
Beuren. Der Saal war bis auf einige wenige Plätze gefüllt, die Erwartungen hoch – und die Emotionen spürbar. Bei der Einwohnerversammlung am gestrigen Abend ging es um ein Thema, das Beuren seit vielen Jahren umtreibt: die geplante Westspange für Leinefelde und die Situation der Ortsdurchfahrt.
Stadtbürgermeister Christian Zwingmann hatte zur Versammlung eingeladen und war damit seiner in der Thüringer Kommunalordnung vorgesehenen Aufgabe nachgekommen. Unterstützt wurde er von Vertretern des Landesamtes für Bau und Verkehr aus Leinefelde, dem Leiter des Amtes Andreas Bode und seinem Kollegen Claus Schneemann.

Beide stellten die Planungen sowie die aktuelle Verkehrssituation für Beuren vor. Gleichzeitig wurde jedoch immer wieder betont, dass man lediglich ausführende Stelle sei und die anstehenden Maßnahmen umsetze – Entscheidungen seien an anderer Stelle getroffen worden.
Nach der Vorstellung entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Die Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen – und machten unmissverständlich deutlich, wo sie Probleme sehen. Kritik, Sorgen und auch Unverständnis wurden offen angesprochen.
Ein Punkt sorgte dabei für besondere Aufmerksamkeit: die grundsätzliche Frage, ob die Westspange überhaupt notwendig ist. Ortsbürgermeister Patrick Westphalen griff diesen Gedanken auf und stellte die Planung offen in Frage. Niemand wisse, wie sich der Verkehr in den kommenden Jahren entwickeln werde. Sinkende Bevölkerungszahlen könnten auch zu weniger Verkehr führen.
Viele Bürger wollten zudem wissen, warum Beuren bei den ursprünglichen Planungen nicht gleich mitgedacht wurde – insbesondere im Hinblick auf eine Ortsumfahrung. Die Antwort der Vertreter des Landesamtes fiel ernüchternd aus: Die Planungen laufen bereits seit 2017, auf die damaligen Entscheidungen habe man keinen Einfluss gehabt, diese seien von der Stadt so mitgetragen worden.
Der ehemalige Bürgermeister von Beuren, Uwe Kaufhold, befasst sich seit 2019 mit dem Thema und hat es immer wieder zur Sprache gebracht. 2019 stellte Winfried Ludolph, ehemaliger Mitarbeiter des Straßenbauamtes, in einer Ortsratsitzung die Pläne vor. Doch nichts tat sich. Die Hinweise von Beuren lösen sich scheinbar in Luft auf. In der Einwohnerversammlung hat er gestern Abend nochmals zu diesem Thema gesprochen.
Christian Zwingmann sagte, dass die Menschen damals nicht ausreichend einbezogen wurden. Heute würde man einiges vielleicht anders machen – doch diese Erkenntnis hilft den Betroffenen aktuell wenig.
Denn die Perspektive, die sich aus den bisherigen Planungen ergibt, sorgt für große Sorge im Ort: Eine Ortsumfahrung für Beuren soll erst dann kommen, wenn die Westspange fertiggestellt ist. Bis dahin würde der Verkehr vom Bereich des Toom-Baumarktes bis zur Eisenbahnbrücke in Richtung Beuren umgeleitet – und damit direkt durch den Ort geführt. Für viele Anwohner bedeutet das eine zusätzliche Belastung, die sie so nicht akzeptieren wollen. Und außerdem fragen sich die Einwohner, ob danach die Ortsumfahrung überhaupt noch käme. Woher soll denn das Geld kommen, wenn Kommunen klagen, dass es immer weniger wird.
In der Diskussion wurde immer wieder deutlich gemacht: Es könne nicht sein, dass das Wohl eines Ortes auf dem Rücken eines anderen ausgetragen wird.
Die Wortmeldungen waren teils sehr emotional und wurden immer wieder mit Applaus begleitet. Christian Zwingmann bemühte sich, die Wogen zu glätten und die Diskussion in geordnete Bahnen zu lenken.
Am Ende zeichnete sich zumindest ein Ansatz für weiteres Vorgehen ab. Nach entsprechenden Forderungen aus der Bürgerschaft wurde vereinbart, sich noch einmal gemeinsam mit den Vertretern des Landesamtes zusammenzusetzen. Ziel soll es sein, die Planungen zur Westspange erneut zu überdenken und dabei die Problematik einer Ortsumfahrung für Beuren stärker einzubeziehen. Ein entsprechender Vorschlag kam unter anderem von Tobias Funke aus Beuren.
Auch wenn seitens des Landesamtes mehrfach betont wurde, dass Änderungen kaum noch möglich seien, wollten viele Bürger das so nicht stehen lassen. Für sie ist klar: Solange noch kein Bagger rollt, muss es möglich sein, Planungen zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.
Um die Verkehrssituation in Beuren in absehbarer Zeit zu verbessern, soll nun über eine Ampelanlage nachgedacht werden.
Ilka Kühn

