Christina Riethmüller-Walter von der Lebenshilfe nahm mit großer Freude und Dankbarkeit die großzügige Spende der Schützengesellschaft aus den Händen von Marko Godau entgegen. Foto: Ilka Kühn

Worbis. Das Wetter meinte es am vergangenen Sonntagvormittag nicht besonders gut mit den Worbiser Schützen. Immer wieder regnete es, entsprechend überschaubar blieb die Zahl der Besucher. Zeitweise war die Schützengesellschaft fast unter sich. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Im Jubiläumsjahr zeigte sich einmal mehr, dass zum Schützenwesen in Worbis weit mehr gehört als der sportliche Wettkampf.

Nach der Hl. Messe fanden sich alle im Festzelt ein. Marko Godau (2.v.li.) würdigte hier das Engagement der Schützengesellschaft. Foto: Ilka Kühn
Diese neue Ratsscheibe hat Bürgermeister Christian Zwingmann von der Schützengesellschaft – gemalt von Johanna Keil (re.) – für das kleine Sitzungszimmer im Rathaus erhalten. Foto: Ilka Kühn

Der Vormittag begann mit der inzwischen fünften Schützenwallfahrt und einem Gottesdienst. Anschließend ging es zum Frühschoppen ins Festzelt. Dort wartete vor allem auf die jüngeren Besucher eine besondere Aktion: das Schießen mit dem Lichtgewehr.

Mit dem laserbasierten System können bereits Kinder ab sechs Jahren ganz ohne Knall und Munition erste Erfahrungen beim Zielen und Schießen sammeln. Die Technik ermöglicht einen sicheren Einstieg in den Schießsport. Für die Kinder gibts kleine Präsente, Erwachsene können Gutscheine gewinnen.

Mit dem sogenannten Lichtgewehr durfte jeder schießen im Zelt, auch Ortsbürgermeister Jens Worm-Büschleb hat es probiert. Foto: Ilka Kühn

Dabei stand nicht allein der Wettbewerb im Mittelpunkt. Das Startgeld aus dem Lichtgewehrschießen soll einem guten Zweck zugutekommen. Unterstützt wird das Kinderhospiz in Göttingen. Damit setzte die Schützengesellschaft eine Reihe sozialer Aktivitäten fort, die gerade im Jahr ihres 450jährigen Bestehens eine wichtige Rolle spielen.

Ein weiterer Höhepunkt war die Vorstellung einer neuen Ratsscheibe. Sie wurde von Johanna Keil, stellvertretende Vorsitzende der Schützengesellschaft, von Hand gemalt. Grundlage war eine Fotografie. Beim Ratsschießen wurde aus einer Entfernung von 50 Metern auf die Scheibe geschossen, um Ratskönig und Ritter zu ermitteln.

Vorsitzender und Schützen würdigten dabei ausdrücklich das Engagement von Johanna Keil, die neben den umfangreichen Vorbereitungen für Schützenfest und Jubiläum die Zeit gefunden hatte, die Scheibe anzufertigen.

Unterstützung für die neue Ratsscheibe kam auch von der Stadt. Bürgermeister Christian Zwingmann und der Worbiser Ortsteilbürgermeister Jens Worm-Büschleb hatten das Vorhaben begleitet. Zugleich nutzte die Schützengesellschaft die Gelegenheit, dem Ortsteilrat noch einmal ausdrücklich für dessen finanzielle Unterstützung des Jubiläums zu danken.

Die Ratsscheibe knüpft an eine jahrhundertealte Tradition an. Die Worbiser Schützengesellschaft wurde bereits 1576 gegründet. Wie tief das Schützenwesen mit der Geschichte der Stadt verbunden ist, zeigte sich auch bei Bauarbeiten für den neuen Bärenpark-Eingang , bei denen Überreste alter Schießanlagen entdeckt wurden.

Dass die Schützen ihren Blick jedoch nicht nur auf die eigene Tradition richten, wurde bei einer weiteren Aktion des Vormittags deutlich. An Christina  Riethmüller-Walter von der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis übergab die Schützengesellschaft einen Scheck über 1000 Euro.

Das Geld stammt aus dem Benefizkonzert, das anlässlich des 450jährigen Jubiläums bereits vor dem Schützenfest veranstaltet worden war. Unterstützt wurde dieses Konzert von Thüringens Landtagspräsident Dr. Thadäus König. Das Polizeimusikorchester Thüringen gestaltete den musikalischen Abend.

Die Einnahmen aus dem Konzert wurden von der Schützengesellschaft noch aufgestockt und auf 1000 Euro aufgerundet. Mit der Spende wolle man deutlich machen, dass Schützen nicht nur gemeinsam feiern und ihrem Sport nachgehen, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Die Verbindung zur Lebenshilfe war bei einem Besuch im Kloster entstanden. Die dortige Arbeit hatte bei den Schützen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und schließlich den Gedanken ausgelöst, die Lebenshilfe mit dem Erlös des Benefizkonzertes zu unterstützen.

So wurde der verregnete Sonntagvormittag trotz geringer Besucherzahl zu einem Tag, an dem vieles zusammenkam, was das Schützenwesen in Worbis ausmacht: jahrhundertealte Tradition, Gemeinschaft, Nachwuchsarbeit und die Bereitschaft, auch für andere etwas zu tun.

Ilka Kühn