Leinefelde. An einem gewöhnlichen Schultag denkt eine Schulleiterin an Organisation, Verantwortung und das, was ansteht. Am vergangenen Freitag jedoch stand Sigrid Ullmann selbst im Mittelpunkt. Zahlreiche Gäste – Kolleginnen und Kollegen, Ehemalige, Vertreter aus Politik und Gremien – waren gekommen, um sie zu verabschieden. Es war ihr letzter Tag an der Schule. Und einer, den so schnell niemand vergessen wird.

Sehr emotional und bewegend verabschiedeten alle in der Turnhalle Schulleiterin Sigird Ullmann. Foto: Ilka Kühn

Schon beim Betreten der Turnhalle war spürbar, dass dieser Nachmittag kein gewöhnlicher Termin im Schulkalender war. Die Reihen waren gut gefüllt, viele Gesichter verrieten Vorfreude, aber auch Wehmut. Menschen, die sie über Jahre begleitet hatten, wollten Danke sagen – persönlich, nicht nur mit Worten, sondern durch ihre Anwesenheit.

Der Schulchor brachte musikalische Grüße.
Anja Fiedler bei der Begrüßung
Anja Fiedler bei der Begrüßung.
Auftritt der Schülerband.
Die Schüler sprachen Wünsche und Dank aus.
Sigrid Ullmann hatte einen Ehrenplatz inmitten der Schüler .

Als Burkhard Venth die Laudatio hielt, wurde schnell deutlich, wie sehr Sigrid Ullmann diese Schule geprägt hat. Seine Worte waren getragen von Respekt und Anerkennung – und immer wieder von sichtbarer Bewegung. Auch die scheidende Schulleiterin selbst hatte des Öfteren Tränen in den Augen. Es waren Tränen der Rührung, aber auch des Stolzes auf das gemeinsam Erreichte.

Gerührt nahm Sigrid Ullmann ein großes Bild entgegen, auf dem alle Schüler verewigt waren. Hier mit Burkhardt Venth und Schülern. Foto: Ilka Kühn

Schon seine ersten Worte holten viele im Raum ab: „Mathe ist logisch“, habe Sigrid Ullmann oft gesagt. Doch an diesem Tag werde anders gerechnet. „Dreizehn Jahre mal Engagement plus Herzblut minus Aufgeben ergibt unsere Schule“, formulierte er – eine Gleichung, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lasse, sondern im täglichen Miteinander spürbar sei.

Die Lehrer hatten alles aufgeboten und unter Leitung von Thomas Fuhlrott extra einen Chor gebildet. Foto: Ilka Kühn

Dreizehn Jahre stand Sigrid Ullmann an der Spitze der Schule. Dreizehn Jahre, in denen sie nicht nur verwaltete, sondern gestaltete. Ihr Weg führte sie nach dem Studium in Halle zunächst nach Oberwiesenthal und Bad Blankenburg, später zurück in ihre Heimatregion. Erfahrungen sammelte sie unter anderem als stellvertretende Schulleiterin, bevor sie die Leitung der Regelschule Konrad Hentrich übernahm.

Was sie auszeichnete, war weniger Lautstärke als Haltung. Struktur war ihre Stärke – klare Ansagen, aber nie hart. Ordnung, aber nie starr. Entscheidungen entstanden im Miteinander. Schülervertretung und Eltern waren für sie selbstverständliche Partner. Sie hörte zu, fragte nach, nahm ernst. „Führung heißt, andere groß werden zu lassen“ – dieser Gedanke beschrieb ihre Arbeit treffend, hieß es in der Rede.

Sigrid Ullmann schenkte Vertrauen. Sie erkannte Potenziale – oft, bevor andere sie selbst wahrnahmen. Schülerinnen und Schüler waren für sie nie nur Namen in Klassenlisten, sondern junge Menschen mit eigenen Ideen. Kolleginnen und Kollegen erlebten sie als fördernde, fordernde und verlässliche Führungskraft. Neue Lehrkräfte fanden unter ihrer Leitung schnell ihren Platz, Lehramtsanwärterinnen blieben der Schule treu. Das spricht für sich.

Zu ihrem Alltag gehörten neben pädagogischen Fragen auch jene Aufgaben, die selten im Rampenlicht stehen: Evaluierungen, Abstimmungen mit Landkreis und Schulamt, Einsatzpläne, Konferenzen – und nicht zuletzt das Krisenmanagement während der Corona-Zeit. Sie trug Verantwortung, ohne den Blick für das Wesentliche zu verlieren: Schule als sozialer Raum, in dem Bildung Beziehung bedeutet.

Unter ihrer Leitung entwickelte sich ein lebendiges Schulleben. Schulfeste mit engagierten Eltern, Schulband und Schulchor, Frühlingslauf, Gesundheitstage, Stadtmeisterschaften, Fair-Play-Tour, Berufsorientierung, Klassenfahrten, Lesenächte und Arbeitsgemeinschaften – die Liste ist lang. Ein besonderer Höhepunkt war die Festwoche zum 95-jährigen Schuljubiläum. Und als Herzstück gilt vielen das Weihnachtsprogramm, bei dem die gesamte Schulgemeinschaft zusammenkommt, so Burkhard Venth.

Während der Verabschiedung hatte Sigrid Ullmann immer wieder Tränen in den Augen. Es waren Tränen der Rührung – und wohl auch des Stolzes. Denn die Wertschätzung war spürbar, ehrlich und von Herzen.

Am Ende zitierte Burkhard Venth ein afrikanisches Sprichwort: „Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh gemeinsam.“ Sigrid Ullmann habe gezeigt, wie weit man gemeinsam kommen könne.

Mit ihrem Ruhestand beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt – Zeit für Familie, Enkel, Garten und vielleicht auch das eine oder andere neue Projekt. Doch was sie aufgebaut hat, bleibt. In Strukturen, in Projekten, in Haltungen – und vor allem in den Menschen.

Die Regelschule Konrad Hentrich verabschiedete nicht nur eine Schulleiterin. Sie verabschiedete eine Persönlichkeit, die Schule lebendig gemacht hat. Das wurde an diesem Tag vielfach deutlich – in den Dankesworten der Schüler, in den Liedern des Schulchores und des eigens gegründeten Lehrerchores, im bunten Programm der Schülerinnen und Schüler sowie in den Grußworten der Gäste.

Ilka Kühn