Die Bundesregierung berät heute über das sogenannte Bürokratierückbaugesetz. Im aktuellen Entwurf ist auch vorgesehen, die bereits beschlossene Prämie für die Weidehaltung von Milchkühen zu streichen. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert das Vorhaben und fordert die Koalition aus CDU/CSU und SPD auf, die geplante Streichung zurückzunehmen und die beschlossene Öko-Regelung umsetzen. Der Verband weist darauf hin, dass tierschutzgerechte Rinderhaltung nur mit Zugang zu einer Weide möglich sei. Für immer weniger Rinder ist dies allerdings die Realität.
„Zugesagte Anreize für mehr Tierschutz zu streichen hat nichts mit Bürokratieabbau zu tun – es wäre ein fatales Signal!“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wer wirklich bessere Bedingungen für Tiere in der Landwirtschaft möchte, muss Betriebe, die vorangehen, auch verlässlich unterstützen – anstatt beschlossene Förderungen kurz vor dem Start wieder abzuräumen und damit für Vertrauensverlust und noch mehr Planungsunsicherheit zu sorgen.“
Nur Weidehaltung tierschutzgerecht
Rinder sind soziale und bewegungsaktive Tiere. Nur auf einer Weide können sie ihre natürlichen Verhaltensweisen und Grundbedürfnisse ausleben. Dennoch wird Millionen von ihnen eine tierschutzgerechte Haltung mit Weidegang verwehrt. Zwei Drittel aller Rinder in Deutschland betreten ihr Leben lang keine Weide, sondern müssen in Stallsystemen mit sehr begrenzten Platzverhältnissen leben. Rund zehn Prozent der Rinder in Deutschland stehen sogar noch in tierschutzwidriger Anbindehaltung.
Koalitionsvertrag verspricht Ausweitung freiwilliger Regelungen
Die Öko-Regelung für die Weidehaltung wurde 2024 beschlossen und 2025 nochmal um ein Jahr verschoben – um den Bundesländern mehr Vorlauf zu gewähren. Es handelt es sich um ein freiwilliges Förderinstrument im Rahmen der GAP-Direktzahlungen. Für Betriebe, die sie nicht beantragen, verursachen Öko-Regelungen keinen zusätzlichen Aufwand. “Der Koalitionsvertrag verspricht ausdrücklich die Ausweitung solcher Regelungen”, so Schröder. “Eine Streichung ist daher umso weniger nachvollziehbar.”
Auch nach ausdrücklicher Empfehlung der Zukunftskommission Landwirtschaft ist es notwendig, die Gemeinsame Agrarpolitik so weiterzuentwickeln, dass sie gesellschaftliche und Ökosystemleistungen stärker honoriert, und das Budget für Öko-Regelungen anzuheben.

