur schwer in einer Partnerschaftsurkunde festhalten lässt. Die japanischen Gäste begegneten ihren Gastgebern mit einer bemerkenswerten Höflichkeit, Aufmerksamkeit und Dankbarkeit. Sie nahmen ihr Gegenüber wahr und zeigten ihre Wertschätzung ganz selbstverständlich. Da kann man durchaus etwas voneinander lernen.

Sona Greßler und Felipe de Souzeüberraschten die Gäste beim Festakt u.a. mit einem Czardas von Vittorio Monti. Foto: Ilka Kühn

Einen wesentlichen Anteil an der besonderen Atmosphäre hatte die Eichsfelder Musikschule. Die Schülerinnen und Schüler Sona Greßler, Sofia Lorenz und Felipe de Souze  gestalteten den Festakt musikalisch auf hervorragende Weise. Die Beiträge kamen bei den Gästen aus Kanegasaki sichtlich gut an und verliehen der Veranstaltung einen besonders feierlichen Rahmen.

Zum Abschluss griffen die Gastgeber eine inzwischen lieb gewordene Tradition auf: Gemeinsam wurde das Eichsfelder „Heideröslein“ gesungen Foto). Fumihiro Takahashi erhielt außerdem die Gelegenheit, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Bevor die japanischen Gäste morgen die Heimreise antreten, hatte das Programm noch einiges vorgesehen. Neben weiteren Stationen in Leinefelde-Worbis besuchten sie auch Mühlhausen. Vor allem aber wollen beide Seiten die Tage nutzen, um darüber zu sprechen, wie die Partnerschaftkünftig mit Leben erfüllt werden kann.

Ilka Kühn