
Leinefelde. Wenn ein Eichsfelder mit seinem musikalischen Können weltweit bekannt geworden ist und dann wieder in die Heimat kommt, ist eigentlich schon fast klar, dass er nicht vor leeren Stühlen spielen muss. Auf das Konzert von Martin Kohlstedt gestern Abend auf der großen Bühne der Landesgartenschau in Leinefelde hatte gefühlt das halbe Eichsfeld gewartet.
Entsprechend groß war die Resonanz: Eine derart gut besuchte Veranstaltung hat es auf der Landesgartenschau bislang wohl noch nicht gegeben. Geschätzt rund 2000 Menschen waren gekommen, um den Pianisten und Komponisten live zu erleben.
Und sie erlebten einen Martin Kohlstedt, wie man ihn kennt: keineswegs abgehoben, dafür musikalisch brillant, nahbar und immer für eine Überraschung gut. Begleitet wurde er zeitweise von drei Musikern – einer Schlagzeugerin und zwei Schlagzeugern. Immer wieder spielte Kohlstedt aber auch allein am Klavier.
Gerade das macht seine Konzerte so besonders. Wer Martin Kohlstedt live erlebt, weiß vorher nie genau, was ihn erwartet. Es gibt kein Programm, das Abend für Abend einfach abgespult wird. Kohlstedt beginnt mit bekannten musikalischen Motiven und lässt daraus im Moment Neues entstehen. Ein Stück kann sich plötzlich steigern, kraftvoll und beinahe eruptiv werden – oder ebenso unvermittelt in ganz ruhige, fast schwebende Passagen übergehen.
Auch in Leinefelde nahm sich der Musiker immer wieder Zeit, zwischen den Stücken etwas zu erzählen. Dabei ging es auch um seine eigenen musikalischen Anfänge. Kohlstedt erinnerte sich an das alte Klavier im Wohnzimmer seiner Familie. Der Schlüssel dazu befand sich bei seinem Vater – und irgendwann wurde das Instrument geöffnet. Von da an ließ ihn das Klavier offenbar nicht mehr los. Er spielte immer wieder, probierte aus, entwickelte seinen eigenen Zugang zur Musik und fand schließlich eine Ausdrucksform, die ihn weit über seine Heimat hinaus bekannt machte.
Dass dieser Abend für ihn mehr war als irgendein weiterer Konzerttermin, war spürbar. Kohlstedt erinnerte daran, dass er in Worbis zur Schule gegangen ist und damit viele seiner frühen Jahre im Eichsfeld verbracht hat. Auch Mitglieder seiner Familie waren unter den Besuchern, darunter seine Großeltern.
Vielleicht war es gerade diese Mischung, die den Abend so besonders machte: ein international erfolgreicher Musiker auf einer großen Bühne – und gleichzeitig jemand, der sichtbar nicht vergessen hat, woher er kommt.
Das Publikum dankte es ihm. Die Fläche vor der Bühne war dicht gefüllt, Menschen standen auch weit über den eigentlichen Zuschauerbereich hinaus. Rund 2000 Besucher dürften es nach Schätzung gewesen sein. Sie erlebten keinen gewöhnlichen Konzertabend, sondern Musik, die sich vor ihren Augen und Ohren entwickelte.

Martin Kohlstedt kam zurück ins Eichsfeld – und das Eichsfeld kam zu Martin Kohlstedt.
Ilka Kühn

