Dingelstädt. Nach rund 19 Monaten Umbau- und Sanierungsarbeiten ist die Klosterkirche St. Petrus Baptista und Gefährten auf dem Kerbschen Berg wieder eingeweiht worden. Bischof Ulrich Neymeyr nahm am Sonntag, 30. August, die feierliche Weihe vor. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Doch auf dem Kerbschen Berg wurde nicht einfach nur eine alte Kirche saniert. Gemeinsam mit dem benachbarten Familienzentrum entstand die Idee, aus dem Gotteshaus eine Familienkirche und damit einen Ort zu machen, der für Menschen aller Generationen offensteht.
Viele Überlegungen von Familien flossen in die Planungen ein. Mit der Gestaltung wurden die Künstler Susann und Bernhard Lutzenberger aus Bad Wörishofen beauftragt. Eine wichtige Inspiration war die historische Darstellung der „Anna Selbdritt“ aus dem 16. Jahrhundert, die ebenso wie weitere wertvolle Figuren wieder ihren Platz in der Kirche gefunden hat.
Dass die Kirche tatsächlich Menschen aller Generationen zusammenbringen kann, zeigte sich bereits bei der Einweihung. Vom Säugling bis zum Hochbetagten waren Besucher gekommen. Nach dem Gottesdienst wurde bei einem Sommerfest im Klostergarten weitergefeiert.
Kirche mit vielen besonderen Details
Beim Betreten der neu gestalteten Kirche gibt es viel zu entdecken. Direkt am Eingang befindet sich beispielsweise der Taufstein. Dafür wurde ein jahrtausendealter Steinfindling verwendet.
Auch Altar und Ambo fallen sofort ins Auge. Beide wurden aus dem Stamm einer Pappel gefertigt. In den Altar setzte Bischof Neymeyr während der Weihe Reliquien des heiligen Petrus Baptista und seiner Gefährten sowie des heiligen Franziskus ein.
Eine Besonderheit ist die Gestaltung des Altars selbst. Nach dem Einsetzen und Verglasen der Reliquien wurde der bewegliche Teil an den feststehenden geschoben. Gemeinsam bilden beide Teile die Form einer Acht – als Zeichen der Unendlichkeit.
Während der feierlichen Altarweihe wurde der Altar mit Chrisam gesalbt. Anschließend wurden an vier Ecken und in seiner Mitte Wachsdochte und Weihrauch entzündet.
Raum für Gedanken, Sorgen und Freude
Doch die neue Familienkirche soll ausdrücklich nicht nur für Gottesdienste genutzt werden. Sie ist als Begegnungsort gedacht und kann für unterschiedliche Veranstaltungen geöffnet werden.

Zu den besonderen Elementen gehört eine sogenannte Lebenslinie. Kleine Magnete markieren dabei sinnbildlich das Auf und Ab im Leben. Die einzelnen Buchstaben und Zeichen ergeben eine Botschaft, die den Besucher durch sein Leben begleiten soll.
Außerdem gibt es eine Lebenswand. Dort können Besucher ihre Gedanken, Sorgen, Freuden oder Nöte auf Papier schreiben, zusammenrollen und in die Wand stecken. Sie soll daran erinnern, dass niemand mit seinen Gedanken und Problemen allein bleiben muss.
Auch dort, wo früher die Beichtstühle standen, hat sich das Erscheinungsbild grundlegend verändert. Große, in verschiedenen Gelb- und Orangetönen verglaste Türen sorgen für warmes Licht und stellen eine Verbindung zwischen dem Kirchenraum und dem Außenbereich her. Die Bestuhlung ist flexibel und kann je nach Nutzung des Raumes verändert werden.
Viele Unterstützer machten Umbau möglich
Die umfangreiche Umgestaltung wurde durch zahlreiche Förderer ermöglicht. Dazu gehören unter anderem das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, die Bischof-Konrad-Martin-Stiftung, die Vereinigte Kirchen- und Klosterkammer, die Stadt Dingelstädt, der Freistaat Thüringen sowie Fördermittel aus dem LEADER-Programm.
Gedankt wurde bei der Einweihung auch den beteiligten Künstlern, Handwerksbetrieben und dem gesamten Team des Familienzentrums Kloster Kerbscher Berg.
Cornelia Schimek vom Bischöflichen Bauamt und Regionalbeauftragte im Eichsfeld übergab bei der Feier symbolisch den Kirchenschlüssel an Bischof Ulrich Neymeyr sowie Vertreterinnen des Familienzentrums, darunter dessen Leiterin Pia Schröter.
Die Klosterkirche auf dem Kerbschen Berg ist damit weit mehr als ein renoviertes Gotteshaus geworden. Sie soll künftig ein Platz sein, an dem sich Menschen begegnen können – Jung und Alt, Familien und Einzelne, Gläubige ebenso wie Menschen, die vielleicht zunächst nur neugierig auf diesen besonderen Raum sind.
Passend dazu heißt es in einem Grußwort von Monsignore Georg Austen: „Echtes soziales und christliches Miteinander braucht beides: starke Familien einerseits, aber andererseits auch die Begegnung mit anderen.“
Und genau dafür soll die neue Familienkirche auf dem Kerbschen Berg künftig Raum bieten.

