Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft erkannte drei Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftlern den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2026 zu. Sie waren zuvor vom zuständigen Auswahlausschuss aus 144 Vorschlägen ausgewählt worden, darunter auch Prof. Dr. Johannes Krause.

Von den zehn Preisträgern kommen drei aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, zwei aus den Lebenswissenschaften, drei aus den Naturwissenschaften sowie zwei aus den Ingenieurwissenschaften. Die Ausgezeichneten erhalten jeweils ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro. Diese Gelder können sie bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden. Die Leibniz-Preise wurden feierlich am 18. März 2026 in Berlin vergeben.
Archäogenetik, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Wo sind die Ursprünge historischer Infektionserreger und -krankheiten und wie haben sich diese ausgebreitet und evolutionär weiterentwickelt? Der Biochemiker Johannes Krause schafft es, einen Teil dieser Vergangenheit zu rekonstruieren. Ein Meilenstein war, als er das Bakterium Yersinia pestis als Erreger des Schwarzen Todes identifizierte und so das Feld der Alte-Pathogen-Genomik wesentlich mitbegründete, das natur- und kulturwissenschaftliche Fragestellungen miteinander verzahnt. Seither hat Krause die genetischen Signaturen einer Reihe historischer Erreger aus menschlichen Skeletten untersucht. Dazu zählen Bakterien und Parasiten, die Krankheiten wie Pest, Tuberkulose, Malaria oder Hepatitis verursachen.
Unter anderem schaffte er es, anhand alter DNA in Kombination mit historischen Quellen aus dem Tianshan-Gebiet den Beginn der zweiten Pestpandemie auf 1338 bis 1339 zu datieren und in Zentralasien zu verorten. Weitere Meilensteine stellen Krauses Studien zur Rekonstruktion der (prä)historischen Besiedlungsgeschichte auf verschiedenen Kontinenten dar. Seine Arbeiten geben uns Einblicke, wie Infektionskrankheiten die Geschichte der Menschheit begleitet haben. Sie helfen, eine eurozentrische Perspektive zu korrigieren und globale Mechanismen in den Blick zu rücken.
Johannes Krause studierte Biochemie an der Universität Leipzig sowie am University College Cork und wurde 2008 an der Universität Leipzig in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) promoviert. 2010 wechselte er an die Universität Tübingen, wo er zunächst eine Juniorprofessur für Paläogenetik und im Anschluss eine W3-Professur für Archäo- und Paläogenetik innehatte.
2014 bis 2020 war er Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, seit 2018 ist er zudem Professor für Archäogenetik an der Universität Jena und seit 2020 Direktor der Abteilung Archäogenetik am MPI-EVA in Leipzig.
Er erhielt einen ERC Starting Grant (2013) und einen ERC Synergy Grant (2020). Zu seinen Auszeichnungen zählen unter anderem der AAAS Newcomb Cleveland Prize 2010 und der Fabio-Frassetto-Preis 2020. Seit 2024 ist Krause Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

