Erfurt. Der Thüringer Landtag hat in seiner Sitzung am 6. Februar die Anträge zum entschlossenen Vorgehen gegen Straftaten mit K.O.-Tropfen angenommen. Damit ist das Thema nicht nur politisch anerkannt, sondern offiziell auf den Weg gebracht worden. Nun gehen die Beschlüsse zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie sowie in den Ausschuss für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung.
Das ist ein wichtiges Signal. Denn Straftaten mit K.O.-Tropfen sind keine Einzelfälle, sondern ein reales Sicherheitsproblem. Die Substanzen wirken schnell, sind kaum wahrnehmbar und setzen Betroffene gezielt außer Gefecht. Wer so handelt, nutzt die Wehrlosigkeit anderer bewusst aus. Das ist keine „Jugendsünde“, sondern eine besonders perfide Form von Gewalt.
Mit dem Antrag „Straftaten durch K.O.-Tropfen entschlossen entgegentreten – Prävention stärken und eine statistische Erfassung einführen“ (Drucksache 8/2777) hatten die Fraktionen von CDU, BSW und SPD unter anderem eine eigenständige statistische Erfassung entsprechender Delikte sowie verstärkte Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen gefordert. Die Fraktion Die Linke brachte dazu einen Alternativantrag (Drucksache 8/2844) ein, der ebenfalls auf besseren Opferschutz und umfassendere Prävention abzielt.
Dass beide Initiativen angenommen wurden, zeigt: Das Problembewusstsein ist parteiübergreifend vorhanden. Entscheidend wird nun sein, was in den Ausschüssen konkret erarbeitet wird. Dort geht es um die Details – um Zuständigkeiten, Finanzierung, Umsetzungsschritte und mögliche landesweite Kampagnen.
Ein zentraler Punkt bleibt die statistische Erfassung. Bislang werden Taten im Zusammenhang mit K.O.-Tropfen nicht immer gesondert ausgewertet. Ohne klare Zahlen bleibt das tatsächliche Ausmaß im Dunkeln. Gerade weil viele Betroffene sich nicht sofort erinnern können oder aus Scham keine Anzeige erstatten, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Ebenso wichtig ist die Prävention. Aufklärung in Schulen, Sensibilisierung von Veranstaltern und Gastronomie, geschultes Personal bei Polizei und in Krankenhäusern – all das darf nicht nur auf dem Papier stehen. Wer Veranstaltungen besucht, muss sich darauf verlassen können, dass Risiken ernst genommen werden.
Mit dem Beschluss vom 6. Februar hat der Landtag einen Schritt gemacht. Nun müssen den Worten Taten folgen. Wenn Thüringen das Thema konsequent angeht, kann es ein deutliches Zeichen setzen: Straftaten mit K.O.-Tropfen werden nicht verharmlost, sondern klar benannt und entschlossen bekämpft.


