
Dingelstädt/Kerbscher Berg. Mit einem eindringlichen Appell gegen Resignation und für mehr Zusammenhalt hat Bischof Ulrich Neymeyr bei der Frauenwallfahrt auf dem Kerbschen Berg in Dingelstädt gepredigt. Unter dem Leitwort „Wer, wenn nicht wir“ rief er die Gläubigen dazu auf, Hoffnung zu bewahren, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv für Mitmenschen, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Vor zahlreichen Frauen und auch Männern sprach Neymeyr über die „Fülle des Himmels“, die in biblischen Geschichten sichtbar werde – etwa bei der Hochzeit zu Kana oder der Brotvermehrung. Der Bischof verband diese Bilder mit der Aufforderung, selbst großzügig zu sein, nicht nur materiell, sondern auch mit Zeit und Aufmerksamkeit für andere Menschen.

Besonders eindringlich warnte er vor einer „Welle der Resignation“, die derzeit viele Menschen erfasse. Gerade junge Menschen hätten oft das Gefühl, dass eigenes Engagement ohnehin nichts verändere. Diese Haltung dürfe sich nicht wie eine „schwere graue Decke“ über die Gesellschaft legen. Christen müssten dagegenhalten, sagte Neymeyr. Jeder könne sich fragen: „Was liegt heute in meiner Macht?“ Schon kleine Schritte könnten etwas bewirken – vom bewussteren Umgang mit Energie bis hin zu freundlichen Worten oder Friedensgebeten.




Das Wallfahrtsplakat mit einer Buhne aus Baumstämmen diente dem Bischof als Symbol für Gemeinschaft und Standhaftigkeit. Nur gemeinsam könne man den gesellschaftlichen Strömungen entgegentreten, die Hoffnung, Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit gefährdeten.
Auch das Thema Migration griff Neymeyr auf. Er warnte vor populistischen Strömungen, die Verständnis für Menschen aus anderen Ländern „wegschwemmen“ würden. Gerade in einer alternden Gesellschaft brauche Deutschland Arbeitskräfte aus dem Ausland. Viele Menschen hätten ihre Heimat zudem nicht freiwillig verlassen, sondern seien vor Krieg und Gewalt geflohen. Der Bischof betonte, alle Menschen seien vor Gott gleich und verdienten Würde und Respekt.
Zum Abschluss erinnerte Neymeyr mit einem Vers aus dem bekannten Kirchenlied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ daran, dass Vertrauen und Hoffnung tragende Kräfte des Glaubens seien. Das Leitwort „Wer, wenn nicht wir“ solle Mut machen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und der Resignation nicht das letzte Wort zu überlassen.

Der Gottesdienst zur Frauenwallfahrt wurde musikalisch gestaltet von der Musikgruppe „Il Coro“ aus Beuren. Im Anschluss kamen viele Besucher bei Mittagessen und Begegnungen zusammen. Angeboten wurden unter anderem faire Kaffee- und Teespezialitäten, Gemüsesuppen sowie ein Bücher- und Weltladen.

Danach gab es och zahlreiche Angebote. Dazu gehörten das Bibelerzählen zur „Hochzeit von Kana“ mit Katharina Kraut-Stuber, Führungen durch die im Umbau befindliche Kloster- zur Familienkirche sowie ein World Café zum Thema Frauenrollen gestern und heute. Ergänzt wurde das Programm durch Kreativangebote, Anbetung und stille Momente im Pfadfinderzelt. Verschiedene Stände des Bistums Erfurt, des Weltladens und der KfD rundeten den Wallfahrtstag ab.

